«Wir stehen kurz vor dem Ruin»

Einbrecher erbeuteten im Kleinbasler Kiosk von Gertrud Hartmann und Erika Furrer Zigaretten und Lose für rund 35'000 Franken. Die Quartierbewohner zeigen sich nun solidarisch.

«Wir machen weiter.» Gertrud Hartmann (l.) und Erika Furrer wollen ihren Kiosk in der Rheingasse nicht aufgeben.

«Wir machen weiter.» Gertrud Hartmann (l.) und Erika Furrer wollen ihren Kiosk in der Rheingasse nicht aufgeben. Bild: Pino Covino

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Erika Furrer traf fast der Schlag, als sie am Mittwoch vor zwei Wochen den Kiosk ihrer Schwester in der Rheingasse früh morgens aufschliessen wollte: «Es war alles abgesperrt und die ­Polizei war hier. Als ich unter der Absperrung durch wollte, sagte der Polizist, dass ich hier nicht durch könne», erinnert sich Erika Furrer. Da dämmerte ihr, was passiert war: «Jemand ist in unseren Kiosk eingebrochen.» Kunden seien gekommen, doch man habe ihnen nichts mehr verkaufen können, seufzt Getrud Hartmann, die allen nur als «Trudi» bekannt ist. «Ich musste meinen Kunden sagen, dass ich keine Zigaretten mehr habe. Die haben alles mitge­nommen.» Die definitive Schadens­bilanz liegt zwar noch nicht vor, da diese im Moment von der Versicherung noch vorgenommen wird, doch klar ist, dass der Verlust in die Zehntausende geht.

Vor allem die vielen Stangen Zigaretten schmerzen die Geschwister. «Wir haben insgesamt 136 verschiedene Zigarettensorten, von denen wir jeweils etwa vier Stangen im Kiosk gelagert hatten», rechnet Getrud Hartmann den erlittenen Schaden auf. Die Summe ist immens: Für rund 35'000 Franken erbeuteten die Einbrecher Zigaretten und Lose im Kiosk neben dem Hotel Krafft. «Wir stehen kurz vor dem Ruin», bilanziert Getrud Hartmann wehmütig.

Kiosk mehrfach gesichert

Ob die Versicherung die gesamte Summe zahlen wird, ist noch unklar, doch Getrud Hartmann rechnet mit dem Schlimmsten, weil sie seit dem Jahr 2007 die Deckung ihrer Versicherung nicht erhöht hat. «In den letzten sieben Jahren haben die Zigarettenpreise derart aufgeschlagen, doch die Versicherung anzupassen, daran habe ich nicht gedacht.»

Im Moment versuchen die beiden Schwestern mit Erspartem ihr Lager langsam wieder aufzufüllen, um den Kunden im Quartier ihre Zigarettenmarke anbieten zu können. «Beim Gross­isten müssen wir bar bezahlen. Anschreiben, wie bei uns, geht dort nicht», sagt Getrud Hartmann. Die 76-Jährige kann nicht fassen, wie die Einbrecher in ihren Kiosk einsteigen konnten, ist er doch mit insgesamt vier Türen gleich mehrfach gesichert. Von der Rheingasse her schützt ein Tor abends vor unliebsamen Besuchern, auch von der Rheinseite her verwehrt ein Tor den Zugang.

Der Eingang des Kiosks im Ueli-Gässli ist mit einer massiven Holztüre verriegelt. «Das war eigentlich gegen Wildpinkler gedacht, weil wir jeden morgen den Urin an unserer Türe wegputzen mussten», sagt Kioskfrau «Trudi». Auch die schwere Holztüre ins Innere des Kiosks hielt die Einbrecher nicht von ihrem Vorhaben ab – die Spuren eines schweren Brecheisens sind noch gut zu erkennen.

«Meine Marke blieb liegen»

Mitgenommen haben die Einbrecher praktisch nur Zigaretten, und auch hier nicht sämtliche, wie Getrud Hartmann sagt: «Von meiner Marke blieben drei Stangen am Boden liegen, irgendwie müssen die wohl im Stress gewesen sein, als sie hier unseren Kiosk leer geräumt haben.» Hartmann, die ihren Kiosk seit 47 Jahren betreibt, vermutet eine kriminelle Bande hinter dem Einbruch: «Das war perfekt organisiert, es hat geregnet und am Oberen Rheinweg warteten die Täter mit einem Auto, in das sie die Zigaretten schachtelweise einluden.» Hinweise auf die Täterschaft gibt es derzeit keine, sagt Peter Gill, Sprecher der Basler Staatsanwaltschaft, auf Anfrage.

Überwältigt waren Erika Furrer und Getrud Hartmann, als sich im Quartier herumsprach, dass im Kiosk eingebrochen worden war. Eine regelrechte Solidaritätswelle kam in Gang, sagt Getrud Hartmann: «Stammkunden kamen zu uns und boten Geld an, um den Waren­engpass zu überbrücken.» Damit tut sich die Kioskfrau jedoch schwer, wie sie sagt. Ein solcher Zusammenhalt komme nur hier im Kleinbasel in der Rheingasse vor, meint ihre Schwester Erika. «Wir schauen hier zueinander wie eine grosse Familie», bestätigen die beiden Schwestern, die mit ihrem Kiosk weitermachen wollen, einhellig. «Aufhören können wir doch nicht, wo sollen denn unsere Kunden hin?», fragt ­Getrud Hartmann. «Viele lassen anschreiben, um Ende Monat noch Zigaretten kaufen zu können. In einem normalen Kiosk geht das nicht.» (Basler Zeitung)

Erstellt: 23.07.2014, 11:43 Uhr

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