Qualität im Kinderspital erhalten!

Die Bundes-Abrechnungstarife für ärztliche Leistungen wurden verschärft. Dies führt zu einer finanziellen Unterdeckung.

Die Verbindung zur Medizinischen Fakultät der Uni Basel garantiert Behandlungen auf dem neuestem Stand der Wissenschaft.

Die Verbindung zur Medizinischen Fakultät der Uni Basel garantiert Behandlungen auf dem neuestem Stand der Wissenschaft. Bild: ZVG

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Seit bald 20 Jahren betreiben beide Basel in sehr guter Zusammenarbeit das UKBB, das Universitäts-Kinderspital beider Basel. Hoch qualifizierte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter verschiedenster Berufe kümmern sich um Patienten im Kindes- und Jugendalter und oft auch um deren Eltern.

Die Verbindung zur Medizinischen Fakultät der Uni Basel garantiert Behandlungen auf dem neuestem Stand der Wissenschaft. Auch das Umfeld der kranken oder verunfallten Kinder wird bei Bedarf betreut. Ein Care Management hilft in vielfältiger Weise. Es ist nicht übertrieben, die Leistungen des UKBB mit Superlativen zu würdigen. Alle tragen zum hohen Niveau bei.

Leider wird dieses erfreuliche Bild getrübt. Die Bundes-Abrechnungstarife für ärztliche Leistungen (Tarmed) wurden verschärft. Dies führt zu einer finanziellen Unterdeckung; die Einnahmen für die Spitäler sind wesentlich tiefer als ihre Ausgaben. Gemäss Angaben der Kinderspitäler sind deswegen die Kosten im ambulanten Bereich höchstens zu etwa 70 Prozent gedeckt. Den fünf grössten Kinderkliniken der Schweiz entsteht so ein Fehlbetrag von schätzungsweise 10 Millionen Franken pro Jahr.

Allein das UKBB muss wegen dieser Tarifänderung mit einem Verlust von mehr als 4 Millionen Franken rechnen. Besonders störend ist eine dieser neuen Vorschriften: Die Dauer des Patientengesprächs ist auf 20 Minuten begrenzt, ausgenommen sind Kinder bis zum Alter von sechs Jahren. Das bedeutet, dass Gespräche mit Kindern, Jugendlichen und ihren Eltern zwar mehr als 20 Minuten dauern dürfen; dem UKBB aber von den Versicherern nur 20 Minuten bezahlt werden.

Der Rest geht zulasten der Träger, also der beiden Basel. Es leuchtet ein, dass die Gespräche der Ärztin mit Kindern, Jugendlichen und auch ihren Eltern anders geführt werden müssen als mit Erwachsenen. Die Anforderungen an Einfühlungsvermögen, Erklärungsbedarf und Emotionalität sind anders. Fremdsprachige benötigen zeitintensive Übersetzungen. Dieser Zeitdruck-Tarif taugt nicht für ein Kinderspital!

Ärztinnen und Ärzte des UKBB haben mich auf diese nicht nachvollziehbare Vorschrift des Bundes angesprochen und mich um Unterstützung gebeten. Es beeindruckt mich, wie sie sich nicht für sich, sondern ausschliesslich für ihre jungen Patienten und für das UKBB engagieren. Diese Fachleute sehen die Qualität der Behandlung gefährdet, weil Leistungen unter Zeitdruck erbracht werden müssen.

Das gerade in einem Kinderspital unerlässliche sorgfältige Einfühlungsvermögen wird so in Frage gestellt. Das alarmiert. Ich habe im Nationalrat eine Interpellation eingereicht und den Bundesrat zu dieser unhaltbaren Situation befragt, so auch, ob Bereitschaft besteht, diese für Kinderspitäler gefährliche Vorschrift aufzuheben. Die hohe Versorgungs-Qualität in unserem Kinderspital muss erhalten bleiben. Auch das UKBB-Personal, das ohnehin schon stark gefordert ist, darf durch den so entstehenden Finanzdruck nicht noch weiter belastet werden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.10.2018, 12:02 Uhr

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