Zuganschluss EuroAirport: Meinung der Bevölkerung ist gefragt

Seit gestern darf und soll sich die Öffentlichkeit zur geplanten Bahnanbindung des Flughafens äussern.

Geplant ist, dass die Bahn ab dem Jahr 2028 direkt vor den Eingangsbereich des Flughafens fährt.

Geplant ist, dass die Bahn ab dem Jahr 2028 direkt vor den Eingangsbereich des Flughafens fährt. Bild: Georgios Kefalas

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Seit über fünf Jahren wird am Bahnanschluss des Euroairport geplant. Und noch ist nicht klar, mit welchen Beträgen Frankreich und die Schweiz die Zuganbindung unterstützen. Nichtsdestotrotz wird das Projekt konsequent vorangetrieben. Wie wichtig der Anschluss den Projektbetreibern ist, war schon am Setting der gestrigen Pressekonferenz zu erkennen. Der gesamte Medienanlass wurde simultan auf Französisch und Deutsch übersetzt. Grund für die Konferenz war der Start des öffentlichen Mitwirkungsverfahrens.

«Das ist ein sehr wichtiger Schritt», beteuerte nicht nur Marc Bizien von der SNCF, der staatlichen Eisenbahn Frankreichs, sondern auch Matthias Suhr, Direktor des EuroAirports und Christian Debeve, Repräsentant der elsässischen Région Grand Est. In einer gemeinsamen Charmeoffensive legten sie sich gestern deshalb nochmals für das 250-Millionen-Euro-Projekt ins Zeug. «Verlässliche regelmässige Verbindungen sind für uns sehr wichtig. Der Bus steht morgens und abends im Stau», sagte Suhr.

Nutzen für die Umwelt

Geplant ist, dass die Bahn ab dem Jahr 2028 direkt vor den Eingangsbereich des Flughafens fährt. Von den zwei Gleisen, die auf dem Niveau des Parkings liegen würden, wären es nur wenige Schritte bis zu den Terminals. Drei Zugsverbindungen sollen über den neuen, sechs Kilometer langen Schienenabschnitt zum EuroAirport führen. Für die Strecke EuroAirport-Basel SBB würde dies einen 10-Minuten-Takt bedeuten. Die Fahrzeit betrüge nur noch 10 Minuten anstatt der 18 Minuten, die der Bus zurzeit benötigt. Auch von Strasbourg, Mulhouse, Liestal und Laufen gäbe es direkte Verbindungen.

2017 hatte der EuroAirport knapp acht Millionen Passagiere. 2028 rechnet man mit elf Millionen. Von der Verlagerung eines Drittels dieser Passagiere und Personen, die am EuroAirport arbeiten (zurzeit 6300), auf die Bahn, versprechen sich die Projektbetreiber einen grossen ökologischen Nutzen. «In der 50-jährigen Laufzeit des Projektes werden 72'000 Tonnen CO2 eingespart. Das entspricht siebenmal den gesamten jährlichen Emissionen der Stadt Mulhouse», sagt Bizien.

Damit dieser Nutzen nicht durch den Bau selbst zerstört wird, läuft zurzeit eine umfangreiche Umweltstudie, bei der alle geschützten Pflanzen- und Tierarten erfasst werden: «Die Umweltfolgen, die wir nicht vermeiden können, werden kompensiert», so Bizien. Die Rentabilität sei auch gewährleistet. Das Projekt lohnt sich, laut einer sozioökologischen Studie für die Gesellschaft. «Wir investieren einen Kapitalwert von 250 Millionen Euro und erhalten dafür 500 Millionen Nettobarwert», so der Vertreter der SNCF.

Mitwirkung in drei Ländern

Bei dem gestern lancierten Mitwirkungsverfahren hat die breite Öffentlichkeit in Frankreich, der Schweiz und auch in Deutschland die Möglichkeit, sich über den aktuellen Stand der Planung zu informieren und ihre Meinung dazu zu äussern.

Am Montag findet die erste Veranstaltung in Saint-Louis statt. Weitere folgen in Basel (18. September), Mulhouse (25. September) und Lörrach (9. Oktober). Das Verfahren dauert bis am 12. Oktober. Die Beiträge werden in die laufenden Studien einfliessen, die dann wiederum Basis für die von Frankreich verlangte öffentliche Anhörung im Jahr 2020 sind.

Über die genaue Finanzierung des Projektes konnten die Projektbetreiber (SNCF, EuroAirport, Grand Est und Bundesamt für Verkehr) auch gestern nicht viel sagen. Es sei normal, dass die Finanzierung noch nicht unter Dach und Fach sei. Alle zeigten sich jedoch zuversichtlich. So habe vor zwei Tagen Deutschland einen Betrag von mindestens 10 Millionen Euro zugesichert. Und der Präfekt habe signalisiert, dass sich das Projekt auf gutem Wege befinde. Debeve: «Frankreich und die Schweiz haben die Wichtigkeit des Bahnanschlusses erkannt. Jetzt müssen sie sich nur noch zusammensetzen und darüber einigen, welche Beträge in die jeweiligen Budgets sollen. Wir sind enthusiastisch.»

Umfrage

Gestern haben sich die Verantwortlichen nochmals für den Anschluss stark gemacht. Würden Sie einem Bahnanschluss zum EuroAirport zustimmen?

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1190 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 14.09.2018, 07:15 Uhr

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