Wegen zwei Bäumen droht ein Verkehrschaos

Die Nauenstrasse wird ein halbes Jahr teilweise gesperrt, weil zwei geschützte Linden nicht gefällt werden dürfen. Den Autofahrern drohen lange Wartezeiten auf der viel befahrenen Strasse.

Weil zwei Linden nicht gefällt werden dürfen, müssen Autofahrer ein halbes Jahr lang im Stau stehen.

Weil zwei Linden nicht gefällt werden dürfen, müssen Autofahrer ein halbes Jahr lang im Stau stehen. Bild: Moira Mangione

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Geht es nach den Verantwortlichen bei der global tätigen Herstellerin von Premiumzigarren, der Oettinger Davidoff AG, wird das triste Geschäftsgebäude an der Nauenstrasse bis 2015 Geschichte sein. Bis dann soll das Architekturbüro Diener & Diener einen modernen Bau am jetzigen Standort fertiggestellt haben. Während der Umbauzeit zügelt die gesamte 170-köpfige Belegschaft von der Nauenstrasse in frei stehende Büroräumlichkeiten an der Hochbergerstrasse, bis der Neubau bezogen werden kann.

Am 14. August führten die Verantwortlichen des Zigarrenherstellers eine Begehung der zukünftigen Baustelle durch, um erste Details zum Bauvorhaben zu klären. Mit von der Partie waren neben den Architekten und dem verantwortlichen Planungsbüro auch Vertreter der kantonalen Verwaltung. Diverse involvierte Stellen, wie das Tiefbauamt, das Amt für Mobilität, die Verkehrspolizei und die Stadtgärtnerei durften ihre Einschätzungen abgeben, da für den Neubau auch Allmendgelände beansprucht werden wird.

Ersatz angeboten

Und hier liegt des Pudels Kern, wie Beat Hauenstein, Geschäftsleitungsmitglied von Oettinger Davidoff sagt: «Wir haben vorgeschlagen, die Baustelle über die Lindenhofstrasse zu erschliessen.» Dafür hätten laut Hauenstein zwei Bäume entfernt werden müssen, Ersatzpflanzungen nach dem Abriss der alten Liegenschaft habe Oettinger Davidoff ebenfalls angeboten. Doch Hauenstein und seine Architekten hatten die Rechnung ohne die Stadtgärtnerei gemacht: Wie der Leiter der Stadtgärtnerei, Emanuel Trueb, gegenüber der BaZ bestätigt, wurde der Vorschlag von Oettinger Davidoff abgelehnt. «Unser Mitarbeiter vor Ort hat die Lage so beurteilt, dass die Bäume nicht gefällt werden dürfen, da es sich um zwei geschützte Linden handelt.»

Der auf den ersten Blick nachvollziehbare Entscheid hat gravierende Folgen, wie eine Nachfrage bei der Verkehrspolizei zeigt, die während der Bauzeit für die Verkehrsführung zuständig ist. «Auf der Länge der Baustelle wird ab Februar 2014 während einem halben Jahr eine Spur der Nauenstrasse für den Verkehr gesperrt, um den Zugang zur Baustelle zu gewährleisten», sagt Polizeisprecher Andreas Knuchel gegenüber der BaZ.

Sperrung unverhältnismässig

Damit ist ein Verkehrschaos auf einer der Haupteinfall- und Ausfallstrassen programmiert, befürchtet Beat Hauenstein. «Ich stelle mir hier die Frage der Verhältnismässigkeit, ob man wegen zwei Bäumen einen Verkehrskollaps riskieren will.» Erschwerend zur Sperrung der einen Spur auf der Nauenstrasse kommt hinzu, dass bis April 2014 ein Teil der Grosspeterstrasse gesperrt und der Verkehr über die Nauenstrasse umgeleitet wird.

Auf die drohenden Verkehrsprobleme angesprochen, sagt Emanuel Trueb von der Stadtgärtnerei selbstkritisch: «Ich weiss nicht, ob diese Lösung tragfähig ist.» Bei einer Begehung würden sämtliche Akteure ihre Interessen wahrnehmen, so auch in diesem Fall die Stadtgärtnerei, die sich an gesetzliche Vorgaben zum Schutz von Bäumen zu halten habe. Eine Beurteilung muss in Abwägung des öffentlichen und des privaten Interesses erfolgen. Eine Fällbewilligung könnte demnach erteilt werden, wenn das Festhalten am öffentlichen Interesse des Baumerhalts in Abwägung des privaten Interesses der Bauplatzinstallation unverhältnismässig erscheint. Noch gar nicht Stellung nehmen zum drohenden Verkehrschaos will André Frauchiger, Sprecher des Tiefbauamts: «Eine Baueingabe der Firma Oettinger Davidoff ist beim Kanton noch nicht eingetroffen, weshalb das Ganze auch noch nicht geprüft werden konnte.» Sobald diese vorliege, werde man diverse Lösungen prüfen, auch den Vorschlag von Oettinger Davidoff.

Verkehr soll funktionieren

André Frauchiger: «Wie gewohnt werden die Stellungnahmen der beteiligten staatlichen Stellen im Rahmen einer üblichen Vernehmlassung eingeholt werden.» Letztlich sei es aber bei solch einem Entscheid immer eine Frage des Abwägens, da verschiedene Ämter mit unterschiedlichen Vorgaben involviert seien. «Wir werden aber besorgt sein, dass der Verkehr einigermassen funktioniert.»

Beat Hauenstein von Oettinger Davidoff stellt die Beteuerungen des Bau- und Verkehrsdepartements infrage: «Im Protokoll der Begehung vom 14. August steht schwarz auf weiss, dass wegen den beiden Bäumen eine Baustelleninstallation an der Lindenhofstrasse nicht möglich sein wird.»

Spätestens ab Februar nächsten Jahres wird sich zeigen, wie die Verkehrsführung rund um die Baustelle des Oettinger-Davidoff-Neubaus aussehen wird. Dann nämlich beginnen die Abrissarbeiten des alten Gebäudes an der Nauenstrasse. Bei der verantwortlichen Verkehrspolizei scheinen die Meinungen schon heute gemacht zu sein – zugunsten von zwei Bäumen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 07.10.2013, 07:05 Uhr

Umfrage

Nach dem Willen der Stadtgärtnerei soll während der Bauzeit von einem Jahr lieber eine Spur der stark befahrenen Nauenstrasse gesperrt, als zwei Bäume gefällt werden. Soll die Nauenstrasse nur einspurig befahrbar sein?

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