Tagebücher und Tretminen

Kusszahl und ein sehr bekanntes Tagebuch: Am Donnerstag eröffnete das Literaturfestival BuchBasel. Die Festivalleiterin Karin Eckert lud zum Apéro ins Volkshaus ein. Die Klatsch-Kolumne von Tamara Wernli.

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Den empfindlichen Intellektuellen sei geraten, diese Zeilen heute zu ignorieren (schon klar, das handhaben Sie immer so – diesmal jedoch ist es wirklich ernst).

Vergangenen Donnerstag eröffnete das Literatur­festival BuchBasel. Vor dem Start lud Festivalleiterin Katrin Eckert zum Apéro und die Gäste strömten in ­Scharen ins Volkshaus: Philosophin Martina Bernasconi, Benno ­Schubiger, Direktor Binding Stiftung, Politikerin Maria ­Iselin, Ex-SP-Basel-Präsident Roland Stark, der Kulturpreisträger BL, Markus Ramseier, Floss-Kapitän Tino Krattiger, ­CMS-Direktor Beat von Wartburg und Kulturförderin Alicia Soiron.

Die Ansprache von LiteraturBasel-Präsident Hans Georg Signer drehte sich um die 12. Ausgabe der BuchBasel. Die Zahl 12 sei auch bekannt als eine dreidimensionale Kusszahl, klärte er auf und sprach von irgendwelchen Überschneidungen … oder so ähnlich. Diese Art der Vergleiche umgehend zu begreifen, ist von einer Klatsch-Schreiberin zu viel verlangt. (Zu Hause bei Wikipedia nachgeschlagen: «12 Kugeln kann man um eine weitere Kugel ­gleicher Grösse legen, sodass alle diese berühren, aber keine Überschneidungen auftreten; 12 ist damit die drei­dimensionale Kusszahl.») Während man noch darüber grübelte, kam Signer auf das «Publishing im Eigen­verlag» zu sprechen, an dessen Erfolg er zweifelt: «Man kauft ein Buch doch eher von einem Verlag, da kann man sicher sein, dass es auch gut ist.» Ist das jetzt eine arrogante Haltung oder ist das keine arrogante Haltung?

Literarisches Zeugnis zweier nervenden Brüder

Dann traf man auf Bildungsdirektor Urs Wüthrich. Was liest er gerade? «Auf meinem Nachttisch liegt der ­prickelnde Lehrplan 21», antwortete er schmunzelnd. Nächte voller Albträume in dem Fall. «Nein, nein. So schlimm ist es nicht.» Welches ist die Lektüre des Basler Kulturpreisträgers Alain Claude Sulzer? «Die Goncourt-Tagebücher.» Goncourt, Goncourt, Goncourt – trotz intensivem Fahnden in den hintersten Regalen der zerebralen Bibliothek fand sich kein 100 Prozent zuverlässiger Anhaltspunkt. Jetzt nur nichts anmerken lassen. (Zu Hause gegoogelt: Ein 7000-seitiges Tagebuchwerk zweier Brüder aus dem 19. Jahrhundert; laut Jens Jessen von Zeit Online das berühmteste Zeugnis literarischen Lebens überhaupt: «Jeder kennt es, jeder nennt es, auch wenn er es niemals gelesen hat, ständig wird es zitiert, auch wenn meist aus zweiter oder dritter Hand.» Ach, du meine Güte.

Aber Sie, liebe BaZ-­Leser, benötigen gewiss keine Erklärung. Und es kommt noch schlimmer: Die Werke kreisen um den Klatsch! ­Jessen: «Vierzig Jahre lang wurden die ­Brüder überall eingeladen. Aber als die Bombe platzte – als 1886, vierzehn Jahre nach dem Tod des jämmerlich an Syphilis verreckten Jules, die ersten Auszüge im Figaro erschienen, als in Folge bis 1896, bis kurz vor dem Tode von Edmond, acht Bände aus den Tage­büchern gedruckt wurden –, war die Aufregung unbeschreiblich.» Klatsch schreiben und die berühmtesten 7000 Seiten dieses Genres nicht ­kennen – der Shitstorm steht schon vor der Tür.)

Bevor man sich bei Sulzer weiter ins Verderben fragte, besser eine unverfängliche Erkundigung bei Festival­chefin Eckert: Was ist das Schwierigste an ihrer Arbeit? «Die Organisation, 180 Leute an 30 Spielorten zu koordinieren. Zum Glück habe ich ein tolles Team!» Später traten Schriftsteller ­Thomas ­Hürlimann, Kabarettist Jürg ­Kienberger, Slam-Poetin Daniela Dill und Rapper Black Tiger auf.

Übrigens: Schriftsteller Sulzer und Entertainer Harald Schmidt besprechen die Goncourt-Tagebücher am 3. Dezember im Volkshaus. Goncourt da, Goncourt dort, wissen Sie, was? Die Brüder nerven, bevor sie überhaupt zur Lektüre werden.

(Basler Zeitung)

Erstellt: 10.11.2014, 13:34 Uhr

Klatsch-Kolumnistin Tamara Wernli.

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