Der personifizierte Albtraum der Bürgerlichen

BastA!-Politikerin Heidi Mück glaubt daran, FDP-Regierungsrat Baschi Dürr im zweiten Wahlgang zu besiegen. Sie glaubt an Wunder.

«Ich weiss, was es heisst, im Elend zu leben.» Heidi Mück spricht eine ­Wählerschicht an, die bisher in der Regierung nicht vertreten war.

«Ich weiss, was es heisst, im Elend zu leben.» Heidi Mück spricht eine ­Wählerschicht an, die bisher in der Regierung nicht vertreten war. Bild: Kostas Maros

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Eine Frau steht auf und fragt: «Ja, kommt jetzt diese Mücke?» Es ist Dienstagabend und Parteiversammlung der Basler Liberalen. Gemeint ist Heidi Mück, ehemalige Grossrätin für Basels Starke Alternative (BastA!) und Regierungskandidatin. Seit Sonntagabend ist die 52-Jährige aber weit mehr als nur das: Sie ist die Hoffnung der Linken, ihre Macht in der Kantonsexekutive nicht nur zu halten, sondern auszubauen. Aber vor allem ist sie der Schreck der Bürgerlichen, ihr personifizierter Albtraum. Mück könnte den angeschlagenen amtierenden Sicherheitsdirektor Baschi Dürr von der FDP aus der Regierung vertreiben und damit die Hoffnung einer bürgerlichen Wende endgültig begraben. Zumindest für die nächsten vier Jahre. Ihre Chancen sind intakt.

So wollte die Frau an der LDP-Versammlung mit ihrer Frage wohl weniger ihre Verachtung für Mück aussprechen, als vielmehr ihre echte Sorge um die Zukunft der Bürgerlichen zum Ausdruck bringen. Und vielleicht auch ihre Sympathie für eine Frau, die in ihrem Auftritt, ihrem politischen Denken so anders ist als die amtierenden und frisch gewählten Regierungsräte; exzentrisch, aber echt.

Geniesst die Aufregung

Die Angst der Bürgerlichen ist so gross, dass Baschi Dürr, der nach dem ersten Wahlgang nur rund 3000 Stimmen vor Mück lag, über Nacht beschlossen hat, seine Kandidatur fürs Regierungspräsidium zurückzuziehen. Er will sich auf seine Wiederwahl als Regierungsrat konzentrieren. Im Hintergrund wurde ernsthaft darüber diskutiert, SVP-Kandidat Lorenz Nägelin aus dem Rennen zu nehmen, wenn die Linke im Gegenzug auf Mück verzichtet. LDP-Grossrat Raoul Furlano fordert gar einen Sprengkandidaten. Er sagt: «Ich befürchte, dass am Ende noch Heidi Mück von der BastA! in die Regierung zieht.» Es sind schwere Zeiten für das bürgerliche Basel.

Diese Nervosität überrascht Heidi Mück ein wenig. Sie geniesst die Aufregung aber auch. «Es ist richtig», sagt sie, «an ihrer Stelle würde ich mir auch Gedanken machen.» Es sei eine Schnaps­idee von FDP, LDP und CVP gewesen, mit der SVP zusammenzuspannen. «Sie hatten keine gemeinsamen Inhalte und mussten den Wahlkampf auf den kleinsten gemeinsamen Nenner bringen. Das war in Ihrem Fall die Badehose», sagt Mück. Eine einzige Farce, die von den Wählern auch als solche entlarvt worden sei. Doch statt aus Fehlern zu lernen, machten sie weitere, noch schlimmere. «Sie treten im zweiten Wahlgang mit Dürr und Nägelin als Team auf, wo doch alle wissen, dass die beiden nicht auskommen.» Diese Schwäche sowie die Misstöne zwischen den bürgerlichen Parteien und der SVP, die es nach dem ersten Wahlgang gegeben hat, kann Mück nun ausnutzen.

Das wird sie auch. Die BastA!-­Frau lebt seit Sonntagabend in permanenter Euphorie. Sie glaubt an ihre Chance, an ein Wunder. Am Telefon liest Heidi Mück aus einer Mail eines SP-Mitglieds vor: «Wunder gibt es immer wieder. Heute oder morgen können sie geschehen. Wunder gibt es immer wieder. Wenn sie dir begegnen, dann musst du sie auch sehen.» Es ist der Refrain eines Schlagers.

Welle der Begeisterung

Mück hat in den letzten vier Tagen viele Sympathiebekundungen erhalten. Bei den Jungen kommt die linke Politikerin besonders gut an. «Das berührt mich», sagt sie. Sie ist keine Mutter­figur, auch kein Kumpel. Sie lebt ganz einfach, was sie sagt. Seit sie politisiert; seit immer. Das ist wohl einer der grössten Unterschiede zu den bisherigen ­linken Regierungsräten. In einer Mitteilung schreibt das Junge Grüne Bündnis: «Heidi Mück kann die rot-grüne Regierungsmehrheit daran erinnern, was links-grüne Politik eigentlich bedeutet.» Am Wahlsonntag, erzählt Mück, habe eine Juso-Frau sie umarmt und gesagt: «Heidi, du bist der Bernie Sanders von Basel.»

Auf dieser Welle der Begeisterung will Mück nun im Wahlkampf reiten. Ihr ist bewusst, dass ein grosser Effort nötig ist, um am Abend des 27. November als Siegerin dazustehen. Und im Gegensatz zu SP-Baudirektor Hans-Peter Wessels – «der ist so gut wie gewählt» – wird sie auf jede Stimme angewiesen sein. Geplant ist eine gemeinsame Kampagne mit ihm und der Grünen Elisabeth Ackermann, die bereits in den Regierungsrat gewählt worden ist und für das Regierungspräsidium kandidiert.

Die Gefahr, dass Heidi Mück Wessels Stimmen wegnimmt, besteht kaum. Sie spricht eine Wählerschicht an, die bisher in der Regierung nicht vertreten ist. Sie sagt: «Ich lebe nicht im Elend, aber ich weiss, was es heisst, im Elend zu leben.» Sie hat ihre Erfahrungen gemacht. Das ist ihre Chance.

Umfrage

BastA!-Kandidatin Heidi Mück will Baschi Dürr den Regierungssitz abnehmen. Ist sie die richtige Politikerin dafür?

Ja

 
39.6%

Nein

 
60.4%

1904 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 27.10.2016, 06:58 Uhr

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