WWF sieht Basler Trinkwasser in Gefahr

Der Umweltverband macht mobil gegen eine geplante Entsorgungsanlage in Grenzach-Wyhlen.

Sorgenkind. Oberhalb des Kraftwerks Birsfelden sollen künftig Sonderabfälle entsorgt werden.

Sorgenkind. Oberhalb des Kraftwerks Birsfelden sollen künftig Sonderabfälle entsorgt werden. Bild: Keystone

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Sie haben es geschafft, wenn auch erst auf den letzten Drücker wegen des Feiertagstrubels der letzten ­Wochen: Am vergangenen Freitag und damit am Ablauftag der Einsprachefrist erhob der WWF Region Basel beim Regierungspräsidium Freiburg schriftlich Einsprache gegen eine geplante Sondermüllaufbereitungsanlage in Grenz­ach-Wyhlen. Dort, auf dem ehemaligen Werkareal der BASF am Rheinufer, will die deutsche Firma Zimmermann eine Anlage erstellen, in der im grossen Stil Chemieabfall aufbereitet und entsorgt werden soll. Ein Vorhaben, das beim WWF nach intensiver Prüfung der Unterlagen aus diversen Gründen auf Widerstand stösst, wie Müller sagt: «Wir kritisieren insbesondere, dass die Frage einer möglichen Gefährdung der Basler Trinkwasserfassung nicht mit einem Wort vorkommt im Dossier.»

Konkret geht es dabei um die Entsorgung des Abwassers aus der Behandlung flüssiger Sonderabfälle, die via BASF-Kläranlage rund zwei Kilometer oberhalb des Staubeckens des Kraftwerks Birsfelden in den Rhein eingeleitet werden sollen. An jenem Ort also, wo am rechten Ufer Rheinwasser abgepumpt wird, das später per Rohrleitungen in das Trinkwassergebiet der Langen Erlen gelangt, woher rund 230 000 Menschen aus der Region einen Teil ihres Trinkwassers beziehen. Bloss, dass auf diesen Sachverhalt in der Umweltverträglichkeitsuntersuchung des Projekts der Firma Zimmermann nicht eingegangen worden ist, wie Müller sagt. So wie übrigens auch nicht auf die verschiedenen Folgen eines Havariefalls auf dem Gelände – ein weiterer Punkt, den der WWF am Projekt der Firma Zimmermann bemängelt.

Einsprüche willkommen

Die Vorwürfe hört Geschäftsführer Gerhard Zimmermann von der Zimmermann-Gruppe zum ersten Mal: «Bisher ist mir noch nichts von der Einsprache des WWF zu Ohren gekommen.» Entsprechend könne er sich erst nach Durchsicht des Schreibens im Detail zu den einzelnen Punkten äussern. Trotzdem, Bedenken wegen einer Verschmutzung des Wassers hält der Unternehmer für überflüssig, «theoretisch könnte man ohne Probleme einen Trinkwasserbrunnen direkt neben der Anlage bauen».

Im Übrigen aber, sagt Zimmermann, schätze er das Engagement des WWF: «Es gehört zum ordentlichen Auflageverfahren, dass sich alle Parteien zu Wort melden, und das finden wir sehr gut so.» Schliesslich liege es nicht im Interesse der Firma, etwas falsch zu machen, im Gegenteil: «Stellen Sie sich doch mal vor, es würde etwas Schlimmes passieren wegen eines Fehlers, von dem alle wussten, uns aber niemand darauf aufmerksam machte. Das wäre grässlich!» Um ein solches Szenario zu vermeiden und damit sich die hiesigen Behörden ein Bild von der Situation machen könnten, würden er und sein Team darum just heute das Projekt und die Baupläne der Abfallbehandlungsanlage bei den zuständigen Experten vom Amt für Umwelt und Energie in Basel-Stadt (AUE) vorstellen.

Bereits gestern hat die Grünen- Grossrätin und WWF-Vizepräsidentin Eveline Rommerskirchen eine Interpellation zum geplanten Neubau ennet der Grenze eingereicht. Darin bittet sie die Regierung unter anderem um eine Stellungnahme zur Einsprache des WWF Region Basel. Überdies möchte Rommerskirchen vom Regierungsrat wissen, ob in der Region überhaupt ein Bedarf für eine solche Anlage besteht und wie der Standort inmitten der Gross­agglomeration Basel aus raumplanerischer und städtebaulicher Sicht zu beurteilen sei.

Pläne nicht bewilligungsfähig

Solche und ähnliche Fragen beschäftigen die Fachleute beim AUE schon länger: Bis zum 22. Januar hat das Amt noch Zeit zur Beurteilung des Projekts, dann ist auch diese Frist abgelaufen. «Sollten die Behörden dabei zum gleichen Schluss kommen wie wir, sehe ich kaum Chancen auf eine Realisierung des Projekts», sagt Müller vom WWF, der ziemlich sicher ist, dass die aktuellen Baupläne für die Anlage nicht bewilligungsfähig sind.

Ganz anders tönt es bei Geschäftsführer Gerhard Zimmermann, der sein Projekt in Grenzach-Wyhlen nicht ernsthaft gefährdet sieht. «Wissen Sie, Einsprachen gehören zu unserem Job.» Vielleicht würden deshalb Anpassungen fällig – aber ein Projekt aufgeben deswegen? «Das kam noch nie vor, und wir sind schon lange im Geschäft.» Hingegen sei es schon mehrfach vorgekommen, dass man die Sicherheitsvorkehrungen freiwillig verstärkt habe. «Wenn es sich um seriöse Beanstandungen handelt, nehmen wir das sehr ernst. Dann ziehen wir auch mal Hosenträger und Gürtel an, wie man bei uns so schön sagt.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 08.01.2013, 07:37 Uhr

Artikel zum Thema

AKW-Chemie bedrohte Basler Trinkwasser

Das AKW Leibstadt hatte im Sommer 2011 sein Legionellenproblem mit der Chemiekeule lösen wollen. Die Rheinanlieger flussabwärts wurden nicht informiert. Nun äussert Basel-Stadt scharfe Kritik. Mehr...

15 Millionen für neue Trinkwasseranlage

Die wegen Chemikalienspuren im Trinkwasser nötig gewordene Aktivkohle-Filteranlage der Hardwasser AG soll 15 Millionen Franken kosten. Die beiden Basel teilen sich die Investitionskosten hälftig. Mehr...

Pumpen verhindern Trinkwasserverschmutzung

MUTTENZ Das Trinkwasser aus der Hard bei Muttenz ist durch Alt-Deponien nicht gefährdet – solange frisches Rheinwasser in die Hard gepumpt wird. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Paid Post

Es gibt Besseres als Escorts

Echte Erotik und richtigen Sex, bei dem beide Lust aufeinander haben, findet man nicht bei Escorts. Aber dafür beim Casual-Dating im Internet.

Blogs

Michèle & Friends Gestatten, DJ Geronto

Mamablog Gelassen bleiben – eine Anleitung

Die Welt in Bildern

Schall und Rauch: Kiffer versammeln sich vor dem kanadischen Parlamentshaus in Ottawa, um bei der jährlichen sogenannten «4/20»-Demonstration teilzunehmen. Das Land hat den Cannabiskonsum legalisiert. (20. April 2018)
(Bild: Chris Wattie ) Mehr...