Athleticum geht, Decathlon kommt

Der französische Grosshändler von Sportartikeln will von Basel aus den Deutschschweizer Markt erobern.

Filiale Dreispitz. Athleticum schliesst am 28. Juli, nach Umbauarbeiten wird Decathlon neu eröffnen.

Filiale Dreispitz. Athleticum schliesst am 28. Juli, nach Umbauarbeiten wird Decathlon neu eröffnen. Bild: Florian Bärtschiger

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Es ist Montagmorgen und die Leute drängen sich im Athleticum am Dreispitz. Einige probieren Wanderschuhe an, andere schlendern durch die Gänge, nehmen da eine Jacke in die Hand und dort eine Badehose. Ein Vater sagt zu seinem Söhnchen: «Die nehme ich.» Und hält eine Outdoor-Hose hoch. E-Bikes, Zelte, Badekleider, Wanderutensilien, Markenartikel, das gesamte Sortiment wird verramscht. 30 Prozent Rabatt auf alles. Noch bis 28. Juli ist das Geschäft geöffnet, danach ist Schluss und es beginnen umfangreiche Umbauarbeiten. Athleticum macht zu – Decathlon zieht ein.

Unter den Verkäuferinnen herrscht keine gedrückte Stimmung. «Wir können bei Decathlon weiterarbeiten», erzählt eine einem Kunden. Nach dem Umbau beginne das neue Zeitalter. Angst vor der Zukunft mit Decathlon habe sie nicht, verrät die Angestellte. Das Unternehmen sei gross und erfolgreich. Der französische Sportartikelhändler vertreibt vom Angelhaken bis zum Badetuch, vom Tennisschläger bis zur Gewehrtasche alles. Er hat im heiss umkämpften Sportartikelmarkt einen derart guten Ruf für seine moderaten Preise bei solider Qualität, dass in den beiden Filialen rund um Mulhouse viele Schweizer Kunden ein und aus gehen. Bald können sie sich die Reise nach Frankreich sparen, da Decathlon in Basel seinen ersten Standort in der Deutschschweiz eröffnet.

Zehn Milliarden Euro Umsatz

Der Hersteller und Händler von Sportgeräten und -bekleidung wurde 1976 von Michel Leclercq gegründet. Das Sortiment bietet Ausrüstung und Bekleidung für über 70 Sportarten. Der Umsatz beläuft sich auf rund zehn Milliarden Euro Umsatz pro Jahr. Er zählt 1300 Filialen in 30 Ländern, führt über 35 000 Artikel und beschäftigt 80 000 Mitarbeiter. Nur rund 30 Prozent der Verkäufe betreffen Marken wie Nike, Adidas oder Puma. Den grösseren Teil des Umsatzes machen die 19 Decathlon-Eigenmarken aus. Die bekannteste davon ist die Bergsportmarke Quechua. Das also ist Decathlon.

Die andere Seite ist Athleticum, ein Tochterunternehmen der Maus Frères Holding aus Genf, mit 23 Filialen, einem Online-Unternehmen, rund 600 Mitarbeitern und einem Umsatz von rund 170 Millionen Franken. Zur Holding gehören auch die Warenhauskette Manor, die Jumbo-Baumärkte sowie die Modemarken Lacoste und Gant.

In der Branche wurde schon länger gemunkelt, dass die Maus Frères Holding auf der Suche nach einen Käufer für Athleticum ist. Denn das Pflaster in der Schweiz ist für Sportartikelhändler seit Jahren hart. Die Preise sind im Zuge des immer stärker anziehenden Onlinegeschäfts unter Druck und auch der starke Franken macht zu schaffen.

Und nun lanciert der Sportartikel-Riese-Decathlon eine Offensive in der Schweiz. Im April 2017 eröffnete er in Neuenburg den ersten Laden auf Schweizer Boden. Einige Monate zuvor war Decathlon schon mit einem Online-Shop in der Schweiz an den Start gegangen. Darauf hiess es, dass Athleticum eine enge Kooperation mit Decathlon plane. Die Artikel von Decathlon sollten in den 23 Filialen von Athleticum erhältlich sein.

De facto eine Übernahme

Der neuste Coup dürfte die Übernahme von Athleticum zu Decathlon bedeuten. Allerdings wollte gegenüber der BaZ weder die Maus Frères Holding noch Decathlon Stellung nehmen. Eine Pressemitteilung sei noch für diese Woche geplant, hiess es nur.

Sicher ist, dass sich die Situation für die Sportartikel-Branche weiter verschärfen wird, denn Decathlon kann dank seiner Grösse und seinen Eigenmarken tiefere Preise bieten als andere. Leiden dürften die hiesigen Marktführer Ochsner Sport und SportXX von Migros. Und auch die kleineren Sportartikelgeschäfte dürften künftig noch mehr unter Druck geraten.

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So wird also in den kommenden Monaten in der ehemaligen Athleticum-Liegenschaft beim Dreispitz gehämmert und genagelt. Und potenzielle Kunden freuen sich schon auf die Eröffnung unter der Flagge Decathlon. «Das Sortiment und die Eigenmarken sind unschlagbar zu diesen Preisen», sagt ein Mann, der soeben aus dem Athleticum tritt.

Baurechtnehmer des Geländes und Eigentümerin der Liegenschaft ist immer noch die Manor AG. Sie hat einen Vertrag mit der Christoph Merian Stiftung, der bis zum 31. Dezember 2053 läuft. (Basler Zeitung)

Erstellt: 11.07.2018, 07:26 Uhr

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