«Rettet Basel» macht sich wieder bemerkbar

Verschiedene Exponenten aus Politik und Kultur gaben am Samstag ihre Statements gegen die BaZ ab. Die kleine Gruppe der Empörten blieb aber fast unter sich.

SP-Ständerat Claude Janiak kämpft vor leeren Rängen gegen die freie Presse und die Medienvielfalt.

SP-Ständerat Claude Janiak kämpft vor leeren Rängen gegen die freie Presse und die Medienvielfalt. Bild: Martin Regenass

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«Basel lässt sich nicht kaufen!», «Herr Blocher, ihr SOMMelier hat Zapfen!» Mit Slogans wurden Teilnehmer der «Rettet Basel»-Veranstaltung am Samstag im Foyer des Theaters Basel empfangen. Die Gruppierung, die nach dem Kauf der BaZ von Christoph Blocher rund 20'000 Mitglieder gehabt hatte, lud zum ersten grösseren Anlass seit vier Jahren ein. BaZ-Kritiker konnten vor einer Kamera ihre Meinung kundtun. Das wechselnde Publikum schwankte zwischen 20 und 80 Personen.

«Das Hauptziel der Basler Zeitung ist, Institutionen lächerlich zu machen», sagte der Baselbieter Ständerat Claude Janiak (SP). Er sprach auch von mangelnder Transparenz und der Umkehr der politischen Gesinnung: «Somm war früher ein Linker und propagierte: ‹Macht aus dem Staat Gurkensalat.› Heute hat er diesen Slogan nach rechts mitgenommen.» Man dürfe die Politik durchaus hinterfragen, aber nicht auf Personen schiessen, sagte er.

Hoffnung auf Konkurrenzprodukte

Brigitta Gerber (Grünes Bündnis) stiess sich daran, dass die BaZ am Tag der Flüchtlinge einen Artikel brachte, in dem über die Otterbach-Villa berichtet wurde, deren Mieter zugunsten von syrischen Flüchtlingen die Kündigung erhalten hatten. Sie meinte, man hätte auch anders auf den Tag der Flüchtlinge eingehen können – zum Beispiel in Form von Reportagen über die Flüchtlingsproblematik in Ländern wie Syrien, Äthiopien oder Kolumbien. Sie wirft der BaZ vor, in eine Art Kampagnenblatt umzuschwenken. «Meine Hoffnung ist, dass Konkurrenzprodukte noch stärker werden», indem man die BaZ ignoriere und dort keine links-­grünen Kommentare mehr schreibe. «Reicht das, um sich gegen Grobheit zu wehren?», warf Silvia Henke, Professorin für Kulturtheorie, ein. Müsste man nicht zurückschreien – zum Beispiel mit «Lumpen vom Herrliberg?» Gerber antwortete: «Ich möchte mich nicht auf diese Ebene herablassen.»

Mit einer Analyse des BaZ-Leitartikels über das Stillen als angerechnete Arbeitszeit thematisierte Andrea Maihofer die Haltung der BaZ gegenüber der Gleichstellung von Mann und Frau. Die Leiterin des Zentrums Gender Studies an der Uni Basel kommt zum Schluss, dass in der BaZ mittels sarkastischen Humors eine Bagatellisierung und Lächerlichmachung des Themas stattfinde. Dagegen müsse angeschrieben werden.

Anders der Medienjournalist Phi­lipp Cueni – er behauptete, eine zunehmend mangelnde journalistische Sorgfaltspflicht in der BaZ festzustellen, wobei das nicht für alle dort arbeitenden Journalisten gelte.

«Linke Stimmen als Feigenblätter»

Nationalrat Ruedi Rechsteiner (SP), der früher die BaZ immer wieder als Plattform für seine energiepolitischen Themen nutzte, sagte, die BaZ habe keine Ahnung mehr, wie Basel funktioniere. «Was die Leute hier wollen und tun, wird nicht berücksichtigt.» Ausserdem zeichne man ein sexistisches und ausländerfeindliches Bild und man verschweige die Chancen von erneuerbaren Energien. «Es wird den Leuten Angst gemacht.» Die wenigen linken Stimmen im Blatt seien Feigenblätter. BaZ-Chefredaktor Markus Somm wolle die Machtverhältnisse im Kanton und in der Stadt umkehren, indem gezielt Leute fertig gemacht würden.

Doch derjenige Mann an der Veranstaltung, der von der BaZ tatsächlich einige Male hart kritisiert worden war, blieb durchaus gelassen. Er habe die BaZ zwar schon früh gekündigt, lese sie jedoch selbstverständlich noch im Büro, da er sich informieren müsse, sagte Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP). Er sieht den Grund für die BaZ-Schelte in seiner politischen Haltung: «Wenn sie gut über mich schreiben würden, müsste ich mich ja hintersinnen, ob ich etwas falsch gemacht habe.»

«Gibt es die Möglichkeit eines Totalboykotts?», hakte Moderator Alfred Schlienger nach. «Das wäre zu kurz gedacht», sagte Wessels. Er würde nicht so weit gehen, keine Interviews zu geben, nur weil die Basler Zeitung Blocher gehöre. «Man muss auch aufpassen, dass man Blocher und die Basler Zeitung nicht dämonisiert.» Und er sagte: «Es gibt Leute bei der BaZ, die durchaus seriös arbeiten.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.06.2014, 10:04 Uhr

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