Piraten wollen Basel entern

Am 23. Oktober wählt Basel seine neuen Nationalräte. Mit von der Partie sind auch drei vorgeschlagene Kandidaten der Piratenpartei – jene Partei, die letzten Sonntag in Berlin für einen grossen Überraschungserfolg sorgte.

Die drei Nationalratskandidaten der Piratenpartei (v.l.n.r.): Pat Mächler, Cedric Meury und Battist Utinger.

Die drei Nationalratskandidaten der Piratenpartei (v.l.n.r.): Pat Mächler, Cedric Meury und Battist Utinger.

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Wie aus dem Nichts tauchte das Schiff der Piratenpartei in Berlin auf und nahm ganze 8,9 Prozent des Abgeordnetenhauses ein. Wer sind diese Piraten und was wollen sie? Fragen über Fragen, die sich derzeit nicht nur ganz Deutschland stellt. Auch in Basels politischer Landschaft schippert seit knapp einem Jahr ein Kahn mit Piraten. Drei der insgesamt 120-köpfigen Mannschaft bewerben sich nun um einen von fünf Nationalratssitzen im Kanton Basel-Stadt.

Die Piraten positionieren sich allgemein weder links noch rechts, sie erachten dieses System als überholt und veraltet, darum stehen sie laut eigener Aussage «vorne und agieren progressiv». Dies, weil die Partei Zustimmung aus verschiedensten ideologischen Lagern erhält. Die meisten Piraten sind nicht älter als 35, meist männlich und weisen eine Affinität für Technik auf. Ein Haufen voller Nerds also, der sich für die Legalisierung der Musik- und Filmpiraterie einsetzt? «Ein oft gehörter Vorwurf», sagt Patrick Mächler gegenüber baz.ch. Er ist Vorstandsmitglied der Piratenpartei beider Basel und sogenannter «Pirat erster Stunde». «Die Liberalisierung des Datenaustauschs im Internet ist nur eine von unseren insgesamt drei Hauptforderungen.» Er meint weiter, dass die Partei immer wieder zum Teil fälschlicherweise mit dem Nerd-Stereotyp in Verbindung gebracht werde. Sicherlich gäbe es einige von ihnen, die technik-affin seien, doch gäbe es genauso Piraten, die Designer, Juristen und Politologen seien und die nicht viel mit Technik am Hut hätten.

Ein aussergewöhnlicher Pirat

Patrick Mächler, kurz Pat, schreibt gerade an seiner Masterarbeit im Fach Informatik an der Universität Basel. Auf den ersten Blick gibt Mächler das typische Bild eines Piraten ab; jung, männlich, technik-affin und nerdig. Doch der 28-Jährige studiert nicht nur Informatik, sondern komplettiert sein Fach mit Geschlechterstudien. Schon früh habe ihn das Interesse an Informatik gepackt, sagt der junge Pirat. Es hat ihn aber seit jeher gestört, dass das technische, binär aufgebaute Fach schliesslich den Menschen dienen soll, die man nicht einfach in Kategorien stecken kann. Er meint, dass vor allem Geschlecht nicht binär gedacht werden könne. In seiner Freizeit weist Mächler ein äussert hohes soziales Engagement auf. Er ist sowohl in der Pfadi als auch im Studierendenrat aktiv und Initiator der Fachschaft Informatik.

Die Basler Piraten haben im Unterschied zu ihren Berlinern Kollegen noch keine konkret ausformulierten Vorstellungen zu politischen Belangen wie beispielsweise Bildung. Doch die Grundforderungen sind klar: Transparenz des Staatswesens, freier Zugang zu Wissen und Kultur und eine umsichtigere Digitalpolitik sowie der Einsatz im Bereich fortschreitende Überwachung der Bürger durch Videokameras und Datensammeln. Forderungen, die den Zeitgeist einer Gesellschaft, die zunehmends von Facebook und anderen Social-Media-Seiten geprägt ist, treffen.

Kritik an den Forderungen

Die Piratenpartei versteht das Internet nicht nur als Thema, sondern als Methode. Dieser liegt die Idee von einem herrschaftsfreien, aber nicht regellosen Raum zu Grunde, in dem jeder dank fehlender Wach-Instanz senden und empfangen kann. Entscheidungen ergeben sich dabei aus dem Kräftespiel, das sowohl technisch als auch geographisch losgelöst ist. Nicht jeder versteht das Internet als solches, und auch die parteilichen Forderungen stossen nicht nur auf positive Resonanz.

Die Piratenpartei erachtet beispielsweise Patente als «staatlich garantierte privatwirtschaftliche Monopole, die grundsätzlich eine künstliche Einschränkung der allgemeinen Wohlfahrt darstellen». Diese gelte es abzuschaffen. Dabei wird jedoch ausser Acht gelassen, dass zahlreiche privat-wirtschaftliche Unternehmen von den Einnahmen der Patentrechte, welche ihren Umsatz und somit Arbeitsplätze sichern, abhängig sind.

So fragt man sich, ob die Zeit in Basel für die Piraten reif ist zum Entern und einen Nationalratssitz zu sichern. So denkt auch Pat Mächler, der die Chancen seiner Partei auf einen Sitz gering einschätzt. Er glaubt aber nichtsdestotrotz an einen Erfolg. Mächler fügt an, dass man die Nationalratswahlen mehr als Testlauf für die nächstjährigen Grossratswahlen sähe. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 23.09.2011, 10:23 Uhr

Geschichte der Piratenpartei

Die erste Piratenpartei entstand im Januar 2006 in Schweden im Umfeld der bekannten Internet-Tauschplattform «The Pirate Bay», über die man rechtlich geschützte Inhalte finden und herunterladen kann. Grossen Zulauf erhielt die Partei, nachdem die vier Verantwortlichen von «The Pirate Bay» Mitte April dieses Jahres zu 2,7 Millionen Euro Schadenersatz und einjährigen Haftstrafen verurteilt worden waren. Über «The Pirate Bay» können Nutzer kostenlos Kopien rechtlich geschützter Filme, Musik und Computerprogramme tauschen. Mit ihrem Angebot hätten sie Nutzer angestiftet, Urheberrechte zu verletzen, argumentierte das Gericht. (sda)

Artikel zum Thema

Das Raubzüglein der virtuellen Freibeuter

Dank Julian Assange und seinem aufgelösten Postfinance-Konto blickt die Welt auf die Schweizer Piratenpartei. Nun überlegt sich diese, wie sie den Schwung bewahren kann. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Paid Post

Frauen suchen Männer für Sex!

Immer mehr junge Frauen registrieren sich auf der Webseite für flüchtige Begegnungen, um ungehemmt ihre wildesten Fantasien zu erfüllen.

Kommentare

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

In luftiger Höhe: Ein Paraglider schwebt bei traumhaftem Wetter im Oberallgäu am Mond vorbei. (16. Februar 2019)
(Bild: Filip Singer) Mehr...