Basel-Stadt

Zwei Chefinnen für Basler Kulturamt

Die Abteilung Kultur im Basler Präsidialdepartement erhält eine weibliche Doppelführung. Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann war «überrascht von der internen Bewerbung».

Sonja Kuhn und Katrin Grögel sollen gemeinsam die Abteilung Kultur leiten.

Sonja Kuhn und Katrin Grögel sollen gemeinsam die Abteilung Kultur leiten.

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Die Abteilung Kultur im Basler Präsidialdepartement wird künftig von zwei Frauen geleitet: Sonja Kuhn und Katrin Grögel treten per 1. Januar 2018 die Nachfolge von Philippe Bischof an, der als Direktor zur Kulturstiftung Pro Helvetia gewechselt hatte.

Die beiden neuen Chefinnen hatten schon bisher dem Kader der Abteilung Kultur angehört. Mit ihnen werde nun zum ersten Mal in der Kantonsverwaltung das Topsharing-Konzept umgesetzt, bei dem zwei Personen mit Teilpensen gemeinsam die Führungsverantwortung übernehmen, wie Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann am Mittwoch vor den Medien sagte.

Überrascht von interner Kandidatur

Eigentlich habe sie nicht mit einer internen Kandidatur gerechnet, räumte Ackermann ein. Doch Kuhn und Grögel, die als Team antraten, seien die mit Abstand beste Bewerbung gewesen und ideal für den Posten. Diesen hatte Philippe Bischof nach sieben Jahren verlassen. Seit 1. November ist er Direktor von Pro Helvetia, der nationalen Kulturstiftung.

Für die Leitung der Abteilung Kultur hatten sich insgesamt 53 Personen beworben - 19 Frauen und 34 Männer. Vier Personen kamen in die engste Auswahl, darunter auch die künftigen Co-Leiterinnen, die sich gemeinsam beworben hatten. Eine Einzelbewerbung sei für sie nie zur Diskussion gestanden, sagte die beiden Frauen.

Der Bewerbungsprozess wurde von zwei Fachpersonen aus dem Kulturbereich begleitet. Mit Kuhn und Grögel wurde - namentlich mit Fokus auf das Topsharing - ein externes Assessment durchgeführt.

Die neuen Kulturchefinnen verfügen laut dem Präsidialdepartement nicht nur über herausragende fachliche Qualifikationen, sondern auch eine hohe Kommunikationskompetenz sowie ausgewiesene Führungs- und Leitungserfahrung. Das Topsharing fördere zudem ausgewogene Entscheidungen, erhöhe das Innovationspotenzial und sorge für eine breitere Abstützung strategischer Entwicklungen.

Die beiden künftigen Leiterinnen, die seit 2016 der Geschäftsleitung der Abteilung Kultur angehören, werden im neuen Job ein Pensum von je 70 Prozent haben. Für alle Leitungsentscheide und Geschäfte zeichnen sie gemeinsam verantwortlich. Zudem vertreten sie sich gegenseitig. Eine Erhöhung des Stellenetats in der Abteilung Kultur ist laut Ackermann mit dem Topsharing nicht verbunden. Die neuen Kulturchefinnen treten ihre Aufgabe «mit viel Tatendrang und Gestaltungswillen» an. Ihren Angaben liegen für zahlreiche Probleme in der Kultur, die derzeit in der Öffentlichkeit diskutiert werden, Lösungen bereits vor. Wie diese Aussehen, wurde aber noch nicht bekannt geben.

Keine Museumskrise, aber Herausforderungen

Von einer Museumskrise wollen die beiden Frauen auf jeden Fall nichts wissen, vielmehr gebe es Herausforderungen, die auch Chancen seien. Zwar gehen die Chefinnen davon aus, dass für die Kultur in Zukunft nicht mehr Geld als bisher zur Verfügung stehen wird. Dennoch wollen sie auch neue Akzente und Schwerpunkte setzen.

Welche, liessen sie am Mittwoch indes offen. Anfang 2018 werde jedoch die Arbeit an einem neuen Kulturleitbild in Angriff genommen. Zuvor will Regierungspräsidentin Ackermann aber noch in diesem Jahr die lang erwartetete Museumsstrategie vorstellen, an welcher von den beiden neuen Kulturchefinnen Sonja Kuhn mitgearbeitet hatte. Für das infolge zu hoher Betriebskosten in finanzielle Schieflage geratene Kunstmuseum stellte Ackermann eine Übergangslösung in Aussicht, mit der das Museum mit seinem Neubau nächstes Jahr «sehr gut funktionieren» könne. Wie diese Lösung aussieht, will das Kunstmuseum am Donnerstag an seiner Jahresmedienkonferenz aufzeigen.

Politiker sprechen von Filz

Sonja Kuhn, geboren 1968, hat Germanistik und Kunstgeschichte studiert und verfügt über ein Diplom als Sekundarlehrerin. Seit August 2016 ist sie stellvertretende Abteilungsleiterin und Leiterin Förderstrategien & Projekt-Konzeptplanung. Katrin Grögel, geboren 1970, hat in Kunstwissenschaft promoviert. Seit 2013 ist sie in der Abteilung Kultur Beauftragte für Kulturprojekte.

Weil Kuhn zudem die Frau des Basler Kantonsbaumeisters Beat Aeberhard ist, gab es bereits im Vorfeld der Nomination Kritik. «Ein Interessenkonflikt ist bei Projekten wie Museumsneubauten zumindest denkbar», wurde ein «einflussreicher» Basler Politiker von der Basellandschaftlichen Zeitung vor einigen Wochen zur Causa Kuhn zitiert. Andere Politiker hätten «unverblümt von Filz» gesprochen. (dou/sda)

Erstellt: 22.11.2017, 10:30 Uhr

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