Der Mega-Stromdeal der BLT

Die Baselland Transport AG senkt ihre Stromkosten jährlich um mehrere Hunderttausend Franken.

Billigenergie, aber nicht für alle. Die grünen Trams der BVB fahren mit teurerem Strom als jene der BLT.

Billigenergie, aber nicht für alle. Die grünen Trams der BVB fahren mit teurerem Strom als jene der BLT. Bild: Michael Koller

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Die Baselland Transport AG (BLT) gehörte nicht zu den ersten Unternehmen in der Schweiz, die von der Möglichkeit Gebrauch machten, den Strom am freien Markt zu erwerben. Theoretisch räumt das Energiegesetz seit 2009 allen Firmen in der Schweiz mit einem höheren Stromverbrauch als 100'000 Kilowattstunden im Jahr die Möglichkeit ein, den liberalisierten Markt zu nutzen. Mit ihrem Entscheid 2014, die Strombezüge auszuschreiben, ist ihr aber ein grosser Wurf gelungen. Die BLT spart so «mehrere Hunderttausend Franken jährlich». Das bestätigt Alfred Schödler, Leiter Betrieb und Technik, der BaZ.

Der Entscheid von BLT-Chef Andreas Büttiker ist mutig. Er ist nämlich auch Verwaltungsrat des regionalen Energieversorgers Elektra Birseck Münchenstein (EBM) und hat damit zwei Hüte auf. Büttikers Trost: Die EBM ist auch nach der Ausschreibung einer der beiden Hauptlieferanten geblieben.

Sie versorgt die Tramlinien 10, 11, 14 und 17 mit Strom. Im oberen Kantonsteil, für die Linie Liestal–Waldenburg und teilweise die Linie 14 hat die Elektra Baselland (EBL) den Zuschlag erhalten.

«Beide Anbieter stellen sich der Herausforderung», sagt Schödler mit Verweis auf die Ausschreibung, die zu deutlich geringeren Bezugskosten geführt hat. Ganz ausgereizt hat die BLT die Ausschreibung aber nicht. Nach BaZ-Informationen wären die besten Angebote noch einige Tausend Franken tiefer gelegen. So ganz wollte man es sich also am Hauptsitz in Oberwil mit den regionalen Energieversorgern nicht verderben. Diese zeigen sich vielleicht auch deshalb gefasst. Man biete wettbewerbsfähige Angebote und positioniere sich so, «dass der Preis nicht das einzige und ausschlaggebende Argument ist», sagt EBM-Sprecher Jo Krebs.

Inzwischen bieten rund 40 Energieversorger aus der ganzen Schweiz mit, wenn es darum geht, im liberalisierten Markt Aufträge zu ergattern. So auch die EBM, IWB und EBL. Die Stromversorger loggen sich auf der Handelsplattform der Firma Renergy aus Oberwil ein und geben anonym Gebote ab. Wer wie viel für den Strom verlangt, sehen diese erst nach dem Ende der Ausschreibung. Der Kunde erhält eine Rangliste mit allen Angeboten und hat eine Stunde Zeit, den Lieferanten zu bestimmen. Für die BLT, wo der Einkauf der elektrischen Energie rund drei Prozent des Jahresumsatzes ausmacht, spielen dabei auch die Stellen hinter dem Komma eine Rolle. «Die BLT ist laufend bestrebt, alle Leistungen kostenoptimal zu beschaffen, und somit profitieren die Kunden sowie die öffentliche Hand von einem effizienten öffentlichen Verkehr», sagt Schödler.

Generell beschafft die BLT alle Leistungen auf dem freien Markt. «Insbesondere achten wir darauf, dass die Overheadkosten klein bleiben und wir maximale Synergien mit KMU erzielen können», so Schödler. «So können wir teure Vorhaltekosten in Infrastruktur und Personal vermeiden.»

BVB halten IWB die Stange

Auch die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) unterstehen dem Beschaffungsgesetz. Nach eigenen Angaben beziehen sie den Strom, der rund ein Prozent sämtlicher Ausgaben ausmacht, auf dem freien Markt. Gleichzeitig bestätigt Sonja Körkel von der BVB-Medienstelle aber: «Die BVB beziehen ihren Strom grundsätzlich von den IWB.» In der Branche selbst ist nicht bekannt, dass die BVB analog zur Handelsplattform der Firma Renergy je den Weg auf den freien Markt gesucht hätten. Zudem werden konkrete Angaben über den Preis für eine Kilowattstunde nicht gemacht.

Der von der BaZ ermittelte durchschnittliche Preis von 5,1 Rappen pro Kilowattstunde wurde gestern von der BVB bestritten. Tatsächlich wären 5,2 Rappen ein hoher Preis, der mindestens einen Rappen pro Kilowattstunde über den damaligen Marktpreisen gelegen wäre. Die BVB hätten sich also ihr Bekenntnis zu den IWB viel Geld kosten lassen. Hätten die IWB, was zu dieser Zeit möglich war, sogar anderthalb Rappen pro Kilowattstunde eingespart, wäre die Kostenersparnis noch höher gewesen. Und da solche Verträge in aller Regel über drei Jahre abgeschlossen werden, hätten die BVB sogar noch mehr Geld verschenkt. Geld, das für eine Optimierung des Betriebes und im besten Fall sogar an die Kunden hätte weitergegeben werden können. Trotz Beschaffungsgesetz alimentieren sich offenbar die staatsnahen Basler Betriebe gegenseitig.

Kein gemeinsamer Einkauf

Wenig überraschend wollen die BVB denn auch nichts davon wissen, in Zukunft mit den BLT gemeinsam den Strom einzukaufen. «Bei der Beschaffung des Stroms führt ein Mengenpooling nicht zu grossen Preisreduktionen pro Leistungseinheit», betont Körkel. Entscheidend bei der Strombeschaffung sei das sogenannte Lastprofil, welches Auskunft darüber gebe, welche Menge Strom zu welcher Uhrzeit bezogen werde. Auch bei der BLT hält man von einem Zusammengehen wenig: «Bereits mit der jetzigen Beschaffung konnten wir marktgerechte, attraktive Energiepreise erzielen. Weitere Skaleneffekte sind nicht realistisch», hält Alfred Schödler fest.

Umfrage

Die BVB beziehen ihren Strom grundsätzlich von den IWB – dort ist er teurer als auf dem freien Markt. Sollten die Basler Verkehrsbetriebe ihren Strom an der Börse einkaufen?

Ja

 
69.7%

Nein

 
30.3%

581 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 14.02.2018, 16:39 Uhr

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