Bei Alarm kommt bald ein Tesla

Die Basler Polizei will sich sieben superschnelle Elektrofahrzeuge anschaffen.

Ab Herbst werden die Basler die modernsten Polizeifahrzeuge der Schweiz haben

Ab Herbst werden die Basler die modernsten Polizeifahrzeuge der Schweiz haben Bild: Keystone

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Beschleunigen von null auf hundert in 4,5 Sekunden und geräuschlos durch die Strassen gleiten – künftig will das die Kantonspolizei Basel-Stadt auch mit ihren Patrouillenfahrzeugen. Im Herbst soll deshalb ein neues Zeitalter eingeläutet werden und der Schritt von den Verbrennungsmotoren hin zu Elektromotoren Stück für Stück vollzogen werden. «Mit Blick auf die im kantonalen Legislaturplan 2017 bis 2021 punkto Umweltschutz angestrebte Vorbildfunktion der Verwaltung hat die Kantonspolizei abgeklärt, ob ein vollelektrisches Fahrzeug für das Alarmpikett auf dem Markt verfügbar und geeignet ist», sagt Martin R. Schütz, Sprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartements Basel-Stadt (JSD).

Gestern machte das JSD im Kantonsblatt bekannt, dass es sieben Elektrofahrzeuge der Marke Tesla und des Typs X 100D anschaffen will. Kosten: 980 000 Franken. «Der geplante Ersatz der Diesel-Kombifahrzeuge für die Alarmpiketts durch das Tesla-Modell bringt sowohl punkto Wirtschaftlichkeit und Ökologie als auch mit Blick auf den vorhandenen Stauraum im Fahrzeug und die Sicherheit nur Vorteile.» Ausschlaggebend für den Kaufentscheid waren aber weniger technische Überlegungen als ökologische.

Viel Stauraum, hohe Nutzlast

Das Police Department Los Angeles hat bereits Tesla im Einsatz, wenn auch des Typs S, und auch die Polizei in der kanadischen Provinz Ontario fährt Tesla. In Europa hat bislang nur die luxemburgische Polizei zwei solche Elektrofahrzeuge, jedoch überlegt sich die britische Polizei Scotland Yard ebenfalls, auf die Elektro-Boliden umzustellen. Im Baselbiet heisst es, es werde die Antriebstechnologie bei Polizeifahrzeugen angeschaut, sagt Fiona Schär von der Bau- und Umweltschutzdirektion Basel-Landschaft. «Ob Elektrofahrzeuge der Marke Tesla zum Zuge kommen werden, kann heute noch nicht beantwortet werden», sagt Schär.

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Ab Herbst will man für rund eine Million Franken sieben Elektroautos als Patrouillenfahrzeuge einsetzen. Eine sinnvolle Investition?

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In Luxemburg verzögerte sich die Inbetriebnahme der Fahrzeuge allerdings, weil es Probleme gegeben hat mit der Zusatzausrüstung, die ein Polizeifahrzeug braucht. Das Zubehör war nicht für die Teslas zugelassen. Zusammen mit der Beschaffungsabteilung des Departements sei die Tauglichkeit dieses Tesla-Typs als Alarmpikett-Fahrzeug abgeklärt und diverse Praxistests durchgeführt worden, sagt Schütz. «Die Tests sind positiv verlaufen. Die Erfahrungen in Luxemburg sind bekannt und in die Evaluation eingeflossen.»

Mehr Stauraum und höhere Nutzlast

Bei der Frage, ob sich ein Fahrzeug für die Einsatzpolizei eignet, stehen die Nutzlast und der Stauraum im Fahrzeuginnern im Mittelpunkt. Deshalb sei ein möglichst grosser Fonds gefragt. Der Tesla X 100D erfülle die Kriterien, sagt Schütz. «Durch den Wegfall des Motors verfügt er beispielsweise über deutlich mehr Stauraum. Mehr Stauraum und eine höhere Nutzlast sind in Zusammenhang mit dem Ausbau der Fahrzeuge nach den Bedürfnissen der Kantonspolizei grosse Vorteile. Die bessere Fahrleistung wirkt sich namentlich bei Dringlichkeitsfahrten zugunsten der Fahrsicherheit aus», so Schütz.

Auch die «Total Cost of Ownership» (TCO) würde im Vergleich zu den heutigen Alarmpikett-Fahrzeugen zu seinen Gunsten ausfallen, erklärt Schütz. Mit TCO wird das Aufwandverhältnis von Investition, Betrieb und Unterhalt und Wiederverkaufswert angegeben.

Keine Sorgen macht sich das JSD bezüglich der Reichweite mit einer Batterieladung. Hier brauche es mit dem Standard bei Tesla keine Anpassungen. «Mit einer Stromladung fährt der Tesla mindestens 500 Kilometer», sagt Schütz. Die Polizei rechnet, dass ein Alarmpikett pro Tag durchschnittlich 200 Kilometer zurücklegt.

Damit die neuen Elektrofahrzeuge stets optimal aufgeladen sind, werden neue Stromtankstellen entstehen. Die Industriellen Werke Basel (IWB) werden bei den Polizeiwachen Kannenfeld und Clara sowie im Zeughaus je eine Ladestation installieren.

Wenig vorteilhafte Ökobilanz

Reagiert auf das Kaufvorhaben hat bislang die SVP Basel-Stadt, die gestern eine Interpellation einreichte. Sie kritisiert, dass auf eine Submission verzichtet werde sowie dass es für die Tesla keine Polizeiausrüstung gebe, welche die Prüfstelle akzeptiert. «Es ist nicht nachvollziehbar, weshalb für fast eine Million Franken Fahrzeuge angeschafft werden, welche im polizeilichen Alltag nicht erprobt sind und auch sonst nicht gängig sind», heisst es.

Auch hinter den angeblichen ökologischen Nutzen setzt die SVP Fragezeichen. Eine Studie des schwedischen Umweltministeriums untersuchte die Produktion der Akkus von Elektro-Autos und kam zum Schluss, dass die Tesla-Batterien rund 17,5 Tonnen CO? verursachen. Damit sich ein Elektro-Auto wie der Tesla ökologisch rechnet, muss er acht Jahre fahren. (Basler Zeitung)

Erstellt: 17.03.2018, 08:46 Uhr

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