Swiss-Indoors-Sponsoring gerät unter Druck

Die Regierungen der beiden Basel streben ein längerfristiges Engagement bei den Swiss Indoors in der St. Jakobshalle an. Nun regt sich im Baselbiet dagegen Widerstand.

«Marketing mit Ausstrahlung»: Federers Finalgegner Novak Djokovic lenkt unzählige Blicke auf «Basel».

«Marketing mit Ausstrahlung»: Federers Finalgegner Novak Djokovic lenkt unzählige Blicke auf «Basel». Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Es war das perfekte Ende eines perfekten Turniers: Nach einem spektakulären Vorhand-Volley verwertete Roger Federer den ersten von drei Matchbällen mit einem Rückhand-Winner. Gegner Novak Djokovic konnte nur noch staunen; Federer jubelte und mit ihm die St. Jakobshalle, die Stadt Basel und die Schweizer Presse: Mit vier Turniersiegen an den Swiss Indoors ist der weltbeste Tennisspieler aller Zeiten nun auch an seinem Heimturnier der erfolgreichste Spieler aller Zeiten.

Die Sorgen der Organisatoren waren in diesem Moment fast vergessen: Wegen neuer Gesetze und auf Druck der Anti-Tabak-Lobby muss das Turnier auf den langjährigen Titelsponsor Davidoff verzichten. Dafür können die Verantwortlichen weiter auf staatliche Hilfe hoffen. Das Basler Präsidialdepartement strebt eine längerfristige Zusammenarbeit an, damit der Schriftzug «Basel» auch in den nächsten Jahren auf dem Spielfeld zu sehen sein wird (siehe Box «Der Werbekniff»).

Grösstes Turnier

«Dieses Marketingengagement lohnt sich für uns dank der grossen Bedeutung des Turniers und der grossen Ausstrahlung des Lokalmatadors Roger Federer», sagt Sabine Horvath, Leiterin Aussenbeziehungen und Standortmarketing. Die Swiss Indoors sind mit 70'000 Besuchern und einem Budget von 18,5 Millionen Franken der grösste jährlich stattfindende Sportanlass der Schweiz; die TV-Bilder aus der St. Jakobshalle werden Jahr für Jahr in 350 Millionen Haushalte in der ganzen Welt ausgestrahlt.

Das Standortmarketing nutzt diesen Erfolg vor allem im Hauptzielmarkt Deutschland, wo es während des Turniers TV-Spots über Basel verbreitet. «Ziel ist es, Basel über den Sport hinaus als Wirtschafts- und Kulturplatz bekannter zu machen», sagt Horvath. Wie viel Geld Basel in Zukunft ausgeben soll, um dieses Ziel zu erreichen, will sie noch nicht sagen. Die Details würden in der Vorlage geregelt, die das Präsidialdepartement und die Regierung nun zuhanden des Grossen Rates ausarbeiten, wie Horvath sagt. Offener äussert sie sich über ihre Erwartungen an Baselland: «Die Swiss Indoors sind ein regionales Ereignis. Darum wäre es schön, wenn beide Basel die Plattform nutzen würden.»

Nur Basel profitiert

Entsprechende Überlegungen hat der Baselbieter Bildungs-, Kultur- und Sportdirektor Urs Wüthrich (SP) der Regierung in Liestal bereits unterbreitet, wie er selber sagt. Ein Beschluss sei aber noch nicht gefasst worden. Trotzdem gibt es schon jetzt Widerstand. «Ein Grossanlass wie die Swiss Indoors soll von den Besuchern und Firmen finanziert werden. Unser Kanton hat dafür kein Geld», sagt SVP-Landrat Georges Thüring. Er stört sich zudem daran, dass das Baselbiet zahlen soll, obwohl vor allem die Stadt vom Werbeeffekt profitiert. «Wenn schon, müsste auf dem Feld mit dem Begriff «Nordwestschweiz» geworben werden. Doch das ist für die Verantwortlichen wohl nicht ernsthaft ein Thema», sagt Thüring.

