Zwei Stunden mit Tamara Wernli

Zwischen Prinzessin, Businesslady und Sternenguckerin - zu Besuch in einem unbekannten Universum.

«Dass man mich versteht, ist mir wichtiger, als dass man mich mag», sagt Tamara Wernli.

«Dass man mich versteht, ist mir wichtiger, als dass man mich mag», sagt Tamara Wernli. Bild: Lucian Hunziker

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Es ist nicht ganz leicht, die Stellung Tamara Wernlis im Universum dingfest zu machen. Ist sie eine Galaxie, eine Sonne, ein Stern oder ein Kometchen? Zwischen Daumen und Zeigefinger der rechten Hand trägt sie seit zwei Jahren ein fünfzackiges Sternchen-Tattoo. Weil sie Sterne mag. Manchmal liegt sie stundenlang in einem Daunenschlafsack draussen unter dem Firmament, eine Sternenkarte in der Hand, und «dann ordne ich Sterne zu».

Jetzt sitzt sie im «Starbucks» in der Steinenvorstadt, 1. Stock, so schwarz gekleidet wie das Universum zwischen den Sternen. Ihre Zehennägel sind dunkelgrau lackiert. Sie trinkt einen grossen Kaffee mit Eis und Milch und Strohhalm. Ihr Duftkreis heute ist «Opium» von Yves Saint Laurent. Sie hat ein Parfüm für den Winter, eines für den Sommer und eben «Opium», das verführerische. «Und heute hatte ich Lust auf dieses Parfüm.»

Tamara und ihr Baby Leon

Da sitzt sie also, die Frau, zu der jeder in Basel eine Meinung hat. Die kaum einer live kennt, weil sie abends lieber in die Sterne guckt und Muse hört, «die geilste Musik der Welt», eine englische Gruppe, die New Prog macht, manche sagen auch Lärm. Man muss den Sound mögen; er ist ein bisschen alles: Rock, Alternative, Grunge, Klassik, Electronica. Tamara ist auch ein bisschen alles: Moderatorin, Mediafachfrau, Buchautorin, Schauspielerin, sie malt, spielt Klavier; ein Fleisch gewordener Beweis, dass die eigene Grenze auch jenseits des eigenen Horizontes liegen kann. «Wie ist es, Tamara zu sein?» – «Ich bin zufrieden.»

Im Fernsehen wirkt sie dünner als in echt. Der Fussballtrainer Christian Gross, ihr allererster Gast bei Telebasel überhaupt, soll ihren Körper als «kompakt» beschrieben haben. Kann man sagen. Gewichtsprobleme kennt sie nicht. Tamara raucht nicht, trinkt nicht, macht Sport, isst gesund und spaziert täglich mit ihrem Hund Leon, den sie «mein Baby» nennt. Leon ist ein Bearded Collie, das sind die Hunde, die so viele Haare haben, dass man den eigentlichen Hund kaum mehr sieht. Als kleines Mädchen wollte sie einmal Hundecoiffeuse werden. Astronomin auch. Oder Filmschauspielerin. Blick zurück, 1996: Tamara in Los Angeles, am Venice Beach. Sie geht zu einer Wahrsagerin, um zu erfahren, was in ihren Sternen geschrieben steht. «Du wirst einmal erfolgreich vor der Kamera sein.» Schnitt. Gut 35 000 Menschen schauen Tamara zu, wenn sie mit dem, was wir an willigen Prominenten so haben, im Schloss kocht. Das ist ein fast ausverkaufter St.-Jakob-Park. «Kochen bei Tamara», sagt Anita Fetz, die SP-Ständerätin, «das ist Stress. Da stehst du da, voll im Zeug. Tamara fragt, ob sie helfen kann, schnipselt dann aber nur ein wenig. Und gerade, wenn du wirklich im Stress bist, stellt sie ihre Fragen. Man darf diese Frau nicht unterschätzen.»

