Wagenleute suchen neuen Standort

Seit Ende März ist das Ex-Migrol-Areal am Klybeckquai besetzt. Ein Ultimatum läuft bereits. Nun sind die Wagenleute auf der Suche nach einen Platz.

Müssen das Gelände verlassen: Die Wagenleute am Klybeckquai müssen bis mitte August einen neuen Platz gefunden haben.

Müssen das Gelände verlassen: Die Wagenleute am Klybeckquai müssen bis mitte August einen neuen Platz gefunden haben. Bild: Dominik Pluess

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Fast menschenleer präsentierte sich gestern Nachmittag der Wagenplatz an der Uferstrasse 40 auf dem Ex-Migrol-Areal. Einzig ausserhalb der Wagenburg mit rund einem Dutzend Zirkus- und Bauwagen ist Oemer Dmyrcy anzutreffen. Vor rund zwei Wochen hat der 34-jährige Kurde seinen Wohnwagen auf das Areal gestellt, wo ehemals ein Tanklager stand. Der selbstständige Dachdecker ist mit Reparaturarbeiten an seiner fahrbaren Behausung beschäftigt – es hat hineingeregnet. «Die meisten der anderen zehn Bewohner arbeiten», sagt Dmyrcy. Abends würde jeweils eine Person für alle ein gemeinsames Essen kochen. «Der Platz ist super. Die Bewohner sind angenehm», sagt Dmyrcy.

In ein paar Wochen will er weiterziehen und Musikfestivals besuchen. «Mir gefällt das Leben im Wohnwagen. Es ist besser, als in einer Wohnung eingepfercht zu leben», sagt Dmyrcy, der sich mit Gelegenheitsarbeiten über Wasser hält. Seine Post werde an die Adresse seines Vaters in Basel geschickt.

«Konsumarm und solidarisch»

Das Ex-Migrol-Areal haben die Wagenleute am Karfreitag, dem 29. März, besetzt. In der Zwischenzeit errichteten Zimmerleute einen rund sechs Meter hohen Wasserturm, der zum Duschen Warmwasser liefert. Im Halbrund der Wagen hat jemand aus Erde Beete auf eine Folie aufgeschüttet, um bald Gemüse oder Blumen anzupflanzen. Eine Wippe dient als Spielgerät für Kinder, ein Metallfass als Grill. Ein Wagen trägt den Schriftzug Café. Hier ist an den Wochenenden manchmal auch die Quartierbevölkerung zu Kaffee und Kuchen eingeladen.

Wie wettsteinvilla.blogsport.de zu entnehmen ist, organisieren sich die Wagenleute «im Kollektiv so weit wie möglich konsumarm und solidarisch». Einzig die Basler Behörden und die Regierung behinderten die Wagenleute in ihrer Existenz unter anderem mit Paragrafenreiterei und Intoleranz seit rund zwei Jahren, heisst es dort weiter.

Die Schweizerischen Rheinhäfen (SRH), die das Areal verwalten, haben den Wagenleuten ein Ultimatum gesetzt. Bis nach den Sommerferien Mitte August müssen die Besetzer die Brache verlassen haben. Ansonsten könnte auch hier – analog zum Schiessstand in Allschwil – das Areal geräumt werden. Um der befristeten Duldung Nachdruck zu verleihen, haben die SRH bei der Polizei vor ein paar Wochen einen Strafantrag wegen Hausfriedensbruchs eingereicht. Mit der Duldung erhalten die Wagenleute die Chance, einen legalen Aufenthaltsort zu finden. Man sei auf der Suche nach einem Ersatzstandort. «Definitiv gefunden ist noch nichts», sagt Dmyrcy. Anfang Juni wird auf dem leer stehenden Teil des Areals die Kunstmesse Scope ihre Zelte aufschlagen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 15.05.2013, 11:27 Uhr

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