Rückzug der Chemie ermöglicht neues Stadtquartier

Auf dem Basler Klybeckareal soll in den nächsten Jahren in ein neues Stadtquartier entstehen. Das Industrieareal, das so gross ist wie 42 Fussballfelder, soll dereinst Raum bieten für verschiedenste Nutzungen.

Auf diesem Areal soll ein urbanes Stadtquartier entstehen.

Auf diesem Areal soll ein urbanes Stadtquartier entstehen.

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BASF und Novartis werden ihre Werkareale im Klybeck in Zukunft gar nicht mehr oder nur noch sehr beschränkt für industrielle Zwecke benötigen. Die beiden Konzerne haben deshalb mit dem Kanton Basel-Stadt eine Planungsvereinbarung für die künftige Entwicklung des Areals unterzeichnet, wie das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) am Dienstag bekanntgab.

BVD-Vorsteher Hans-Peter Wessels sieht im Schulterschluss der drei Partner eine «grosse Chance für Basel». Eine für die Öffentlichkeit bisher grösstenteils nicht zugängliche Fläche von rund 300'000 m2 könne nun als Gesamtprojekt betrachtet und entwickelt werden. Ziel des Transformationsprozesses ist ein neues, zusammenhängendes Stück Stadt mit eigener Identität.

Der neue Stadtteil soll optimal an die Nachbarquartiere Klybeck, Horburg und Matthäus angebunden werden und deren Vernetzung sicherstellen. Noch sind diese Quartiere voneinander getrennt, weil das Klybeckareal zwischen Rhein und Wiese einen Riegel bildet. Mit dem Projekt «klybeckplus» soll diese Barriere aufgehoben werden.

Die Planungsvereinbarung sieht für das Klybeckareal Gebiete mit attraktivem Wohnraum und Arbeitsflächen in ausgewogener Mischung vor. Auch öffentliche Einrichtungen wie Schulhäuser sowie Läden, Restaurants und Hotels oder andere Gewerbebetriebe sollen Platz finden auf dem Areal, das sich nun Schritt für Schritt öffnen und durchlässig werden soll.

Keine Nutzungskonflikte - genug Platz für alle

Wichtige Bestandteile des Vorhabens sind überdies eine gute Verkehrserschliessung sowie Aussenräume von hoher Qualität mit Verbindungen zum Rhein und zum Fluss Wiese. Nutzungskonflikte wie bei anderen Entwicklungsgebieten befürchtet Wessels keine.

Das Klybeckareal sei dermassen gross, das dort die verschiedensten Nutzungen möglich seien ohne jemanden zu verdrängen. Zudem gebe es schon heute sehr grosse Leerstände, sagte Wessels vor den Medien. Auf dem Areal, auf dem sich heute auch der Horburgpark befindet. sollen deshalb auch Kultur und Freizeitaktivitäten Platz haben.

Rund ein Sechstel des Klybeckareals soll zudem ausschliesslich für wirtschaftliche Zwecke reserviert werden. Der Kanton will 50'000 m2 erwerben, um damit die Nachfrage nach Wirtschaftsflächen befriedigen zu können. Denkbar sei auf dieser Fläche auch eine Erweiterung des Switzerland Innovation Parks Basel Area, hiess es.

Für Regierungsrat Wessels bildet das Klybeckareal neben weiteren Transformationsgebieten die Grundlage für eine weiterhin positive Entwicklung des Stadtkantons. Der BVD-Vorsteher rechnet bis 2035 mit 20'000 neuen Arbeitsplätzen und 10'000 zusätzlichen Einwohnern.

Wie viele davon auf das Klybeckareal entfallen sollen, ist noch offen. Kantonsbaumeister Beat Aeberhard geht jedoch von tausenden neuen Arbeitsplätzen und Wohnungen aus, die zwischen Rhein und Wiese entstehen sollen.

Testplanung soll Potenzial aufzeigen

Die Transformation des seit rund 150 Jahren bestehenden Industrieareals in ein neues Stadtquartier wird Jahre dauern. Sie soll unter Einbezug der bestehenden Bauten erfolgen. Manche von ihnen sollen erhalten und allenfalls einer neuen Nutzung zugeführt, andere dagegen abgebrochen werden.

BASF will das Klybeckareal wie schon 2013 angekündigt dereinst verlassen. Der Konzern plant den Verkauf des 120'000 m2 Werkareals mit heute noch 250 Mitarbeitenden.

Novartis dagegen will namentlich die direkt am Rhein gelegenen Liegenschaften als strategische Reserve behalten. Auf seinem 165'000 m2 grossen Werkareal beschäftigt der Pharmakonzern heute noch über 2000 Mitarbeitende, davon 182 in der Produktion. Diese soll aber vom Areal abgezogen werden, wie ein Novartis-Vertreter sagte.

Als nächster Schritt beginnt in der zweiten Jahreshälfte eine städtebauliche Testplanung mit verschiedenen Planungsbüros. Diese sollen Entwicklungsszenarien für das ganze Areal entwerfen, um so dessen Potenziale auszuloten.

Die für Ende 2017 vorgesehene Synthese aus diesen Szenarien soll danach zusammen mit anderen laufenden Planungsverfahren in einen Stadtteilrichtplan Klybeck-Kleinhüningen münden. Dieser Plan wird öffentlich aufgelegt und bildet für alle weiteren Planungsschritte die behördenverbindliche Grundlage. (amu/sda)

Erstellt: 24.05.2016, 14:34 Uhr

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