Weder Tango noch Combino

Die Basler Verkehrs-Betriebe (BVB) gehen bei der Erneuerung ihrer Tramflotte zurück auf Feld eins: Statt wie geplant zusammen mit der Baselbieter BLT «Tango»-Trams von Stadler Rail zu kaufen, schreiben die BVB die Beschaffung neu aus.

Der Tango (rechts) findet bei den BVB-Verantwortlichen keinen Gefallen. Nun soll ein neues Tram evaluiert werden.

Der Tango (rechts) findet bei den BVB-Verantwortlichen keinen Gefallen. Nun soll ein neues Tram evaluiert werden. Bild: BVB/BLT

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Der neue BVB-Verwaltungsratspräsident Martin Gudenrath begründete diesen Schritt am Mittwoch vor den Medien mit einer Überarbeitung der Flottenpolitik für die nächsten 15 Jahre. Wer die neuen Trams liefern soll, ist völlig offen. Beschaffen wollen die BVB zwischen 2011 und 2023 gegen 65 Fahrzeuge für rund 300 Millionen Franken.

Gescheitert ist damit die 2004 von BVB und BLT aufgegleiste gemeinsame Trambeschaffung. 2006 entschieden sich die beiden Transportunternehmen für «Tango»-Trams. Noch während einem gemeinsamen Test mit vier Vorserienfahrzeugen bestellte die BLT letzten Dezember zunächst 15 «Tangos».

Combino laut BVB beliebter als das Tango-Tram

Die BVB dagegen, die eine Option auf 20 Züge hatte, gab wegen Kritik am neuen Tram im Februar eine Kundenumfrage in Auftrag. In dieser schnitt das seit 2001 eingesetzte und inzwischen sanierte «Combino»-Niederflur-Tram von Siemens klar besser ab als das «Tango»- Tram. Dieses weist einen Niederflur-Anteil von lediglich 75 Prozent auf.

Die Umfrageergebnisse dienen nun bei der Neuausschreibung als Hilfsmittel zur Definition der aus Kundensicht wesentlichen Kriterien. Weil die Fahrgäste immer älter werden, wollen die BVB einen möglichst grossen Niederfluranteil bei den neuen Trams. Zudem sollen diese die Vorgaben des Behinderten-Gleichstellungsgesetzes des Bundes erfüllen, die bis 2023 umgesetzt werden müssen.

Unterschiedliche Länge

Bei der Überprüfung der Flottenpolitik hat sich zudem laut Gudenrath gezeigt, dass die BVB nicht ein Einheitstram, sondern Züge unterschiedlicher Länge brauchen. Stadler Rail hätte zwar einen kürzeren «Tango» realisieren können, dies jedoch zum Preis der 45 Meter langen Normalversion. Für die neuen Trams wollen die BVB nun ein offenes Pflichtenheft erstellen. Die Anforderungen sollen laut den BVB präzis auf die Basler Verhältnisse und doch nahe an ein Serientram definiert werden.

Für die Neubeschaffung wollen die BVB zudem wissenschaftlich klären lassen, ob bei Niederflurtrams die Betriebskosten wegen der Abnutzung von Rädern und Schienen höher sind ist als bei herkömmlichen Drehgestellen. Praktische Erfahrungen mit neuen Niederflurfahrzeugen hätten gezeigt, dass dies nicht mehr der Fall sei. Die Ausschreibung ist für den kommenden Herbst geplant, und der Zuschlag soll gegen Ende 2011 erteilt werden. In einer ersten Tranche wollen die BVB rund 30 Trams bestellten. 30 bis 35 weitere sollen zehn Jahre später folgen.

Kritische Grösse

Mit der vom Verwaltungsrat verabschiedeten Flottenpolitik werde die für eine strategische Beschaffung nötige kritische Grösse erreicht, sagte der Verwaltungsratspräsident. Mit dem Kauf einer kleinen «Tango»-Serie hätte man sich diese Möglichkeit auf lange Sicht verbaut. Dem früheren Verwaltungsrat könne man für seine nun gescheiterten Pläne keinen Vorwurf machen, sagte Guldenrath. Das Gremium habe weder versagt noch gewisse Entwicklungen übersehen. Heute sei man einfach fünf Jahre weiter in den Erkenntnissen.

Der Verwaltungsrat verwies auch auf Unterschiede zwischen den beiden Transportunternehmen: Die Linien 10 und 11 der BLT seien in erster Linie Vorortsbahnen, die ihre Fahrgäste von A nach B bringen. An die hauptsächlich im innerstädtischen Ballungsraum verkehrenden BVB würden dagegen andere Ansprüche gestellt. Besonders wichtig sei etwa wegen der zahlreichen Umsteigebeziehungen ein möglichst flüssiger Fahrgastwechsel. (amu/sda)

Erstellt: 12.05.2010, 10:23 Uhr

Umfrage

Die gemeinsame Trambeschaffung von BLT und BVB ist gescheitert. Die BVB verabschieden sich vom Tango-Tram und favorisieren eine andere Variante. Ist dieser Entscheid richtig?

Ja

 
47.3%

Nein

 
52.7%

790 Stimmen


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