Basel führt elektronische Patientendossiers ein

Basel macht einen Schritt in Richtung Digitalisierung: Elektronische Patientendossiers ermöglichen Patienten und Gesundheitseinrichtungen, Dokumente und Daten digital abzulegen.

Das elektronische Patientendossier (EPD) verspricht eine bessere und sicherere Behandlung.

Das elektronische Patientendossier (EPD) verspricht eine bessere und sicherere Behandlung. Bild: Keystone

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n Basel ist der Startschuss für elektronische Patientendossiers (EPD) in der Deutschschweiz gefallen: Der Stadtkanton hat am Mittwoch sein System offiziell eingeführt. Patienten können ein EPD erstellen lassen, um ihre Gesundheitsdaten besser greifbar zu machen.

Alle Schweizer Spitäler müssen sich gemäss dem Bundesgesetz über das elektronische Patientendossier bis 2020 am EPD-Netz beteiligen. Alters- und Pflegeheime sowie Geburtshäuser haben zwei Jahre mehr Zeit. Nachdem Genf 2010 vorausgegangen war, ist Basel-Stadt nach eigenen Vorarbeiten ab 2011 nun seit Mittwoch erster Deutschschweizer Kanton mit EPD im Normalbetrieb.

Laut dem baselstädtischen Gesundheitsdirektor Lukas Engelberger spricht insbesondere Effizienz für die Einführung des elektronischen Patientendossiers. Mit digital abgelegten Daten etwa zu früheren Behandlungen, Impfungen, Allergien sowie einer Patientenverfügung könnten Behandlungen besser und sicherer werden, sagte er vor den Medien.

Zugriff à la carte

Beim Nordwestschweizer System namens «myEPD» soll die Kundschaft die Zugriffsrechte online detailliert selber bestimmen. Für das Login setzt myEPD wie manche Onlinebanking-Systeme neben einem Passwort einmal verwendbare SMS-Codes ein; man braucht also auch ein SMS-taugliches Mobiltelefon. Bilddaten, etwa Röntgenbilder, hofft man in einem Jahr integrieren zu können.

Für die Patienten ist das EPD freiwillig. Teile der Ärzteschaft haben Bedenken zur Datensicherheit. Wegen deren Widerstands besteht für ambulante Leistungserbringer wie Apotheker, Hebammen, Chiropraktiker und eben Ärzte derzeit keine Pflicht zur EPD-Einführung. Grundsätzlich keinen Einblick sieht der Bund für Krankenkassen und Arbeitgeber vor.

Gesundheitsfachpersonen benötigen für den Datenzugriff eine eigene EPD-Identität und müssen weitere Auflagen erfüllen. Allein das Universitätsspital Basel (USB) muss für myEPD rund 800 Personen schulen, wie sein eHealth-Projektleiter Martin Bruderer sagte.

Die EPD bleiben laut Adrian Schmid, dem Leiter von eHealth Schweiz, völlig getrennt von Administration und Rechnungswesen des USB. Auch punkto Verantwortung ändert sich laut Engelberger nichts; für Behandelnde sei das EPD eine zusätzliche Informationsquelle.

Keine EPD auf Vorrat

Vorerst kann man in Basel allerdings sein eigenes EPD nicht präventiv erstellen und dazu in aller Ruhe seine Gesundheitsdaten einsammeln, sondern kann nur bei einer aktuellen Behandlung am USB ein e-Dossier eröffnen. Zudem braucht man laut Bruderer einen Schweizer Wohnsitz sowie eine AHV-Nummer.

Der offizielle Startschuss für myEPD ist jetzt in drei Kliniken des USB gefallen. Bis Ende 2019 soll das ganze USB damit arbeiten. Im Folgejahr ist der Anschluss von weiteren Gesundheitseinrichtungen im Stadtkanton sowie auch solchen aus den Kantonen Basel-Landschaft und Solothurn geplant.

Landesweit werden EPD mit rund einem Dutzend Projekten vorangetrieben, nicht nur im Nordwesten im Verbund. So arbeiten etwa die Kantone Genf, Wallis und Waadt bei der Entwicklung des elektronischen Patientendossiers in der Westschweiz zusammen, ebenso Bern, Zürich und Schauffhausen respektive Luzern und Nidwalden.

Gemäss Schmid sichern bundesrechtliche Vorgaben die Kompatibilität - an sich ist das Gesundheitswesen Kantonssache. Träger der EPD sind so genannte «Stammgemeinschaften» beteiligter Player; jene der Nordwestschweiz soll 2019 zertifiziert werden und damit zur landesweiten Vernetzung bereitstehen.

Kostenfragen offen

Der Bund hatte 2017 landesweit insgesamt 30 Millionen über drei Jahre für Anschubfinanzierungen bereitgestellt. Basel-Stadt beziffert seine EPD-Einführungskosten auf gegen sieben Millionen Franken. Für den Betrieb erwartet der Stadtkanton einen Bundeszustupf von zwei Millionen.

Kostenseitig sind noch Fragen offen: Laut Burkhard Frey vom Basler eHealth-Trägerverein tragen vorerst die Stationären, etwa Spitäler, die myEPD-Kosten. Für Ambulante, etwa Ärzte, solle es «möglichst günstig» werden und für Patienten «möglichst gratis». Das sei aber noch nicht definitiv, bis das System ausgearbeitet ist. In Zukunft sei das EPD wohl ein normales Modul für eine Praxis-Software.

Als IT-Partner ist in Basel die Swisscom dabei, dies seit frühen Vorarbeiten. Sie will myEPD dezentral ausschliesslich in Schweizer Rechenzentren betreiben. Die technische Lösung für das bestehenden System in Genf mit rund 30'000 EPD stammt derweil von der Post. Weil Genf dem Bundesrecht vorausgegangen war, muss man sich diesem teils noch anpassen, während Basel-Stadt sein EPD auf Bundeslinie sieht. (ens/sda)

Erstellt: 15.08.2018, 10:29 Uhr

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