Wisenbergtunnel kommt frühestens 2050

Der Bund verschiebt den Juradurchschnitt erneut – die Region ist enttäuscht. Die Baselbieter Regierung will weiter für das Bauprojekt kämpfen.

Nadelöhr: Muss der Hauensteintunnel wie im Jahr 2008 für Bauarbeiten gesperrt werden, könnten die Züge dereinst durch den Wisenberg rollen.

Nadelöhr: Muss der Hauensteintunnel wie im Jahr 2008 für Bauarbeiten gesperrt werden, könnten die Züge dereinst durch den Wisenberg rollen. Bild: Keystone

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In der soeben publizierten Botschaft des Bundesrats zu Finanzierung und Ausbau der Bahninfrastruktur (Fabi) versteckt sich für die Region eine schlechte Nachricht: Die Realisierung des Wisenbergtunnels ist erneut nach hinten verschoben worden. Zwanzig Jahre später als bisher geplant, nach 2050 statt nach 2030, soll der dritte Juradurchstich für die Bahn realisiert werden – wenn überhaupt. Die Verschiebung auf den Zeitraum nach 2050 wird in der Region Basel für politischen Zündstoff sorgen.

«Das schmerzt uns sehr», kommentiert der Basler Baudirektor Hans-Peter Wessels (SP) den jüngsten Entscheid des Bundesrates. Wessels betont, dass der Einsatz für eine möglichst rasche Umsetzung des Eisenbahn-Grossvorhabens für die Regierungen der Nordwestschweiz immer noch die höchste Priorität geniesse. Dass die Metropolitankonferenz Basel den Wisenberg nicht zu den beiden Top-Forderungen (Bahnanschluss EuroAirport, Ausbau Osttangente Basel) hinzugezählt hat, begründet Wessels mit dem Realisierungshorizont. Beim EuroAirport-Anschluss rechne man mit Entscheiden innerhalb von Monaten. Und auch die Osttangente konkretisiere sich.

Schwere Lektüre für Malama

Wessels gehörte im Dezember 2010 zu den Unterzeichnern eines Schreibens des Komitees Pro Wisenberg, welches Bundesrätin Doris Leuthard aufforderte, den Wisenberg in die erste Priorität der Bahngrossprojekte zu setzen, welche ab 2023 verwirklicht werden sollen. Dazu steht Wessels nach wie vor. Allerdings räumt er ein, dass der Wisenberg in Bundesbern keine hohe Priorität geniesse. Selbst wenn die Forderung der kantonalen Baudirektoren erfüllt werde, den Kredit von 3,5 auf 6 Milliarden zu erhöhen, sei der Wisenbergtunnel darin noch nicht enthalten.

Zu den Mitunterzeichnern des Pro-Wisenberg-Aufrufs gehört auch der Basler FDP-Nationalrat Peter Malama. Dieser hat sich fürs Wochenende eine schwere Lektüre vorgenommen – den umfangreichen Fabi-Bericht. Sobald er dessen Auswirkungen im Detail kenne, werde er sich mit dem ferienabwesenden Baselbieter SP-Ständerat Claude Janiak zusammensetzen, «um zu schauen, was wir machen können». Auch für Malama ist klar, dass der Kampf um einen dritten Juradurchstich mit Entschiedenheit weitergeführt werden soll.

Regierungsrat will weiterkämpfen

Malama will dabei auch unkonventionelle Vorschläge neu lancieren. Insbesondere eine Public Private Partnership (PPP) – eine Finanzierung durch Private. Die Idee ist allerdings nicht neu. Der damalige Baselbieter Baudirektor Jörg Krähenbühl (SVP) hatte sie lanciert. Doch das Projekt ist eingeschlafen. Hintergrund: Finanzdirektor Adrian Ballmer (FDP) hatte Krähenbühl bedeutet, dass der Staat günstigere Kredite erhält als private Investoren.

Nach der neusten Hiobsbotschaft aus Bern stellt sich die Frage, ob die Priorisierung von zwei anderen Projekten durch die Metropolitankonferenz politisch klug war. Die Baselbieter Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) betont, dass das Vorgehen der Metropolitankonferenz Basel nicht zu einer Schwächung des Wisenbergtunnels führen werde: «Im Gegenteil, es macht Sinn, jene Projekte zu priorisieren, die in naher Zukunft realisiert werden können.» Die Baselbieter Regierung werde sich weiterhin dafür einsetzen, dass der Wisenbergtunnel bei der Fabi in die erste Priorität komme. Und sie stellt klar: «Von einer Zurückstufung des Wisenbergtunnels durch die Metropolitankonferenz kann keine Rede sein.»

So bitter die Fabi-Botschaft für das Projekt Wisenberg auch ist, sie enthält auch positive News. Über zehn Prozent der 3,5 Milliarden – 390 Millionen Franken – fliessen in die Region. Und zwar ins Grossprojekt Basel-Ost, das neben dem Ausbau des Basler Bahnhofs auch kreuzungsfreie Übergänge im Bereich Pratteln und Liestal sowie ein Wendegleis in Liestal umfasst. Darum, so Wessels, «ist die Region trotz allem kein Mauerblümchen». (Basler Zeitung)

Erstellt: 20.01.2012, 07:29 Uhr

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