Für falsch hält er auch, dass das «grosse, tolle und teure Weltturnier» in der St. Jakobshalle zuletzt mit 50'000 Franken aus dem Baselbieter Lotteriefonds unterstützt worden ist. Geld, das laut Wüthrich eine Ticketaktion für Kinder und Jugendliche möglich gemacht hat. «Diese Aktion ist zwar sympathisch», räumt Thüring ein – und ergänzt: «Meiner Meinung nach sollte aber auch sie von Firmen durchgeführt werden.» Der Lotteriefonds habe andere Aufgaben. «Den Breitensport zu unterstützen zum Beispiel», sagt Thüring.

Kritische Fragen

Zum Thema macht er die staatliche Unterstützung für die Swiss Indoors nun auch im Landrat – mit einer Interpellation, die er in der vergangenen Woche eingereicht hat. Ähnlich kritische Fragen wie im Landrat könnten bald auch im Basler Grossen Rat gestellt werden – wenn die Regierung ihre Vorlage für ein längerfristiges Engagement bei den Swiss Indoors präsentiert. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.11.2010, 07:13 Uhr

Umfrage

Basel-Stadt hat in diesem Jahr an den Swiss Indoors Werbung auf dem Spieluntergrund und auf den Banden platziert. Soll der Staat die Swiss Indoors auch künftig unterstützen?

Ja

 
48.8%

Nein

 
51.2%

690 Stimmen


Der Werbekniff

Das Standortmarketing des Kantons Basel-Stadt ist bereits seit 2007 Partner der Swiss Indoors. Für einen sechsstelligen Betrag unter 300'000 Franken (genauere Angaben macht die Behörde nicht) nutzt der Stadtkanton den Center Court als Werbefläche. Darum prangt dort seit 2007 der Schriftzug «Basel». In diesem Jahr hat die Regierung zudem eine einmalige Ausgabe von 250'000 Franken für Bandenwerbung bewilligt. Nach dem Verzicht von Davidoff sei dies beim diesjährigen Jubiläumsturnier (40 Jahre Swiss Indoors) ausnahmsweise möglich gewesen, heisst es beim Standortmarketing.

Eigentlich dürfte die Regierung aber keine Ausgaben über 300'000 Franken in eigener Kompetenz gutheissen. Trotzdem hat sie in diesem Jahr mehr Geld für die Swiss Indoors gesprochen. Möglich wurde dies dank dem Kniff, dass die Regierung den Schriftzug «Basel» auf dem Court und die Bandenwerbung als jeweils einzelne Posten bewilligte. Da die Regierung nun aber ein längerfristiges Engagement anstrebt, will sie das Vorhaben – wie in solchen Fällen vorgesehen – im Kantonsparlament mittels Vorlage zur Debatte stellen.

Artikel zum Thema

Swiss Indoors droht neues Ungemach

Eine Klage in Frankreich, ein hängiges Verfahren vor dem Schweizer Bundesgericht: Anti-Tabak-Aktivisten rütteln am Image des Basler Tennisturniers. Mehr...

Swiss Indoors: Keine TV-Schleichwerbung

Die Unabhängige Beschwerdeinstanz für Radio und Fernsehen (UBI) hat eine Beschwerde gegen die Fernsehübertragung der «Davidoff Swiss Indoors» abgewiesen. Mehr...

Paid Post

Sole mit allen Sinnen erleben
/sales/publireportagen/Sole-mit-allen-Sinnen-erleben/story/15341565

Mit der Angebotserweiterung bleibt sich die Rheinfelder Wellness-Welt treu in puncto Authentizität und Anspruch an gesunde Entspannung und Erholung.

Kommentare

Blogs

Tingler Zeichen der Zukunft
History Reloaded Ländler statt Swing

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Rochen statt Rentier: Ein als Weihnachtsmann verkleideter Taucher gesellt sich zu den Bewohnern des Ceox-Aquariums in Seoul. Südkorea ist das einzige ostasiatische Land, das Weihnachten als nationalen Feiertag anerkennt. (7. Dezember 2018)
(Bild: Chung Sung-Jun/Getty Images) Mehr...