Swiss Indoors droht neues Ungemach

Eine Klage in Frankreich, ein hängiges Verfahren vor dem Schweizer Bundesgericht: Anti-Tabak-Aktivisten rütteln am Image des Basler Tennisturniers.

Tabakgegner stören sich am prominenten Auftritt Davidoffs an Roger Federers Heimturnier.

Tabakgegner stören sich am prominenten Auftritt Davidoffs an Roger Federers Heimturnier. Bild: Keystone

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Turnierdirektor Roger Brennwald hat zum 40-Jahre-Jubiläum der Swiss Indoors Grosses vor. Mit Roger Federer, Novak Djokovic und Andy Roddick hat Brennwald für die nächste Ausgabe im kommenden Herbst drei Top-Stars verpflichtet. Der runde Geburtstag soll ein grosses Tennisfest werden.

Doch hinter den Kulissen läuft vieles nicht so, wie es die Turnierorganisatoren und ihr Titelsponsor Davidoff gerne hätten. Gemäss Informationen der BaZ hat die französische Anti-Tabak-Organisation Comité National Contre le Tabagisme (CNCT) in Evry bei Paris Klage gegen die Swiss Indoors AG, die Davidoff & Cie. SA sowie die Oettinger Imex AG eingereicht. Letztere ist die Konzerngesellschaft der Basler Oettinger Davidoff Group.

CNCT wirft den Unternehmen vor, sich durch ihre Verträge mit TV-Sendern der Gehilfenschaft einer rechtswidrigen Übertragung der Swiss Indoors in Frankreich schuldig zu machen. Die Übertragung sei rechtswidrig, weil sie wegen des prominenten Auftritts der Tabakmarke Davidoff gegen das Verbot von Tabaksponsoring verstosse. Weder Turnierdirektor Brennwald noch Sponsor Davidoff wollten sich gegenüber der BaZ zum Verfahren äussern. Die Oettinger Imex AG bestätigte lediglich den Eingang der Klage.

Anti-Tabak-Aktivisten

Bereits im vergangenen Jahr klagte CNCT in dieser Sache gegen den Sender Eurosport France, der die Swiss Indoors bis 2008 übertrug. Die Ausgabe 2009 des Turniers wurde in Frankreich von der Canal-Plus-Tochter Sports Plus ausgestrahlt, gegen die CNCT nun ebenfalls eine Klage eingereicht hat. Die französischen Anti-Tabak-Aktivisten wissen, wie man Prozesse führt: In den vergangenen Jahren zogen sie wiederholt wegen ihrer Ansicht nach widerrechtlich gesponserten Sportveranstaltungen vor Gericht. Dabei erreichten sie in mehreren Fällen die Verurteilung von französischen TV-Sendern – zuletzt 2008, als es um die Übertragung der Rallye Paris–Dakar ging, die von einem Tabakkonzern gesponsert wurde. Angesichts des Tabaksponsoringverbots in Frankreich und den anderen EU-Staaten sei es aus Sicht der Tabakgegner nachvollziehbar, gegen die Fernsehanstalten vorzugehen, die durch die Übertragung das Verbot unterliefen, sagt Thomas Cottier, Dozent für Europa- und Wirtschaftsrecht an der Universität Bern. Er bezweifle jedoch, ob die Turnierorganisation und der Sponsor, die von der Schweiz aus operierten, für die Übertragung der Swiss Indoors in Frankreich haftbar gemacht werden könnten.

Justizkampf in Gang

Ärger hat das Turnier, das mit einem Budget von 18,5 Millionen Franken die grösste Sportveranstaltung des Landes ist, auch in der Schweiz. Hier muss sich das Bundesgericht mit einer Beschwerde der Westschweizer Anti-Tabak-Organisation OxyRomandie beschäftigen. Diese gelangte 2009 mit einer Klage gegen das Westschweizer Fernsehen TSR vor die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI). TSR betreibe durch die Übertragung des Turniers verbotene «Schleichwerbung» für Davidoff, behaupteten die Tabakgegner. Die UBI lehnte die Beschwerde ab. Weil OxyRomandie dagegen Rekurs eingelegt hat, kommt der Fall vor die Richter in Lausanne. (baz.ch/Newsnet)

Erstellt: 31.05.2010, 06:49 Uhr

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