Vegan ist die neue Religion

Veganismus ist im Trend. Es wird kräftig missioniert. Wer selber das Licht ­gesehen hat, will andere bekehren. Das ist ungesund. Ein Kommentar.

Ist nicht Wurst: Fleischessern wird ein schlechtes Gewissen eingeredet.

Ist nicht Wurst: Fleischessern wird ein schlechtes Gewissen eingeredet. Bild: Keystone

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To eat or not to eat meat – das wird zunehmend zur Glaubensfrage. Wer etwas auf sich hält und mens-sana-in-corpore-sano-mässig nur das Beste für Körper und Geist will, beisst schon länger nicht mehr in Steaks oder Würste.

Aber wie jeder Trend irgendwann hat auch die vegetarische Ernährung den Zenit überschritten. Um abgelöst zu werden von einem noch extremeren Hype: dem Veganismus. Ein Veganer isst oder benützt gar nichts, was von einem Tier kommt. Die Tabu-Liste ist dementsprechend lang: Milch, Eier, Käse, Leder, Daunendecken und vieles mehr stehen drauf. Wer vegan leben will, muss hart sein mit sich selber, planen und verzichten.

Ernährungsmotto als Tätowierung

Eine Askese, die ihre Anhänger scharenweise zu Missio­naren macht. Wer selber das Licht ­gesehen hat, will andere bekehren. «Animal Liberation is not a crime – Vegan Power» steht auf dem T-Shirt eines Mannes, der bei einer Spiel­show im Fernsehen mitmacht. Harmlos im Vergleich zu dem Mädchen am Zürichsee, auf dessen nacktem Bauch in grossen Lettern das Wort «Vegan» prangt. Das eigene Ernährungsmotto als Tätowierung. Ein schräger Gedanke. Als stünde am Oberarm eines Diätanhängers «Friss die Hälfte».

Das ist die Eigenheit der Veganer: Ihre Einstellung muss raus, raus aus ihrem Kopf, ihrer Bratpfanne, ihrer Küche. Alle sollen ­wissen, dass sie mit ihrer Ernährung keinem Tierchen etwas zuleide tun. Und auch keinem Menschen. Denn wer auf tierische Produkte verzichtet, schont die Ressourcen und ­verlangsamt oder stoppt sogar den Klimawandel, so die verbreitete ­Meinung. Wer nicht verzichtet, tut das Gegenteil.

Die neue Plage: «Passiv-Fleischessen»

Fleisch essen ist das neue Rauchen geworden. Wer in eine Bratwurst ­beisst, verzehrt nicht nur totes Tier, er schadet den Menschen um sich herum. «Passiv-Fleischessen» ist die neue Plage, vor der man geschützt werden muss. Und wie der Widerstand gegen das Rauchen, wird nun auch der Veganer-Gedanke politisch. Mit einem Vorstoss verlangen Grossräte die Förderung pflanzlicher Ernährung in Basel-Stadt. Eine Volksinitiative will dies sogar im Gesetz verankern. Das geht zu weit. Wer Fleisch isst, soll dabei kein schlechtes Gewissen haben müssen und «Pasta oder Hühnchen?» nicht Synonym werden für «Christ oder Ketzer?». (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.06.2014, 16:34 Uhr

Nina Jecker.

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