SBB räumen Güterbahnhof Wolf

Das Areal wird künftig nicht mehr für den Güterumschlag benötigt. Nun denken die SBB bei der Basler Stadtplanung mit.

Bild: Daniel Desborough

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

SBB-Chef Andreas Meyer sprach gestern von Dominosteinen, die alle schön in der richtigen Reihenfolge fallen müssen, damit es gut kommt. Dominosteine der besonderen Art, denn es handelt sich um Bauprojekte grösseren Ausmasses: Basel Nord umfasst den Bau einer bimodalen Anlage für den Umschlag von Gütern von der Strasse auf die Bahn. Sie soll schliesslich tri­modal sein: Sobald ein neues Hafenbecken gebaut ist, werden Schiffe, Eisenbahn und Lastwagen verknüpft sein. Ist Basel Nord in Betrieb, wird ein Teil der bis­herigen Eisenbahnanlagen im bestehenden Hafenareal nicht mehr gebraucht, und vor allem besteht dann kein Bedarf mehr, im Güterbahnhof Wolf beim Zeughaus ebenfalls Container von der Strasse auf die Bahn – beziehungsweise umgekehrt – zu verladen.

Wann die Steine fallen, ist noch nicht definiert. Meyer will bis Ende dieses Jahres aber gemeinsam mit den Regierungen in Basel und Liestal einen Zeitplan erarbeiten. Dass das 140'000 Quadratmeter grosse Areal aber mittelfristig von den SBB nicht mehr verwendet wird, steht fest. Was wird daraus? Industrie­areal oder Wohngebiet? «Das ist noch offen», sagt Regierungsrat Hans-Peter Wessels. «Wir sind mit den SBB im Gespräch.»

Die SBB als Landbesitzer

Nachdem bereits das ehemalige Miba-Areal in den letzten Jahren sein Gesicht erheblich gewandelt hat, dürfte also auch das Gelände auf der anderen Seite der Zeughausstrasse – dort wo vor rund 50 Jahren noch Hornusser aktiv waren – einem ganz anderen Nutzen zugeführt werden. Die SBB, einer der grossen Landbesitzer im Kanton, nehmen mit ihrer Planung damit erheblichen Einfluss auf die Stadtentwicklung.

Umso sinnvoller ist es, dass sich die Entscheidungsträger auf einen Zeitplan für eine Gesamtperspektive einigen. Laut Andreas Meyer eine einmalige Chance: «In Genf und Zürich sind die grossen Entscheide, welche Voraussetzungen sind für attraktive Verkehrslösungen im Güter- und Personenverkehr, bereits gefallen.»

Weitere Dominosteine sind der Bau des Herzstücks unter dem Rhein, das den Bahnhof SBB und den Badischen Bahnhof auf neue Art und Weise verknüpfen würde, so dass keine Spitz­kehren mehr nötig sind.

Auch hierfür konnten Andreas Meyer und Hans-Peter Wessels gestern an der Medienkonferenz der beiden Basel gemeinsam mit den SBB noch keinen konkreten Zeitplan nennen. Im Moment ist das Herzstück erst in der Vorprojektphase. Laut der Baselbieter Regierungspräsidentin Sabine Pegoraro soll aber bis Ende Juni bekannt sein, inwiefern der Bund bereit ist, sich am Herzstück zu beteiligen.

Ein guter Rat von Andreas Meyer

Andreas Meyer gab den beiden Regierungsräten gestern den Tipp, sich zu beeilen. «Es lohnt sich, Projekte mit einem guten Kosten-Nutzen-Verhältnis entscheidungsfähig zu machen. Je konkreter sie ausgearbeitet sind, desto grösser ist die Chance, dass sie auf nationaler Ebene berücksichtigt werden.» Das sei die Voraussetzung, damit der Bund auch Gelder sprechen könne.

Für das Herzstück rechnet man derzeit mit Baukosten von rund 1,5 Milliarden Franken. Basel Nord in einer ersten Phase (bimodal) würde geschätzte 50 Millionen Franken kosten, der Ausbau auf trimodal weitere 50 Millionen und ein neues Hafenbecken zirka 95 Millionen Franken.

Zusammen mit der Entflechtung der Geleise bei Pratteln und einer umgebauten Einfahrt der Züge in den Basler Bahnhof liesse sich auch das Zugsangebot einer S-Bahn steigern. Laut Angaben der SBB ist bis in ein paar Jahren der Viertelstundentakt zwischen Basel SBB und Liestal möglich. Zwischen Basel und Gelterkinden würden dann statt zwei Zügen pro Stunde deren drei verkehren.

