Velofahrer und Fussgänger im Clinch

Fairness-Plakate sollen am Rheinufer Konflikte entschärfen.

Gefährliche Fahrmanöver: Der pinke Gartenzwerg appelliert beim Engpass auf der Solitude-Promenade an die Toleranz.

Gefährliche Fahrmanöver: Der pinke Gartenzwerg appelliert beim Engpass auf der Solitude-Promenade an die Toleranz. Bild: Nicole Pont

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Er ist wieder da. Der pinkfarbene Gartenzwerg mit seinem Stinkefinger. Aktuell soll das Sujet einer behördlichen Plakatkampagne am Rheinufer für mehr Fairness zwischen Fussgängern und Velofahrern sorgen. Keine einfache Aufgabe. Auf der Solitude-Promenade, die eigentlich für Fussgänger gedacht ist, auf der aber auch Velos fahren dürfen, kommt es immer wieder zu unschönen Szenen.

Eine Fussgängerin erzählt, dass zwei Velofahrer sie «unter wütendem Geklingel» so nah überholt hätten, dass der eine sie mit dem Lenker am Arm streifte. «Ich wurde dabei nicht verletzt, aber eine ältere Person wäre wohl zu Fall gekommen.» Es ist nicht die einzige brenzlige Situation. Gerade an heissen Tagen, wenn zusätzlich zu Pendlern und Spaziergängern auch noch die Rheinschwimmer den Weg beim Tinguely-Museum nutzen, gibt es oftmals kein Durchkommen mehr. Die Velofahrer, die auf der Promenade geduldet werden, aber keinen Vortritt haben, versuchen mit Schlangenlinien, Klingelsignalen und teilweise auch gefährlichen Manövern voranzukommen.

Das Stadtteilsekretariat Kleinbasel hat sich der Thematik vor Kurzem angenommen und eine Begehung der Promenade mit Quartiervertretern und Verantwortlichen durchgeführt. Die Kantonspolizei hat im laufenden Monat ebenfalls reagiert und unter anderem an der Promenade die Gartenzwergplakate aufgestellt. Von Unfällen auf dieser Strecke weiss Polizeisprecher Toprak Yerguz zwar nichts. Aufgrund der engen Platzverhältnisse auf der Promenade und der saisonal zum Teil stark ansteigenden Verkehrszahlen erfordere die Situation aber gegenseitigen Respekt von Fussgängern und Velofahrern.

Für Roland Chrétien von Pro Velo Basel sind die Plakate eine erwünschte und sinnvolle Massnahme. «Die Solitude beschäftigt uns immer mal wieder», sagt er auf Anfrage der BaZ. Der Grund für die Schwierigkeiten seien schlicht die engen Platzverhältnisse. Velofahrenden rät er, Fussgänger langsam zu überholen und sich vorher bemerkbar zu machen. «Durch Anreden, Singen, Pfeifen, Läuten oder Ähnliches.»

Schnelle Velos separat führen

Wie viele Velofahrer die Promenade nutzen, will das Bau- und Verkehrsdepartement (BVD) mit einer Verkehrszählung herausfinden. Diese ist noch im Gange, weshalb aktuell keine Ergebnisse vorliegen. Fest steht aber, dass die Situation verändert werden soll. Aktuell führt die Stadtgärtnerei dazu eine Testplanung durch. Erste Ergebnisse seien Ende 2018 zu erwarten, sagt BVD-Sprecherin Nicole Stocker.

Velovertreter Chrétien sieht die Lösung in einer zweigeteilten Veloführung. Entlang der Grenzacherstrasse sollten Verbesserungen dazu führen, dass schnelle Radfahrer von der Solitude abgehalten werden und stattdessen der Strasse entlangfahren. Dennoch sei die Verbindung Solitude für beide Verkehrsarten wichtig und Velos müssten dort auch künftig verkehren dürfen.

Egal, welche Lösung gefunden wird: Vor 2022 wird sie kaum vorliegen. Die Teilnehmenden der Begehung aus dem Quartier kamen daher zum Schluss, dass kurzfristig wohl nur eine Verhaltensänderung eine Verbesserung bringt. «Liebe Velofahrende, liebe Spaziergänger: entspannen, einen Gang runterfahren und aufeinander Rücksicht nehmen – Danke!», heisst es daher im aktuellen Newsletter des Stadtteilsekretariats Kleinbasel.

Polizeisprecher Yerguz ist zuversichtlich. Das Verhalten der Verkehrsteilnehmer während der Bauarbeiten auf der Mittleren Brücke, als Fussgänger und Velofahrer sich das Trottoir teilen mussten, habe gezeigt, dass der gegenseitige Respekt funktioniere. Ob auch der bunte Gartenzwerg das Seine dazu beitragen kann, weiss wohl niemand.

Umfrage

Fussgänger auf der Rheinpromenade beim Solitude-Park klagen über rücksichtslose Velofahrer. Soll für Velos beim Solitude-Park ein Fahrverbot eingeführt werden?

Ja

 
76.8%

Nein

 
23.2%

1226 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 29.08.2017, 07:02 Uhr

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