Problem mit Musikanten im Tram

Die BVB geben Warn-Durchsagen wegen Strassenmusikanten und Bettlern durch.

«Wenn Polizisten ‹Strassenmusiker› antreffen, die ihr Instrument ganz offensichtlich nicht beherrschen, wird ihnen eine Busse wegen Bettelns ausgestellt», so der Mediensprecher der Polizei.

«Wenn Polizisten ‹Strassenmusiker› antreffen, die ihr Instrument ganz offensichtlich nicht beherrschen, wird ihnen eine Busse wegen Bettelns ausgestellt», so der Mediensprecher der Polizei. Bild: Mischa Christen

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Es ist Wochenende und heiss in Basel. Die Strassen sind gefüllt mit Passanten, flanierenden Pärchen und Touristen. Auch die Trams sind zur Mittagszeit rappelvoll. Im Kleinbasel steigt ein älterer Mann mit einer Handorgel zu. Er hat einen tiefbraunen Hautteint und kommt wahrscheinlich aus Osteuropa. Er grüsst die Gäste im Tram in gebrochenem Deutsch und beginnt sogleich die Anfangsmelodie des Filmklassikers «Der Pate» von Giovanni Rota zu spielen. Jedoch immer nur dieselben zwei Strophen.

Nach zwei Minuten beendet er seine Darbietung, nimmt einen Kartonbecher hervor und bittet die Gäste um ein wenig Münz für seine musikalische Einlage. Die meisten schauen genervt aus dem Fenster. Ein paar Einzelne erbarmen sich des Mannes und kramen ein wenig Kleingeld aus ihren Taschen hervor. Kaum hat der Akkordeon-Spieler das Tram verlassen, ertönt eine Durchsage der BVB durch die Lautsprecher. Die Verkehrsbetriebe fordern ihre Gäste auf, den Musikanten doch bitte kein Geld zu geben.

Vielzahl an Beschwerden

Wie die BVB auf Anfrage schreiben, sei – im Gegensatz zum Betteln und Hausieren – das Musizieren in den öffentlichen Verkehrsmitteln eigentlich gar nicht verboten. Die BVB wollen ihren Fahrgästen die Präsenz von Strassenmusikanten wohl trotzdem lieber ersparen. «Solange die Musiker Geld von den Fahrgästen erhalten, bleibt es für sie attraktiv, im Tram oder Bus zu musizieren. Die Fahrdienstmitarbeitenden der BVB haben darum die Möglichkeit, eine Durchsage zu aktivieren, welche die Fahrgäste darauf hinweist, den Musikern kein Geld zu geben», sagt Sonja Körkel von den Verkehrsbetrieben.

Obwohl rechtlich kein Verbot vorliege, haben die BVB mit der Durchsage die Möglichkeit, darauf hinzuweisen, dass das Musizieren in ihren Fahrzeugen nicht erwünscht sei, so Körkel. Dieses «unerwünschte Musizieren» komme in letzter Zeit öfters vor: «Seit Anfang Juli 2018 erhielten wir vermehrt Rückmeldungen zu Musikern und Bettlern in unseren Fahrzeugen.»

Konkret seien seit Anfang Juli acht Beschwerden wegen Bettlern und Musizierenden bei den BVB eingegangen. Normalerweise würden diesbezüglich maximal fünf Beschwerden pro Monat eintreffen. Hat diese Zunahme etwas mit den warmen Sommermonaten zu tun? «Nein», meinen die BVB: «Grundsätzlich kann nicht von einer Steigerung gesprochen werden. Während in den Wintermonaten vermehrt Musikanten in den Fahrzeugen sind, sind es in den Sommermonaten die Bettler.»

Bettler sind der Polizei ein Dorn im Auge

Die BaZ wurde auch bereits Zeuge eines Falls, wo der Tram-Chauffeur einen Musikanten aus dem Tram wies. Eine konkrete Weisung zu einer solchen Massnahme gibt es aber nicht. Trotzdem: «Wenn sich Fahrgäste beim Fahrdienstmitarbeitenden beschweren, kann dieser den Musizierenden auffordern, mit dem Musizieren aufzuhören», sagt Körkel.

Anders als die BVB stellt die Basler Polizei einen Anstieg an Bettlern fest: «Jeweils im Frühling, wenn es wärmer wird, kann eine gewisse Zunahme von Bettlern festgestellt werden», sagt Mediensprecher Toprak Yerguz. Diese sind der Polizei offensichtlich ein Dorn im Auge und werden von ihr hart bestraft. «Betteln ist im Kanton Basel-Stadt nicht erlaubt.» Die Kantonspolizei gehe deshalb konsequent gegen Bettler vor. «Wenn bei einer kontrollierten Person ‹Bettelgeld› festgestellt wird, kommt es zum ordentlichen Strafverfahren und das Geld wird sichergestellt.» Ausserdem werde bei im Ausland wohnhaften Personen wenn möglich ein Kostendepot von 180 Franken erhoben.

Bei Ausländern ist die Polizei besonders streng: «Wenn es sich beim Angehaltenen nicht um einen Schweizer Bürger handelt, erfolgt bei der dritten Kontrolle eine Meldung an das Migrationsamt. Dieses prüft ausländerrechtliche Massnahmen aufgrund des Verdachts des rechtswidrigen Aufenthaltes.» Yerguz hält fest, dass dieses Verfahren gegen Bettler den gewünschten «Fernhalte-Effekt» erziele. «Das konsequente Vorgehen spricht sich speziell bei in Gruppen organisierten Personen rasch herum.»

Falsche Musikanten

Um weiter abschreckend wirken zu können, arbeitet die Polizei eng mit den BVB zusammen: «Kantonspolizei und BVB stehen in Kontakt miteinander, sodass erkannte Bettler im Tram lokalisiert und kontrolliert werden können. Bei Bettlertätigkeiten im Tram sollte direkt der Wagenführer informiert werden.»

Zudem geht die Polizei auch gegen die Musizierenden im öffentlichen Raum vor. Denn Musikant sei nicht gleich Musikant: «Auch sogenannte verdeckte Bettelei wird in Basel nicht geduldet. Wenn Polizisten ‹Strassenmusiker› antreffen, die ihr Instrument ganz offensichtlich nicht beherrschen, die beispielsweise immer die gleiche mehr oder minder monotone Tonfolge spielen oder dem Instrument nur ein paar Töne zu entlocken imstande sind, wird ihnen eine Busse wegen Bettelns ausgestellt.»

Die Polizei rät der Bevölkerung deshalb, Bettlern nichts zu geben und mögliche Bettler im öffentlichen Raum direkt der nächsten Polizeidienststelle zu melden. «Werden Personen von Bettlern belästigt, so empfehlen wir, eine direkte Konfrontation zu vermeiden», so Yerguz. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.07.2018, 11:11 Uhr

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