Mehr Grenzgänger im Zug

Grundsätzlich sollen alle S-Bahn-Angebote in der Region verbessert werden, also auch in Richtung Delsberg und grenzüberschreitend in Richtung Mülhausen beziehungsweise in Richtung Wiesental. Bis jetzt wird insbesondere im grenzüberschreitenden Pendlerverkehr die Bahn relativ schwach genutzt. Nur zwei von zehn Grenzgängern reisen im ÖV. Das soll sich dank eines attraktiveren Angebots ändern.

Wessels verglich die gegenwärtige Situation mit einem Trichter: Güter­züge aus Deutschland und Frankreich, Güterzüge zwischen Rheinhafen und Rangierbahnhof Muttenz, Fernverkehr und Regionalverkehr: Alles muss irgendwie durch den Knoten Basel. Könnte dieser Trichter – konkret die Eisenbahnbrücke – umgangen werden, wäre vieles einfacher und die Kapazität höher. Das Ziel bis 2040: Verdoppelung der Sitzplätze im S-Bahn-Verkehr und mehr Trassen für den Güterverkehr.

Entlastung für Passarelle

Apropos Trichter: Meyer präsentierte gestern auch eine Folie mit dem Bahnhof SBB im Fokus (siehe oben). Neu ist dabei vor allem die Erschliessung des Westteils des Bahnhofs, also der Bereich zwischen Passerelle und der Margarethenbrücke. Denn auch die Passerelle ist ein Nadelöhr. Westlich davon soll eine Personenunterführung künftig für Entlastung sorgen.

Diese hat aber auch noch andere Aufgaben: Sie verschafft dem Gundeli einen raschen Zugang zum Elsässerbahnhof und reicht möglicherweise bis zur Markthalle. Dort ist nicht nur ein Tramknoten, dort befindet sich auch ein historisches Bauwerk, dem ein stärkerer Personenstrom guttun würde. «Eine willkommene Belebung der derzeit etwas arg isolierten Markthalle wäre ja erfreulich», sagte Meyer. Im Ostteil des Bahnhofs wird die neue Perronerschliessung beim Postreitergebäude ebenfalls für Entlastung der Passerelle sorgen. Ab wann? Auch dies ist derzeit noch unklar. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.05.2013, 15:02 Uhr

Artikel zum Thema

SBB und die beiden Basel wollen besser planen

Eine Gesamtplanung soll die zahlreichen Bahninfrastrukturprojekte in der Region Basel unter einen Hut bringen. Ein Zückerchen wird Deutschland in Aussicht gestellt. Mehr...

Schiene und Strasse warten auf Geld

Der Kanton Basellandschaft passt den Richtplan an das Agglomerationsprogramm und die Pläne der SBB an. Mehr...

Central Park kostet bis zu 400 Millionen

An der Versammlung der Neuen Gruppe Bahnhof legte das Baudepartement erstmals konkrete Zahlen vor. Die SBB sind nach wie vor wenig erfreut, dass auf ihrem privatem Grundstück die Errichtung eines öffentliches Bauwerks gefordert wird. Mehr...

Liestaler Bahnhof soll aufgewertet werden

Neben dem gut gelaunten ­SBB-Chef Andreas Meyer und dem nicht minder munteren Hans-Peter ­Wessels strahlte gestern auch Sabine Pegoraro. Nicht nur hatte sie im Rahmen des «Spitzentreffens» zwischen den Regierungen der beiden Basel und den SBB Zusagen für eine Verdichtung des Fahrplans auf der Achse Liestal–Basel (eventuell mit Verlängerung zum Euro­Airport) zur Kenntnis nehmen ­dürfen. Die SBB wollen offenbar ­zusammen mit dem Kanton und der Stadt Liestal auch das Areal rund um den Bahnhof aufwerten. Andreas Meyer sagte, beim Empfang von Nationalratspräsidentin Maya Graf Ende November sei ihm ins Auge gesprungen, dass da Potenzial bestehe.

Kommentare

Die Welt in Bildern

Bienenzüchter: Im spanischen Valencia protestieren Bienenzüchter für einen nachhaltigen und profitablen Sektor. Sie verlangen, dass die Etikettierung klar ist und beklagten den Preiszerfall. (11.Dezember 2018)
(Bild: Kai Foersterling/EPA) Mehr...