Theater im Präsidialdepartement (XIII)

Die Gitarrenspielerin im Präsidialdepartement hat eine neues Instrument und freut sich, dass sie so viel Zeit zum Denken hat, weil sie einen Chefbeamten hat, der für sie Zeitung liest.

Denkt nach: Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne).

Denkt nach: Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann (Grüne). Bild: Keystone

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Ein Stück für zwei Frauen. Sie heissen Elisabeth Ackermann, Stadtpräsidentin, und Melanie Imhof, ihre Infochefin. Es ist neun Uhr morgens im Büro:

«Guten Morgen, Melanie. Ich bin ganz aufgeregt. Weil heute wird die neue Gitarre geliefert.»
«Oh, soo schön. Das freut mich für dich. Das ist doch mal ein Erfolgserlebnis.»
«Schlechte Laune, Melanie?»
«Ach, wir haben da eine Anfrage von der BaZ.»
«Von diesem Bahnerth?»
«Ach der. Der fragt doch nicht, der schreibt einfach. Dem würd ich sowieso nichts sagen, und per E-Mail nicht mal mit freundlichen Grüssen.»
«Aber das machen wir ja immer, nur per E-Mail. Ich hab da speziell ein internes Memo verfasst, also Ott oder Gautschi oder Zehnder oder du haben das gemacht, weil, du weisst, ich kann ja besser Noten als Worte. Egal. Da stand drin, dass Anfragen von BaZ-Journalisten, wenn überhaupt, erst fünf Tage nach Eingang beantwortet werden. Weil wir sind ja kein Auskunftsbüro.»
«Ich hab das geschrieben, Elisabeth, weil Ott und Gautschi und Zehnder damit beschäftigt sind, deine Sechseläuten-Rede anzudenken. Die haben dafür ja extra die Taskforce Böögg ins Leben gerufen. Natürlich mit externen Beratern.»
«Ja. Da siehst du mal, wir professionell wir arbeiten, Melanie. Da könnte die BaZ mal was lernen. Etwa, dass wir denken, bevor wir was tun. Und nicht umgekehrt»
«Soo wahr, Elisabeth. Aber dann schreiben die nur wieder, dass wir nichts tun, weil die ja nicht sehen können, dass wir denken und vor allem nicht wie viel. Vielleicht sollten wir verstärkt kommunizieren, dass wir eine Denkfabrik sind, ein Thinktank, Elisbeth, eine kreative Insel im Ozean der Verwaltung, kompetent, zukunftsorientiert, Flow-fokussiert, zielstrebig, klar und äh, intellektuell ja auch. Wie wir das halt schon bei der Museumsstrategie waren.»
«Genau, Melanie. Aber das hat diese BaZ ja nicht begriffen, also dieser Bahnerth.»
«Das hat dieser Heim geschrieben.»¨
«Egal, kommt ja auf dasselbe raus. Zum Glück muss ich sie nicht mehr lesen. Das macht der Ott ja für mich.»
«Seine Einstellung hat sich wirklich gelohnt, Elisabeth. Er macht alles soo toll.»
«An was denkst du, Melanie?»
«Ähm. Also, wie er etwa die Schnittstellen in der Taskforce Böögg zusammenführt. Da ist ganz viel Input und emotionale Intelligenz und so. Und dann ist er so unverbraucht irgendwie. Ich glaube, das ist, weil er vom Land kommt.»
«Das hast du gut analysiert, Melanie. Und deshalb finde ich auch gut, dass er nicht allzu viel arbeitet. Damit er unverbraucht bleibt und Zeit hat zum Denken. Weil, das hat mein Mann gesagt, man muss etwas zuerst denken, bevor es, äh, wie hat er das jetzt wieder gesagt?, genau, dass das Gemachte erst gemacht ist, wenn es zuvor gedacht wurde. Da sei der Prozess des Entstehens.»
«Soo philosophisch, Elisabeth. Wir denken, also sind wir, das ist ein Satz von Serge Gainsbourg, glaube ich. Und wir sind, weil wir denken. Wir denken uns also unser Sein, und wenn wir es nicht denken würden, wären wir nicht.»
«Melanie, wow. Das genau ist es, was uns von vom Tier unterscheidet und von der BaZ. Und dass beide nicht Gitarre spielen können. Also, was war das für eine Anfrage.»
«Ach die. Ich denke, ich lass die mal wissen, dass wir darüber nachdenken.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 03.03.2018, 14:30 Uhr

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