Basler Regierung nüchtern betrachtet

Elisabeth Ackermann dümpelt vor sich hin, Baschi Dürr ist überfordert und Hans-Peter Wessels hat sich selbst nicht im Griff. Zum Glück besteht ein Wurstsalat nicht nur aus Wurst.

Nicht gerade Volkes Lieblinge: Hans-Peter Wessels (SP), Elisabeth Ackermann (Grüne) und Baschi Du?rr (FDP).

Nicht gerade Volkes Lieblinge: Hans-Peter Wessels (SP), Elisabeth Ackermann (Grüne) und Baschi Du?rr (FDP).

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Knapp ein Jahr ist es her seit den Basler Gesamterneuerungs-Wahlen. Nach einigem Geplänkel hat der Kanton (schon) wieder eine rotgrüne Regierung erhalten. Der Zusammenschluss der Bürgerlichen ist samt Badehose im Rhein ertrunken – ohnehin ein hoffnungsloser Schachzug, denn die SVP hat hier keinen wirklichen Boden unter den Füssen. Gleichzeitig war es geschickt von der SP, die anderen die Fehler machen zu lassen und auf altbewährtes Sozigut zu setzen.

Und knapp ein Jahr später: Eine nüchterne Analyse zeigt, dass sich nicht viel verändert hat. Man hört nicht viel, und wenn, dann nur, wenn es Skandale gibt. Diesbezüglich Spitzenreiter sind der Millionen-Mann Hans-Peter Wessels, gefolgt von Baschi Dürr. Wessels sollte längst einsehen, dass er zu viele Fehler gemacht hat und jetzt so isoliert dasteht wie ein Baustellen-Bagger nachts. Ausserdem hat er sein Departement und langsam auch sich selbst nicht im Griff. Seine Arbeit gleicht immer mehr einem teuren missionarischen Feldzug gegen Automobilisten, und dort, wo er den Rückwärtsgang einlegen sollte, gibt er im ersten Vollgas. Rote Karten seitens der Bevölkerung, der grossrätlichen Kommissionen und der eigenen Partei – das interessiert ihn nicht. Wenn er nicht wie blind wäre gegenüber der Realität, müsste man sagen: ein Mann sieht rot.

Elisabeth Ackermann – die Visitenkarte unserer Stadt – hat nicht viel bewirkt. Oder noch überhaupt nichts.

Dürr hat ganz lapidar mit den vielen Skandalen im Verkehrs- und Polizeidepartement Pech gehabt. Oder doch nicht? Dieses Departement ist in erster Linie eine Führungsaufgabe. Dürr war vorher in einer PR-Agentur (Farner) tätig, in der er vielleicht ein paar Unterstellte hatte. Wer nun plötzlich 4000 Menschen führen muss, ist zwangsläufig überfordert. Diesen Eindruck macht er leider immer wieder.

Und die anderen? Elisabeth Ackermann – die Visitenkarte unserer Stadt – hat nicht viel bewirkt. Oder noch überhaupt nichts. Sie ist anständig und dümpelt vor sich hin, aber ich verspreche mir nach wie vor von unserer Stadtpräsidentin mehr, auch wenn ich mit dieser Meinung zusehend so alleine dastehe wie Wessels mit seiner Politik.

Eva Herzog ist solide und eher Mitte als Links. Das ist Mainstream, und damit hat sie auch eine Chance, längerfristig in Bern zu landen. Ihr Einsatz für die Unternehmenssteuerreform III hat mich sehr beeindruckt. Wenn Sie jetzt noch für Jungunternehmen finanzielle Anreize schaffen würde, dann könnte Basel zum kleinen Silicon Valley in jeder Beziehung aufsteigen. Christoph Brutschin macht einen soliden Job. Mit Eva Herzog zusammen sollte er neue Ideen und Pläne für den Wirtschaftsstandort Basel ausarbeiten und Kooperationen über die Grenzen hinweg schmieden. Eine weitere Idee: die Topfirmen von Basel zu einem Seminartag einladen und sie abholen, das heisst: Was brauchen sie, um sich noch besser zu entwickeln, wo fehlt es und so weiter.

Es ist sicher nicht leicht, Regierungsrat in einer kritischen Stadt zu sein.

Engelberger und Cramer sind unauffällig. Man hört nicht viel. Engelberger macht mit der Spitalfusion BS/BL vorwärts, was sehr Sinn macht und den Konsumenten schliesslich entlasten dürfte. Cramer tappt sich langsam in sein Departement vor. Er gilt als Shootingstar – sollte jedoch im zweiten Jahr versuchen, noch mehr Akzente zu setzen.

Es ist sicher nicht leicht, Regierungsrat in einer kritischen Stadt zu sein. Aber alles in allem sind wir nicht so schlecht dran. Sollte etwas geändert werden? Ich hätte es natürlich gerne bürgerlicher, aber ein vernünftiger Mix ist auch nicht schlecht. Ein Wurstsalat besteht ja auch nicht nur aus Wurst. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.09.2017, 13:45 Uhr

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