Studie schlägt neue Rheinbrücke vor

Im Dreiland sollen öffentlicher, Fuss- und Veloverkehr mit einer neuen Rheinbrücke besser vernetzt werden: Eine trinationale Verkehrsstudie schlägt den Brückenschlag vor zwischen Hüningen und der Wiese-Mündung beim Basler Hafen.

Die Studie schlägt eine Brücke für Velofahrer und Fussgänger zwischen Basel und Hüningen vor.

Die Studie schlägt eine Brücke für Velofahrer und Fussgänger zwischen Basel und Hüningen vor. Bild: Dominik Plüss

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Die am Montagabend in Basel präsentierten Pläne von Basel, Hüningen und Weil, zwischen Dreirosenbrücke und Palmrainbrücke gemeinsam einen grenzüberschreitenden Stadtteil zu entwickeln, nehmen planerisch weiter Form an: Die Verkehrsstudie setzt auf die Verknüpfung bestehender Infrastruktur und ergänzend auf eine neue Rheinbrücke für Trams, Busse, Velos und Fussgänger.

Die Brücke ist laut der Studie, die auf umfassenden Modellrechnungen basiert, nötig für die Abwicklung künftiger Mobilitätsbedürfnisse und die Funktionalität des Verkehrsnetzes. Die drei Städte arbeiten seit 2011 an gemeinsamer Planung von Wohnungen und Arbeitsplätzen für 20'000 Personen; 2015 hatten sie ein Raumkonzept festgelegt.

Schnell und direkt

Ein gemeinsames Communiqué bezeichnet die neue Brücke als «zentrales Element» für ÖV und Langsamverkehr. Sie böte «optimale Erschliessung der Entwicklungsgebiete und der neuen öffentlichen Räume». Namentlich erlaubt sie gemäss Studie direkte, zeitsparende Verbindungen, statt langer Umwege über radiale Wege.

Die Gebietsentwicklung erfordert laut Communiqué neue Kapazitäten, die mit der Verlagerung von heutigen Fahrten des motorisierten Individualverkehrs (MIV) punktuell zu schaffen seien. Gezielter Ausbau des ÖV-Netzes sei «zwingend», hiess es auch mit Verweis auf die ÖV-Nachfrageentwicklung und wachsende Pendlerzahlen aus dem Elsass.

Für die Brücke legt die Studie von Kontextplan, Van de Wetering Städtebauatelier und Rapp zwei Varianten vor, mit dem Basler Brückenkopf just ober- respektive unterhalb der Wiesemündung - eine davon mit einem Rheinarm anstelle des heutigen Hafenbahn-Gleisfelds. Gegenüber in Hüningen steht heute noch Industrie samt Kläranlage.

Erst Hafen sichern

Eine solche Rheinbrücke war bereits ein Element auf Planskizzen eines Hochhaus-Inselquartiers anstelle des heutigen Hafen-Westquais gewesen. Diese hatten vor rund fünf Jahren unter dem Schlagwort «Rheinhattan» Wirbel ausgelöst und Widerstände im Klybeck-Quartier geweckt.

Bis zu einer allfälligen Realisierung der Brücke dürfte noch viel Wasser den Rhein hinunter fliessen: Die baselstädtische Regierung hatte sich bisher für Veränderungen am Westquai erst offen gegeben, wenn die alten Hafenaktivitäten neue Standorte gefunden haben, namentlich am geplanten trimodalen Gateway Basel Nord mit drittem Hafenbecken. Allerdings hält sie dieses Terminal nur mit Umnutzungen am Westquai für finanzierbar, wegen der teuren Hafenbahn-Verlegung.

Die Verkehrsstudie sieht den Brücken-Projektwettbewerb 2022 und politische Beschlüsse 2015/2026 vor. Ein Baubeginn wird so auf etwa 2030 angesetzt; der volle Nutzen könnte ab 2035 erzielt werden. Allerdings seien noch «unzählige Fragen offen», darunter verfügbare Flächen und die Entwicklungen der Mobilität in diesem Zeitraum.

Brücke für etwa 76 Millionen Im Detail schlägt die Studie unter anderem neue Tramstrecken vor von Kleinhüningen zum Bahnhof Saint-Louis und vom St. Johann-Quartier zum Hüninger Brückenkopf sowie P R-Parkhäuser. Sie rät zu etappierter Umsetzung der Pläne; noch zu klären seien Finanzierungsmechanismen - bei Bedarf mit Staatsverträgen. Die Kostenschätzung wird in der Verkehrsstudie aus dem Agglomerationsprogramm (3. Generation) zitiert mit rund 76 Millionen Franken. Offen ist die Verteilung. Bestellt hatte die Studie das baselstädtische Bau- und Verkehrsdepartement. Präsentiert wurde die Studie vor Politikern, Behördenvertretern der drei Städte und Medien in Basel. Die Autoren gaben dabei der Politik und den Verkehrsunternehmen noch weitere Hausaufgaben mit: «Sehr entscheidend für die Attraktivität und damit die Benützung» des ÖV sei «ein nutzerfreundliches, grenzüberschreitendes Tarifsystem». //3-land.net/start/ (amu/sda)

Erstellt: 11.06.2018, 21:27 Uhr

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