Von Brasilien nach Basilea

Die Stiftung Brasilea feiert ihr zehnjähriges Bestehen mit speziellen Events. Diese machen den Erhalt des Vermächtnisses von Walter Wüthrich erst möglich.

«Er hätte allen Grund, stolz darauf zu sein.» Direktor Daniel Faust über Stifter Walter Wüthrich. Bild: Kostas Maros

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Wer an den Containerterminals am Hafen Basel-Kleinhüningen vorbei durch das Industriegebiet am Basler Rheinhafen fährt und das Hafenbecken 1 und 2 hinter sich lässt, entdeckt es aus der Ferne: das hohe containerförmige Haus direkt am Rhein, eingekleidet in ein kräftiges Grün. In der früheren Schiffsmotorenwerkstatt ist nun bereits seit zehn Jahren die Stiftung Brasilea beheimatet.

Ihr Stifter, der Basler Walter Wüthrich, war ein Lebemann. Einer, der das Leben und seine schönen Seiten genoss. Vor allem aber arbeitete er Tag und Nacht – «er war ein Workaholic», sagt Daniel Faust, Direktor der Stiftung Brasilea. Den Stifter Wüthrich hat er nicht mehr persönlich kennen gelernt. Aber er hat viel von ihm gehört, gelesen und auch Fotos gesehen.

Sammlung mit 400 Werken

Walter Wüthrich war 1918 in Basel geboren und im Neubad aufgewachsen. Schon früh, nachdem er die Handelsschule abgeschlossen hatte, packte ihn das Fernweh. Mit dem Schiff ging er auf Reisen, vom Basler Rheinhafen aus, über Rotterdam nach Südamerika. Eher zufällig kam er in Rio de Janeiro an. Er verliebte sich in die Stadt, und blieb – bis zu seinem Tod im Jahr 2002. Als Strassenverkäufer schlug sich der junge Basler am Anfang durch. Dann erkannte er, dass mehr möglich ist in Brasilien – viel mehr. Er nutzte seine Schweizer Kontakte und baute in Rio eine Webstuhlvertretung auf. Wüthrich hatte Erfolg, verdiente gut, schuftete weiter, zielorientiert, ehrgeizig – «er hat mächtig Gas gegeben», sagt Faust. Wenn er nicht arbeitete, genoss der Schweizer das pulsierende Leben in der Stadt, ging am Strand spazieren oder segelte über den Atlantik.

Wüthrich war Mitte 30, als er den Österreicher Franz Widmar traf, einen Kunstmaler, der mit seiner Familie ebenfalls nach Rio ausgewandert war. Eine Freundschaft entstand, die über 
40 Jahre halten sollte. Weil Wüthrich von Widmars Arbeitseifer beeindruckt war, unterstützte er ihn als Mäzen, kaufte immer wieder Werke von ihm. Bei seinem Tod umfasste Walter Wüthrichs Sammlung 400 Werke.

Posthume Stiftung

Als sein Freund Widmar im Sterben lag, versprach ihm Wüthrich, dass er dessen Sammlung am Leben erhalten, sie in einem Museum oder einer Galerie ausstellen würde. 1995 starb Franz Widmar. Wüthrich blieb in Rio, arbeitete weiter an seinem Geschäftserfolg, blieb aber auch immer mit Basel verbunden, kehrte alle paar Jahre zurück in seine Heimat. Ihm kam der Gedanke, die Sammlung von Brasilien nach Basilea zu bringen und einen Kulturaustausch zwischen der Schweiz und Brasilien zu schaffen. Wüthrich bereitete alles fein säuberlich vor, konnte seine Idee, die Brasilea-Stiftung, aber nicht mehr selber realisieren. Im Alter von 84 Jahren starb er unerwartet in Rio.

Andere übernehmen das Steuer. «Wüthrich hatte alles perfekt vorbereitet», sagt Faust. Die Stiftung kaufte das Haus an der Westquaistrasse 39 im Rheinhafen, eine stillgelegte Schiffsmotorenwerkstatt. Heute, rund zehn Jahre später, hat sich das grüne Brasilea-Haus herumgesprochen, man kennt es in Basel, auch weil es sich zu einem beliebten Veranstaltungsort entwickelt hat.

«Es war nicht immer einfach»

«Um die Stiftung finanzieren zu können, vermieten wir die Räumlichkeiten», erklärt Faust. Mit Erfolg: Bis heute haben am Rheinhafen bereits über 200 Events stattgefunden, von Hochzeiten bis zu Firmen- und Weihnachtsfeiern, das brasilianische Lebensgefühl scheint viele zu faszinieren. Das containerförmige Haus hat insgesamt vier Stockwerke, im zweiten Stock ist die Kunstsammlung von Franz Widmar ausgestellt. Ausserdem zeigt die Stiftung drei bis vier weitere Ausstellungen pro Jahr zum Thema Brasilien.

Daniel Faust ist stolz, dass die Stiftung nun schon ihr Zehn-Jahre-Jubiläum feiert – mit Sonderausstellungen und Events. «Es war nicht immer einfach. Aber mit der Unterstützung von Sponsoren, durch Kunstverkäufe und die Eventvermietung gelingt es uns, das Lebenswerk von Walter Wüthrich am Leben zu erhalten.»

Dass Wüthrich mit der Stiftung nun eine Verbindung zwischen seiner alten und seiner neuen Heimat herstellen konnte, würde ihn bestimmt freuen, sagt Faust. «Schade, dass er das Ergebnis nicht mehr sehen konnte. Er hätte allen Grund, stolz darauf zu sein.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.03.2014, 10:34 Uhr

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