Tamara und Literatur

Muss man jetzt über ihr Buch «Blind Date» sprechen? Über das Gedicht auf den letzten Seiten, das ihr wichtig ist, und das mit der Zeile endet: «Und die Moral von der Geschicht: Was du krampfhaft festhältst, bleibt dir nicht»? Sagen, dass sie immer schon gerne geschrieben hat – und zwar Tagebücher? Dass sie einfach mal begonnen habe, eine Geschichte aufzuschreiben, es immer mehr Sätze geworden seien und dass ihr «Umfeld» meinte: «Jetzt hast du so lange daran geschrieben, jetzt bring das doch als Buch raus»? Über den Stolz, den sie empfand, als sie einen Verleger gefunden hatte, sogar einen aus Deutschland? Nicht nach Lichtjahren, wie behauptet wird, sondern im zweiten Anlauf? Dass das Buch für sie «okay» sei, eine Sommerlektüre, und dass es als mehr nie gedacht war? Dass sie tolle Kritiken von Leuten aus der PR-Branche bekommen habe? Dass sie wisse, dass sie keine Intellektuelle sei, sondern eine aus der «breiten Masse»? Und dass sie jenes Fernsehen mache und jene Bücher schreibe, das und die sie auch selber gerne sehen oder lesen würde?

Immer noch ist Kaffee im Becher, sie trinkt unendlich langsam und sie ist nett. Manchmal so unmittelbar wie eine Sonne, dann wieder so undurchsichtig wie ein galaktischer Nebel und gelegentlich so diffus wie die Oortsche Wolke. Sie sagt: «Als TV-Moderatorin wird man überbewertet. Es ist auch nur ein Job.» Und sie weist darauf hin, dass sie «ganz normal» geblieben sei und kein «Star» sein möchte. Im Grunde sei sie für die Arbeit vor der Kamera viel zu zurückhaltend, zu scheu und zu introvertiert. Warum hat sie dann in L. A. eine Schauspielschule besucht? «Weil sie mich genommen haben.» Zurück in Basel, 1999, landete sie fast direkt im Büro von Willy Surbeck, dem Telebasel-Chef. Ein Freund hatte ihr gesagt, dort sei eine Stelle als Moderatorin frei. Willy erinnert sich. Sie sei da gesessen, voller unkaschiertem Ehrgeiz, und hätte gesagt, dass sie 1. berühmt werden, 2. im Tram Autogramme geben wolle und dass sie es 3. schön fände, wenn die Leute sie nach dem Sinn des Lebens fragen würden. Und sie wolle eine Kinosendung machen. Das sei ein wenig dünn als Konzept, antwortete Surbeck, es fehle unter anderem der lokale Bezug. Sie ging und Willy dachte: «Die sehe ich nicht mehr.» Sie kam wieder, drei Wochen später. Mit der Idee, Filmausschnitte zu zeigen und lokale Prominente dazu zu befragen, der Urknall von «CinéBâle». Gezeigt wurde etwa eine Kussszene, und Tamara konnte dann solche Sachen fragen wie: «Bist du ein guter Küsser? Erinnerst du dich an deinen ersten Kuss?»

Tamara und Botox

Erneuter Szenenwechsel. Sieben schnelle Fragen an Tamara: Botox? «Bis jetzt noch nicht. Habe eine gute Tagescreme. Aber wer weiss, was in fünf bis zehn Jahren…» Beste Freundin? «Meine Mutter.» Bester Freund? «Mein Freund.» Grosser Ärger? «Wenn die Waschküche besetzt ist, obwohl ich dran bin. Das ärgert mich wirklich, und ich klingle dann die Nachbarn ab …» Glück? «Man muss das Glück arrangieren, zwingen manchmal.» Sehnsucht? «Ich möchte keine Sehnsucht im Sinne von auf etwas hoffen. Ich will im Jetzt leben.» Tamara? «Wichtiger ist, dass man mich versteht, als dass man mich mag.» Zwei Stunden mit Tamara sind fast um.

Das Lokal gewechselt, irgendwo draussen in der Steinenvorstadt. Ein paar Fragen an sich selber, während Tamara auf der Toilette ist, übrigens schon wieder. Funktioniert eine Beziehung in den Jahren, in denen man noch im Saft ist, wenn der Partner schon der beste Freund ist? Mama die beste Freundin, wenn man selber 38 ist? Kriecht man ihr auf den Leim, weil sie so nett schauen kann, «sexthi» lispelt und einen beim Sprechen manchmal berührt? Nochmals zurück zu Willy Surbeck, dem man verdankt, dass sie im Fernsehen ist. Oder der schuld ist, je nachdem, auf welcher Seite man steht. Willy sagt: Tamara wirke zerbrechlich nur an der Oberfläche. Im Innern verfüge sie über die Widerstandsfähigkeit eines Panzergenerals. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.08.2011, 16:55 Uhr

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