Theater im Präsidialdepartement (XIV)

Die Basler Stadtpräsidentin sucht eine Doppelgängerin und freut sich, dass man am Rheinknie so wenig können muss, um so viel zu verdienen.

Muss eine Rolle spielen: Stadtpräsidentin Elisabeth Ackermann.

Muss eine Rolle spielen: Stadtpräsidentin Elisabeth Ackermann. Bild: Keystone

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Ein Stück für zwei Frauen. Sie heissen Elisabeth Ackermann, Stadtpräsidentin, und Melanie Imhof, ihre Infochefin. Es ist neun Uhr morgens im Büro:

«Guten Morgen, Melanie. Gut, dass Du da bist, weil ich brauche dringend Deine Hilfe.»
«Oh je. Ich wusste gar nicht, dass Du eine Rede auf Englisch halten musst.»
«Viel schlimmer, Melanie. Lach jetzt nicht, aber ich brauche eine Doppelgängerin.»
«Echt jetzt, weil, das ist ja nicht sooo einfach.»
«Wieso, Melanie? Weil, nach dem letzten Streit mit meinem Mann hat der gesagt, dass jeder austauschbar sei.»
«Ja, schon, aber das ist ja nicht ganz das Gleiche. Weil, wie soll ich sagen...Weil Du einzigartig bist, Elisabeth. So unverwechselbar halt.»
«Oh, das hast Du schön gesagt, Melanie. Aber ich brauche eine Doppelgängerin. Weil ich schaffe den Gastauftritt am Zürcher Sechseläuten am 16. April einfach nicht, dieser pathologischen Veranstaltung. Diese Rede vor Zünftlern, das Laufen durch die Massen, all dieser Alkohol, die armen Pferde, die um ein brennendes Monster galoppieren müssen, dieser musikalisch furchtbare Sechseläutenmarsch, und dann dieser laute Knall am Schluss, und dann die nicht Bio-Essen, all der Smalltalk, und dann machen die sicher Witze über Basel, die ich dann nicht verstehe vielleicht, und dann wollen die wissen, weshalb wir Basler uns weigern, endlich der grösste Vorort von Zürich zu werden, und was soll ich dann sagen, ich meine, ich komme aus Oberwil, und dann fragen die sicher auch, was mir an Basel so gut gefällt, und soll ich dann sagen, dass die BaZ vielleicht nach Zürich verkauft wird, oder dass es ganz toll ist, wie wenig man in Basel können muss, um als Stadtpräsidentin trotzdem viel Geld zu verdiene, und dass ich neben dem Amt viel Zeit für meine Gitarre habe, weil ich ganz viele Stellvertreter habe, und wenn sie mich fragen, was mir an Zürich gefällt, soll ich dann sagen, der Zug nach Basel, ich meine, ist das noch witzig?Und dann fragen sie mich sicher über Fussball, oh Gott, Fussball, Melanie, na gut, vielleicht sitzt ja Lukas Ott neben mir, der kann das dann beantworten, nur weiss der Lukas ja auch nicht wirklich viel über Fussball und über Basel ja auch nicht und als Basler Vertreter kann er ja auch nicht über sein Liestal sprechen, und vielleicht brauchen wir auch noch einen Doppelgänger für Lukas, was meinst Du, Melanie?»
«Äh, was soll ich sagen, Elisabeth? Lukas Ott wirkt ja, seit er hier in Basel ist, schon immer ein bisschen wie sein eigener Doppelgänger. Und, nochmals, ist wirklich schwer, jemanden von Deinem Format zu finden, mir fällt jetzt grad auch niemand ein, so ad hoc. Was mir einfällt ist, dass ich mal gelesen habe, dass ein Mensch ja mehrere ist, sozusagen also, aber vielleicht ist das zu, wie sagt man, philosophisch, ich weiss nicht.»
«Ich weiss auch nicht, ob ich mehrere bin, Melanie, aber ich glaube eher nicht. Wäre ich mehrere, dann würde mir das alles hier ja einfacher fallen wahrscheinlich, und ich könnte am Sechseläuten einfach eine Rolle spielen, und alle wären glücklich und ich nicht unglücklich. Aber, Melanie, mir fällt ein, ich muss ja doch eine Rolle spielen, weil ich bin das ja nicht wirklich, eine Stadtpräsidentin, das spiele ich ja auch nur.»
«Mach doch krank an diesem Tag, Elisabeth. Dann schicken wir halt unseren Gesundheitsminister. Das passt ja irgendwie. Zu allem.»
«Du bist brilliant, Melanie.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 01.04.2018, 09:47 Uhr

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