Sand in Sandkästen wegen Lindan austauschen

Das Amt für Umwelt und Energie legt einen Expertenbericht zum Sanierungsprojekt der Novartis vor. Für die Bevölkerung bestehe keine Gefahr. Trotzdem soll «aus Vorsicht » der Sand in Sandkästen ersetzt werden.

Das Sanierungsgelände in Huningue (F): Die Lindan-Werte in der Umgebung des Areals seien keine Gefahr für die Bevölkerung. Massnahmen werden aber trotzdem getroffen.

Das Sanierungsgelände in Huningue (F): Die Lindan-Werte in der Umgebung des Areals seien keine Gefahr für die Bevölkerung. Massnahmen werden aber trotzdem getroffen. Bild: Joël Gernet

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Zwar haben die Behörden «erhöhte» Lindanbelastungen im Boden nachgewiesen und den Halogenkohlewasserstoff auch in der Luft gemessen, aber: «Die beigezogenen Experten schliessen eine Gefährdung der Bevölkerung aus», wie das Amt für Umwelt und Energie (AUE) in einer gestern veröffentlichten Mitteilung schreibt.

Die Experten sind Hermann Kruse vom toxikologischen Institut der Universität Kiel, Martin Schiess von der Abteilung Luftreinhaltung beim Bundesamt für Umwelt sowie Margret Schlumpf, Umwelttoxikologin der Universität Zürich. Das AUE hat an insgesamt 32 Stellen in näherer und weiterer Umgebung des Novartis Sanierunsplatzes ARA Steih in Huningue (F) Bodenproben der obersten Schicht genommen.

«Aus Vorsorgegründen»

An acht Orten ist Lindan in erhöhter Konzentration gefunden worden. «Mit wenigen Ausnahmen liegen die Konzentrationen unter dem vom Bundesamt für Umwelt, Wald und Landschaft vorgegebenen Wert für Bodenaushub», heisst es in der Mitteilung. Die Experten sehen darin kein Gesundheitsrisiko. Aber: «Weitere Ablagerungen müssen vermieden werden». Und: das AUE hat der Stadtgärtnerei empfohlen, «aus Vorsorgegründen» den Sand in den Sandkästen im unteren Kleinbasel sowie im St. Johann auszutauschen. Ebenfall soll Obst und Gemüse aus dem Garten vor dem Konsum gründlich gewaschen werden.

Die «deutlich höheren» Werte sind am Altrheinweg in den obersten Bodenschichten gemessen worden. Das AUE kommt aber zum Schluss, dass die Belastungen dort «eindeutig nicht» mit dem Staub der Novartis Sanierung zusammen hängen. «Vermutlich handelt es sich um Altablagerungen aus der Zeit der ehemaligen offenen Deponie.»

Erst spät Messungen durchgeführt

Studien über Lindan, das über die Atmung aufgenommen wird, fehlen. Somit gibt es keine Grenzwerte zur Beurteilung der Schädlichkeit. Deshalb haben Kruse und Schlumpf für die Beurteilung der Luftkonzentration einen Toleranzwert festgelegt. Dieser liegt etwa dreimal tiefer als der Lindan-Richtwert der Weltgesundheitsorganisation in Innenräumen.

Die Luft gemessen hat das Lufthygieneamt beider Basel an drei Orten. Und zwar unmittelbar vor und nach der Einstellung der Sanierungsarbeiten durch die Novartis am 24. September. Experte Kruse: «Wir beurteilen die gemessenen Werte als unproblematisch.» Das Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung könne als sehr gering bezeichnet werden.

Allerdings gilt es hier kritisch anzumerken, dass die Sanierungsarbeiten bereits über ein Jahr gedauert haben und es sowohl das Lufthygieneamt wie auch das AUE verpasst haben, Messungen durchzuführen. Dies obwohl beide Ämter von den Sanierungsarbeiten gewusst haben und auch Reklamationen wegen Gestanks eingegangen sind. Aktiv geworden ist das AUE und das Lufthygieneamt erst Anfangs September, nachdem der Altlastenexperte Martin Forter eigene Messungen veröffentlicht hat, die Lindan Staub in der Luft nachwiesen.

Lindan auch im Rheinwasser festgestellt

Die Behörden haben an acht Stellen auch Proben vom Staubniederschlag aus der Luft genommen und in unterschiedlichen Konzentrationen festgestellt. Wie giftig diese Niederschläge sind, konnten die Experten aber nicht feststellen. Die Messwerte beweisen aber: «Es hat tatsächlich erhöhte Staubemissionen gegeben. Die vorläufige Einstellung der Arbeiten war gerechtfertigt», wie es in der Mitteilung heisst.

Auch Rheinwasser hat das AUE untersucht und Lindan-Werte festgestellt. Da Lindan sich in Fischen anreichern kann, werden solche zur Zeit noch untersucht. Wie die Novartis gestern mitteilten, nutzen sie den Abbaustopp, um Verbesserungsmassnahmen an den Zelten über dem Sanierungsgrund vorzunehmen. Lindan, das möglicherweise krebserregend ist, ist weltweit verboten. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 10.10.2013, 19:28 Uhr

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