«Wir stehen Gewehr bei Fuss»

Die Gegner einer grosszügigen Öffnung der Kaserne wollen das Resultat des Architekturwettbewerbs abwarten. Ganz vom Tisch ist das Referendum aber nicht.

Mehr als Kulisse: Die Organisatoren des Basel Tattoo benötigen die Kaserne für die Infrastruktur der Veranstaltung mit rund 1000 Mitwirkenden.

Mehr als Kulisse: Die Organisatoren des Basel Tattoo benötigen die Kaserne für die Infrastruktur der Veranstaltung mit rund 1000 Mitwirkenden. Bild: Keystone

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«Wir halten unser Wort in der Absprache mit der Regierung», bekräftigte der Produzent des Basel Tattoo, Erik Julliard. Er meldete damit seinen Verzicht auf ein Referendum gegen den in der vergangenen Woche gefällten Grossratsbeschluss zur seitlichen Öffnung der Kaserne und zur Ausschreibung eines Architekturwettbewerbes für eine grosszügige Öffnung des Hauptbaus an. Die Regierung habe ihm zugesichert, es würde nur bei der seitlichen Öffnung der Kaserne bleiben, wenn er sich damit einverstanden erkläre, sagte Julliard.

Deshalb fühlte er sich verschaukelt, als erklärt wurde, dass eine grosszügigere Variante geprüft werde, selbst wenn niemand mehr von einer Sprengung der Kaserne spreche. Im Vorfeld der Grossratsdebatte ging Julliard alle Ratsmitglieder brieflich an und wurde dabei vom Heimatschutz Basel sowie der Freiwilligen Basler Denkmalpflege unterstützt. Zu dritt drohten sie mit dem Referendum, wenn die seitliche Öffnung mit einem Architekturwettbewerb für den Hauptbau verknüpft werde. Der Grosse Rat sprach sich dennoch für dieses Vorgehen aus, und die Gegner der Kasernen-Öffnung liessen vorerst offen, ob sie nun wirklich das Referendum ergreifen würden.

Macher, nicht Verhinderer

Gestern informierten sie an einer Medienkonferenz über ihren Entscheid: «Wir ergreifen das Referendum zum jetzigen Zeitpunkt nicht», erklärte LDP-Grossrat André Auderset, der sich im Basler Parlament für den Erhalt der Kaserne besonders stark gemacht hatte. Und Erik Julliard betonte: «Das Basel Tattoo besteht nicht aus Verhinderern, sondern aus Machern.» Ein Referendum hätte die gesamte Aufwertung des Kasernen-Areals infrage gestellt. «Wir hätten damit den ganzen Zug angehalten und das macht keinen Sinn», so Julliard.

Der Produzent des Basel Tattoo will keinen alleinigen Anspruch auf die Kaserne erheben. Doch der historische Komplex sei für das Tattoo weit mehr als nur eine Kulisse, «er wird von uns wirklich gebraucht». So etwa für die Infrastruktur mit 1000 Mitwirkenden. Auch der natürliche Lärmschutz durch das Kasernenareal sei nicht zu unterschätzen. «Wir haben jedenfalls noch keine Lärmklagen aus der Nachbarschaft bekommen.» Mit einer seitlichen Öffnung der Kaserne kann Julliard leben. Aber der Ausdruck «grosszügige Öffnung» ist für ihn nicht interpretierbar: «Das ist einfach ein grosses Loch.» Und gegen das will er auch in Zukunft ankämpfen. «Auch wenn wir jetzt auf das Referendum verzichten, stehen wir Gewehr bei Fuss.»

Teil der Basler Geschichte

Ins gleiche Horn blasen die Freiwillige Basler Denkmalpflege und der Basler Heimatschutz. «Wir sind grundsätzlich gegen eine Veränderung der Kaserne», unterstrich Christian Eich, Präsident der Freiwilligen Denkmalpflege. Die integrale Kaserne sei ein wichtiger Repräsentant seiner Epoche. Das Bauwerk wurde zwischen 1860 und 1863 vom Basler Architekten Johann Jacob Stehlin errichtet und qualifiziert sich in den Augen der Freiwilligen Denkmalpflege «eindeutig als schützenswertes Denkmal». Der Verein will sich deshalb dafür einsetzen, dass die Kaserne unter Schutz gestellt wird. «Die Kaserne ist heute verlottert», kritisierte Eich, der auch meinte es sei «ein Blödsinn über die Zukunft eines Gebäudes zu diskutieren, wenn niemand genau weiss, wie es genutzt werden soll.» Im Fall der seitlichen Öffnung zeigt sich die Freiwillige Basler Denkmalpflege dennoch kompromissbereit. «Gegen weitere Veränderungen am Hauptbau werden wir uns aber zur Wehr setzen», kündigte Christian Eich an.

«Wir können nur knurrend zu diesem Teilabbruch Ja sagen», erklärte der Geschäftsführer des Basler Heimatschutzes, Paul Dilitz. «Gegen eine grosszügigere Öffnung des Hauptbaus werden wir uns jedoch massiv wehren.» Die Kaserne als Ganzes gehöre zur Identität Kleinbasels und müsse deshalb erhalten bleiben. «Die Kaserne ist ein wichtiger Teil der Basler Geschichte.» Dilitz kritisierte die hektische Eventkultur auf öffentlichem Grund: «Auch Gelassenheit ist eine Qualität.» Die drei Organisationen sehen sich nach dem Grossratsbeschluss nicht als Verlierer. Ihre Bemühungen hätten dazu geführt, «dass die Vorlage im Parlament intensiv und kontrovers diskutiert wurde». Sie nehmen nun Regierungspräsident Morin und Baudirektor Wessels beim Wort, dass der Architekturwettbewerb völlig ergebnisoffen ablaufe, «also das Ergebnis des Wettbwerbs auch dahingehend sein kann, dass an der Kaserne nichts mehr weiter verändert wird.»

Konkretes Projekt angreifen

Weiter wird erwartet, dass die Initiative «Öffnung zum Rhein» tatsächlich nach Freigabe des Kredits für den Architekturwettbwerb zurückgezogen wird, «und dass die Initianten nach Auswertung des Wettbewerbs auch ein allfälliges Ergebnis akzeptieren, das nicht in ihrem Sinne ausfällt». Dass die Referendumsdrohung nicht ganz vom Tisch ist, machte LDP-Grossrat André Auderset zum Schluss der gestrigen Medienkonferenz nochmals klar. «Wir bleiben an dieser Sache. Es ist ja auch viel gescheiter allenfalls ein konkretes Bauprojekt anzugreifen», meinte er und erinnerte an den gescheiterten Stadtcasino-Neubau durch Zaha Hadid. «Wenn es darum geht, solche Bausünden zu verhindern, kann die Basler Bevölkerung dafür motiviert werden.» Im Fall der Kaserne stehe nicht nur das Kleinbasel, sondern ganz Basel hinter dem Erhalt, zeigte sich Auderset überzeugt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.02.2012, 08:09 Uhr

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