TCS nimmt Basler Zebrastreifen unter die Lupe

Im Juli prüft der Touring Club erstmals Fussgängerstreifen in Basel – andernorts waren mehr als die Hälfe unsicher. Die Polizei sieht dem TCS-Test aber gelassen entgegen.

Nicht immer bekommen Fussgänger Vortritt auf dem Zebrastreifen.

Nicht immer bekommen Fussgänger Vortritt auf dem Zebrastreifen. Bild: Keystone

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Die Sicherheit der Fussgängerstreifen ist ein seit Monaten heiss diskutiertes Thema. Zuletzt sprach sich diese Woche der Ständerat für bauliche Vorschriften für Zebrastreifen aus. Auslöser der Debatte waren mehrere schwere und tödliche Unfälle letzten Dezember in Bern und anderen Kantonen. Auch in den beiden Basel wurden Anfang Dezember innerhalb weniger Tage sechs Personen auf Fussgängerstreifen verletzt.

Einige Kantone reagierten auf diese Häufung. Der Kanton Bern gab bekannt, systematisch sämtliche Zebrastreifen auf den Kantonsstrassen zu überprüfen. Das tut auch Baselland. Zudem legte die Baselbieter Polizei in einem Brief auch den Gemeinden nahe, die Fussgängerstreifen auf ihren Strassen zu kontrollieren. In Basel gibt es keine generelle Überprüfung. Laut Klaus Mannhart, Sprecher der Kantonspolizei Basel-Stadt, werden aber nach jedem Unfall oder Fast-Unfall oder auch aufgrund von Hinweisen aus der Bevölkerung einzelne Fussgängerstreifen überprüft; zusammen mit Mobilitätsspezialisten des Bau- und Verkehrsdepartements. Aber eine systematische Überprüfung aller 370 Streifen im Stadtgebiet ist nicht geplant.

«Schwächen aufzeigen»

Dafür unterzieht der Touring Club Schweiz (TCS) die Basler Fussgängerstreifen einem Sicherheitstest, zumindest stichprobenartig. Das sagt Hansjörg von Ins, Leiter des TCS-Center beider Basel in Füllinsdorf, auf Anfrage der BaZ. «Wir wollen zeigen, wo die Schwächen sind», sagt von Ins. Ziel sei es, der Polizei und den Behörden Hilfestellungen für ihre Arbeit zu geben. Beim TCS-Test werden zehn Zebrastreifen nach dem Zufallsprinzip ausgewählt und von Experten genauestens getestet (unten).

Bereits seit vier Jahren führt der TCS diese Tests durch. 2011 wurden 100 Fussgängerstreifen in zehn Städten inspiziert, etwa in Genf, Biel oder Frauenfeld. Das Resultat: 55 Prozent waren «mangelhaft» oder «sehr mangelhaft». Das deckt sich mit Zahlen der Beratungsstelle für Unfallverhütung. Diese besagen, dass die Hälfte der Schweizer Fussgängerstreifen den Sicherheitsstandards nicht genügt. Die im Dezember publizierte TCS-Untersuchung stiess aufgrund der Unfallhäufung im selben Monat auf ein grosses mediales Echo. Basel ist nun zum ersten Mal im TCS-Fokus. Der Verband will alle grösseren Städte testen.

Polizeisprecher Mannhart sieht dem TCS-Test gelassen entgegen. «Wir haben nichts zu verstecken», sagt er. In den letzten Jahren seien die Unfallzahlen deutlich zurückgegangen. Die Unfälle auf Fussgängerstreifen haben sich nach einem hohen Stand im Jahr 2008 (56) auf 49 (2010) gesenkt und befinden sich damit wieder im Mittel der letzten zehn Jahre. Die definitiven Zahlen für 2011 werden erst diesen Monat publiziert. Laut provisorischen Angaben hätten die Fussgängerunfälle insgesamt – nicht nur jene auf Zebrastreifen – 2011 um 17 Prozent abgenommen, von 99 auf 82. In Basel gibt es laut Mannhart keinen Unfallschwerpunkt (mindestens fünf Unfälle pro Jahr), der mit einem Fussgängerstreifen zu tun hat.

Auch wenn nicht alle zwei Monate am selben Ort jemand angefahren wird, gibt es in Basel zahlreiche Fussgängerstreifen, die als gefährlich empfunden werden (siehe Beispiel links).

Das sind die Sicherheitskriterien

«Big Five» nennt die Beratungsstelle für Unfallverhütung die fünf wichtigsten Kriterien zur Verbesserung der Sicherheit auf Fussgängerstreifen: Sichtweite über 100 Meter, korrekte Beleuchtung, Fussgängerschutzinsel, Streifen führt über maximal eine Fahrspur und der Fussgängerstreifen muss ausreichend frequentiert sein. Weitere Kriterien sind Fussgängerstreifen-Signaltafeln und ein unbefahrener, gut einsehbarer Halteraum für Fussgänger. Der TCS bewertet bei seinen Sicherheitstests die Fussgängerstreifen anhand von vier Kriterienblöcken, die unterschiedlich gewichtet werden. Mit 32 respektive 26 Prozent fallen die Sichtbarkeit bei Nacht und bei Tag am stärksten ins Gewicht. Danach folgen die Gestaltung und der Zugang. daw (Basler Zeitung)

Erstellt: 04.03.2012, 09:39 Uhr

Beispiel Aeschenplatz: Will man von Bekannten wissen, welche Orte für Fussgänger problematisch sind, wird er immer genannt: der Aeschenplatz, der aus einem dichten Geflecht von Strassen und Tramschienen besteht.

Damit man als Fussgänger irgendwie über den chaotischen Platz kommt, gibt es 14 Zebrastreifen. Zum Teil schon etwas vergilbt, führen sie meist über mehrere Fahrspuren und Tramgeleise. Besonders gefährlich ist die Situation in der Mitte des Platzes.

Unangenehm ist auch die Situation bei der Ecke des Restaurants Hitzberger. Autos müssen dort auf den Fussgängerstreifen fahren, um zu sehen, ob von rechts ein Fahrzeug kommt. Für Polizeisprecher Klaus Mannhart ist klar: «Der Aeschenplatz ist ein Problemplatz.» Allerdings passierten dort nur wenige Unfälle.

«Aufgrund der unübersichtlichen Situation sind die Leute vorsichtig.» Marc Keller, Sprecher des Bau- und Verkehrsdepartements, sagt, die Neugestaltung des Platzes sei seit Jahrzehnten ein Thema. Allerdings sei das bei einem so wichtigen Verkehrsknotenpunkt schwierig. Aber es werden immer wieder kleinere Anpassungen gemacht.

Etwa die Verlegung der Haltestelle der Buslinie 70. Nun muss man nicht mehr über den ganzen Platz laufen, wenn man aufs Tram Richtung Bahnhof umsteigen will. An eine grundsätzliche Neugestaltung des Platzes hat sich bisher aber niemand gewagt. daw (Bild: Keystone)

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