«Wir fühlen uns betrogen»

Das Kleinbasler Restaurant Stänzler darf seinen Hinterhof abends nur bis 20 Uhr öffnen. Zwei Anwohner sowie widersprüchliche Signale der Behörden machen dem Wirtepaar das Leben schwer.

Von den Behörden ausgebremst: Die Gastwirte Astride und Helmut Zankl verlieren wegen der strengen Regelungen des Bauinspektorats Umsatz.

Von den Behörden ausgebremst: Die Gastwirte Astride und Helmut Zankl verlieren wegen der strengen Regelungen des Bauinspektorats Umsatz. Bild: Lucian Hunziker

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Der Bus fährt von der Haltestelle Erasmusplatz los, der Lärm vor dem Restaurant Stänzler ist ohrenbetäubend. Kurz darauf fährt eine Ambulanz mit Blaulicht und Sirene vorbei. Ans Draussensitzen ist trotz sommerlicher Temperaturen nicht zu denken. «Wir können hier vorne nicht rausstuhlen», sagt Helmut Zankl, der das Restaurant Stänzler seit 30 Jahren zusammen mit seiner Frau Astride betreibt.

Im Hinterhof haben die Zankls deshalb einen lauschigen Garten mit 36 Sitzplätzen eingerichtet, die im Schnitt aber nur jeweils zur Hälfte besetzt sind. Viele Gäste sind heute nicht da. «Wir müssen den Garten um 20 Uhr schliessen, da kommen viele Gäste gar nicht erst», sagt Astride Zankl enttäuscht. Ursprünglich hätten die Zankls ihre Gartenwirtschaft bis 22 Uhr öffnen dürfen. Das Bauinspektorat bewilligte 2003 dem Betrieb eine Gartenwirtschaft, mit der Auflage um 22 Uhr zu schliessen.

Härter als empfohlen entschieden

Nach der Publikation erhoben zwei Anwohner Einsprache gegen den Entscheid des Bauinspektorates, die jedoch abgewiesen wurden. Die «Anwohner», von denen einer in Riehen wohnt und eine an das Restaurant Stänzler grenzende Liegenschaft besitzt, rekurrierten gegen diesen Entscheid. Das Bau­inspektorat und die Abteilung Lärmschutz des Amtes für Umwelt und Energie (AUE) empfahlen der zuständigen Baurekurskommission, den Rekurs vollumfänglich abzuweisen.

Die Baurekurskommission entschied aber anders und gab den Rekurrenten teilweise recht: Die Öffnungszeiten wurden um zwei Stunden auf 20 Uhr verkürzt. Dies sei nicht weiter schlimm, versicherte daraufhin das Bauinspektorat, sagt Helmut Zankl. «Ich musste ein Formular unterschreiben, dass ich dieses Jahr nur bis 20 Uhr öffnen darf und im nächsten Jahr ein neues Gesuch bis 22 Uhr stellen soll.» Die Möglichkeit, den Entscheid ans Verwaltungsgericht weiterzuziehen, zog das Ehepaar Zankl daraufhin wegen möglicher Kosten in der Folge nicht mehr in Betracht.

Formular ist unauffindbar

Als die Zankls im Jahr darauf ein ­Gesuch stellen wollten, wurde ihnen aber vom Bauinspektorat mitgeteilt, dass dieser Entscheid endgültig und ein neues Gesuch nicht mehr möglich sei. «Wir fühlen uns vom Baudepartement betrogen», ärgert sich Astride Zankl. Alleine für die Bewilligungsgesuche und den Rechtsstreit wendeten die Zankls mittlerweile über 10'000 Franken auf.

Beim Bauinspektorat gibt man sich derweil ahnungslos: Franz Nyffenegger, der das Dossier der Zankls betreute, schrieb dem Ehepaar auf dessen Nachfrage hin, dass das Dokument in den Akten nicht mehr auffindbar sei und er den «Schriftverkehr in dieser Angelegenheit als abgeschlossen betrachte».

Grillfeste im Garten gegenüber

Kampflos wollte sich das Wirtepaar Zankl aber nicht geschlagen geben: «Wir sammelten rund 80 Unterschriften von allen Anwohnern, dass wir die Gartenwirtschaft bis 22 Uhr offen haben dürfen», sagt Astride Zankl. «Nur wegen zwei Personen, von denen eine nicht mal hier wohnt, müssen wir nun so früh schliessen.» Dies mache sich auch im Umsatz bemerkbar, in den wenigen Sommermonaten blieben die Gäste abends schlicht aus, erzählt Helmut Zankl. Im Garten der Liegenschaft gegenüber, die einem der Rekurrenten gehört, finden derweil Grillfeste mit bis zu 40 Personen statt, wie Zankl erzählt. «Die Polizei war schon mehrmals wegen Ruhestörungen hier, weil bis spät in die Nacht gefeiert wurde.» Ihm und seinem Betrieb hingegen mache man das Leben mit den rigorosen Öffnungszeiten unnötig schwer, bilanziert Helmut Zankl.

«In dieser Stadt wird mit unterschiedlichen Ellen gemessen», meint der langjährige Wirt resigniert. Er fragt lakonisch, weshalb denn bei den Buvetten nach einem Jahr Testbetrieb mit einem neuen Gesuch längere Öffnungszeiten beantragt werden könnten – bei ihm hingegen nicht. Wenn sich neue Buvettenbetreiber wie aktuell jene der Florabuvette bewähren und es seitens der Anwohner zu keinen Reklamationen kommt, können die Behörden in einem Jahr die Öffnungszeit um eine Stunde bis 23 Uhr verlängern. «Hier bekommt der Staat Allmendgebühren und drückt deshalb ein Auge zu», ist sich Helmut Zankl sicher.

Die Hoffnung, eines Tages doch noch seinen Garten länger öffnen zu dürfen, hat das Wirtepaar noch nicht aufgegeben: «Wir wollen doch nur ­Gerechtigkeit», sagt Astride Zankl. (Basler Zeitung)

Erstellt: 22.07.2013, 11:14 Uhr

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