Unbekannte machen mobil gegen Kleiderladen

Der neue Laden Power Zone Basel verkauft auch die unter Rechtsextremen beliebte Kleidermarke «Thor Steinar». Nun ruft eine anonyme Gruppe zum Widerstand auf.

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Benjamin Winzeler ärgert sich. «Das ist eine traurige Aktion.» Vor drei Wochen hat er zusammen mit Lorenzo Zanolari an der Feldbergstrasse den Laden Power Zone Basel aufgemacht. Eine Neueröffnung, die auf Widerstand stösst. Auf anonymen Widerstand. Seit einigen Tagen werden im Quartier Flugblätter mit dem Titel «Nazis in der Nachbarschaft» verteilt. «Soll dieses Geschäft einfach geduldet werden?», heisst es auf dem Flyer.

Der Grund für die Aufregung: Neben Sportartikeln verkauft «Power Zone Basel» auch Streetwear der Marken «Pit Bull» oder «Thor Steinar», die in der rechtsradikalen Szene beliebt sind. Gerade das Kleiderlabel «Thor Steinar» sorgt in Deutschland für Diskussionen. Anfang September hat die Universität Greifswald das Tragen von Kleidern der Marke verboten. Diese würden unter Rechtsextremen «als Erkennungszeichen» gelten, sagte ein Sprecher der Universität. Unerwünscht ist diese Kleidermarke auch im Deutschen Bundestag oder im Rostocker Ostseestadion. Trotz dieser einzelnen Verbote: Der Verkauf der Marke «Thor Steinar» ist legal.

Nazi-Vorwurf

Natürlich weiss Benjamin Winzeler um die Diskussion in Deutschland. «In der Schweiz gilt die Marke nicht als Erkennungszeichen für Rechtsextreme», findet er. Es sei eine Kleidermarke wie jede andere auch. «Uns ist eigentlich egal, wer das trägt», sagt der 28-Jährige. Im kleinen, hellen Laden bei der Johanniterbrücke, gleich neben dem Pizza Blitz, hängen Schwerter an der Wand, im hinteren Teil liegen Boxhandschuhe und andere Kampfsport-utensilien auf den Regalen, den grössten Teil der Verkaufsfläche nehmen aber T-Shirts, Kapuzenpullis und andere Kleidungsstücke ein. Zwei Bilder mit dem «Thor Steinar»-Schriftzug hängen an der Wand. Die Marke macht laut Winzeler nur einen kleinen Teil des Sortiments aus. Aber gerade auf diese Marke hat es die anonyme Gegnerschaft abgesehen. Dieser Schriftzug auf dem Schaufenster wurde übersprayt.

Auf dem Flugblatt wird zum «klaren Widerstand gegen die Neonazi-szene» aufgerufen, «welche unter dem Deckmantel eines Sportartikel- und Kleiderladens versucht, ihre Inhalte zu verbreiten.» Er sei weder links noch rechts, wehrt sich Winzeler gegen den Nazivorwurf und dagegen, dass nur Rechtsextreme bei ihm einkaufen würden. Zu den Kunden gehörten auch viele Personen mit Migrationshintergrund, sagt der 28-Jährige. «So lange sich die Menschen anständig verhalten, sind alle willkommen.» Winzeler hofft nicht, dass es aufgrund des Aufrufs zum Widerstand zu weiteren Sachbeschädigungen kommt.

Strafbarkeit fraglich

Die BaZ hat das Flugblatt der Basler Staatsanwaltschaft vorgelegt. Wie Sprecher Markus Melzl sagt, sei es fraglich, ob die Nichtduldung des Geschäfts und der Aufruf zum klaren Widerstand den Straftatbestand «Öffentliche Aufforderung zu Verbrechen und Gewalttätigkeit» erfülle. «Dennoch werden wir die Sache prüfen und weiter im Auge behalten», sagt Melzl.

Das Gebäude, in dem sich der Laden befindet, gehört der Stamm & Co AG Immobilien. Cyril Welti ist für die Vermietung zuständig. Ihm ist die Kontroverse um «Power Zone Basel» neu. «Wir haben den Laden unter der Prämisse vermietet, dass dort Sportartikel und Streetwear verkauft wird», sagt Welti. Die Marke «Thor Steinar» sage ihm nichts.

Ganz anonym ist das Flugblatt übrigens nicht. Gezeichnet ist der Flyer mit den Logos der UBS, der Christoph Merian Stiftung (CMS) und der amerikanischen Spielwarenkette «ToysR Us». Mit der Aktion haben die drei Organisationen jedoch nichts zu tun. Toni Schürmann, Sprecher der CMS: «Es handelt sich hier um eine widerrechtliche Verwendung des Stiftungslogos.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.09.2010, 07:41 Uhr

Umstritten: Benjamin Winzeler (28), Geschäftsführer von «Power Zone Basel», wehrt sich gegen die auf einem Flugblatt erhobenen Vorwürfe. (Bild: Mischa Christen)

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Storchen-Protest gegen «Thor Steinar»

Ein klappriges Federvieh mit Stahlhelm und Hitlerbärtchen, das ist «Storch Heinar», Maskottchen der gleichnamigen Kleidermarke. Mit diesem «Hitler-Storch» protestiert der deutsche SPD-Politiker Mathias Brodkorb gegen das in der rechtsextremen Szene beliebte Kleiderlabel Thor Steinar. Eine Markenrechts-Klage der Steinar-Macher wurde im August abgewiesen (baz.ch berichtete).

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