Schweizer Spielplätze mit deutschen Schaukeln

Der Teamleiter Spielplätze des Basler Tiefbauamtes empfiehlt Spielgeräte aus Deutschland. Schweizer Gärtner sind empört.

Mit ausländischem Holz: Lärchen aus Deutschland und Robinien aus Ungarn wurden im Spielplatz Wettsteinanlage in Riehen verbaut.

Mit ausländischem Holz: Lärchen aus Deutschland und Robinien aus Ungarn wurden im Spielplatz Wettsteinanlage in Riehen verbaut. Bild: Anna Furrer

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Gärtner aus unserer Region sagten es lauthals: «Das hat man davon, wenn man Deutsche an Schlüsselpositionen in der Stadtverwaltung anstellt: Sie empfehlen Unternehmen aus ihren Herkunftsländern und achten darauf, dass ihre Landesgenossen berücksichtigt werden.» Eine der damit angesprochenen Personen ist der Teamleiter Spielplätze beim Basler Tiefbauamt. Er arbeitet in den Regiebetrieben und ist Sicherheitsdelegierter der Beratungsstelle für Unfallverhütung (BfU).

In Basel macht er grundsätzlich einen guten Job: Mit deutscher Gründlichkeit achtet er darauf, dass die Hölzer der Spielburgen nicht morsch werden und die Ketten der Schaukeln nicht vor sich hinrosten. Ja, die Sicherheitsnormen sind so streng und die Spielgeräte auf öffentlichen Plätzen hohen Belastungen ausgesetzt, dass der Teamleiter besonders vorsichtig vorgehen muss. So werden beispielsweise für eine einzige Spielanlage zwei Ausschreibungsverfahren durchgeführt: eines für die Schaukeln und ein weiteres nur für die darunterliegenden Fallschutzplatten. «Im Quervergleich mit anderen Schweizer Städten schneidet Basel sehr gut ab. Das zeigt sich darin, dass unsere Spielplätze immer wieder prämiert werden», teilt der zuständige Mediensprecher André Frauchiger nicht ohne Stolz mit.

Traunreut statt Thun

Wegen seiner hohen Kompetenzen ist der deutsche Teamleiter Spielplätze auch von einer namhaften Basler Stiftung kontaktiert worden. Man wollte die Gestaltung eines künftigen öffentlichen Spielplatzes besprechen und optimieren. Dass der Teamleiter in der Folge Spielgerätehersteller aus dem deutschen Möhnesee und Traunreut empfohlen hat und nicht Schweizer Unternehmen wie die etablierten Firmen Fuchs AG in Thun oder Bürli AG im Luzernischen, muss die Stiftung mehr als irritiert haben. Sie unterbreitete den Sachverhalt dem Gärtnermeisterverband beider Basel, deren Mitglieder in aller Regel Schweizer Spielgeräte installieren. Und jetzt ist Feuer im Dach.

«Wir haben in der Schweiz genügend Spielgerätehersteller, die allesamt die von der Stadt verlangten Sicherheitsnormen SN EN 1176 erfüllen», ärgert sich Thomas Schulte, Präsident des Gärtnermeisterverbands beider Basel. «Es ist daneben, wenn ein von Schweizer Steuerzahlern finanziertes Amt Wertschöpfung ins Ausland verlagert», sagt er und hat dieser Tage eine Unterredung mit Regierungsrat Hans-Peter Wessels verlangt und soll auch einen Termin erhalten haben.

Produkte aus anderen Ländern

Gerne hätte die BaZ mit dem Teamleiter länger gesprochen, der für ein Interview bereit gewesen wäre und das Okay seines Chefs einholen wollte. Mediensprecher André Frauchiger hat den Deutschen allerdings von der Front zurückgeholt und hält den Direktkontakt mit den Medien «nicht für geeignet».

Weshalb ein kantonales Amt Spielgeräte aus dem Ausland empfiehlt und nicht Schweizer Hersteller berücksichtigt, wird vom Mediensprecher dann aber nur ausweichend beantwortet: «Schweizer Spielgeräteanbieter haben Produkte in ihrem Angebot, die sie aus anderen Ländern importieren. Deshalb bekommt man nicht unbedingt ein Schweizer Produkt, wenn ein Schweizer Spielgeräteanbieter einen Zuschlag bekommt», begründet André Frauchiger schriftlich. Für den Gärtnermeisterverband ist das eine faule Ausrede, um nicht zugeben zu müssen, dass ein Schweizer Amt Schweizer Unternehmen aussen vor lässt und damit die hiesigen Landschaftsgärtner schneidet.

Spielsplatz in Riehen mit Holz vom Ausland

Mit Besorgnis beobachtet der Gärtnermeisterverband die Entwicklung deshalb, weil die Stadtgärtnerei das Projekt Sichere Spielplätze umsetzt. Dafür wurde ein Rahmenkredit bis 2014 zur Umsetzung der Sicherheitsnormen zur Verfügung gestellt. Projekte am Giessliweg und auf der Alp bei der Stadtgärtnerei sind in Vorbereitung, ausserdem die Umsetzung des Wettbewerbsprojekts für eine sanfte Öffnung des Schwarzparks, die Neugestaltung der Liestaleranlage und des Landhof­areals. Es geht also um viel Geld.

Dass es politisch heikel ist, staatliche Aufträge ins Ausland zu vergeben, weiss man auch nach den Spielplatz-Ausbauten in Riehen. In der Wettsteinanlage wurden 90 Tonnen Holz verbaut – Lärchenholz aus Deutschland und Robinien aus Ungarn. Das hat zu Vorstössen im Einwohnerrat geführt; der Gemeinderat rechtfertigte sich, die ungarischen Robinien seien qualitativ besser als Robinien aus dem Tessin. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.10.2013, 06:51 Uhr

Artikel zum Thema

«Spielplätze sind für die Erwachsenen da»

Viele Kinderspielpläte sind nicht kindergerecht geplant. Designer und Spielplatz-Experte Günter Beltzig findet, weiss, wie worauf es beim Bau ankommt. Ein Rundgang durch Basels Spielplätze. Mehr...

Jugendliche zündeten wohl Tatzelwurm an

Drei Jugendliche sind dringend verdächtig, für das Abbrennen des Kunststoff-Spielturms auf einem Spielplatz in Riehen am Montagabend verantwortlich zu sein. Mehr...

Brand verwüstet «Robinson»-Spielplatz

RHEINFELDEN Bei einem Brand ist der «Robinson»-Spielplatz in Rheinfelden verwüstet worden. Mehrere Holzbauten brannten vollständig nieder. Mehr...

Kommentare

Service

Kino

Alle Kinofilme im Überlick

Die Welt in Bildern

Sonnenbaden mit gummigem Halsband: Dieses Krokodil trägt schon seit zwei Jahren einen Pneu um den Hals.
(Bild: Antara Foto/Mohamad Hamzah/ via REUTERS) Mehr...