Die Basler Männerprominenz in der Bügeltrance

Regierungsrat Lukas Engelberger muss für einmal nicht an Spitäler denken.

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Am Valentinstag beförderte eine Wohltätigkeitsveranstaltung von Amie Basel zwanzig der prominentesten Basler Männer aus ihrer Komfortzone hinaus und auf direktem Weg hinters Bügeleisen. Sie sollten Hemden glätten für einen guten Zweck, was ihnen offenkundig Freude bereitete.

Konzentriert stehen Regierungsrat Lukas Engelberger, Gewerbeverbandspräsident Gabriel Barell und weitere lokale Berühmtheiten in der Brauerei von Unser Bier. Gesprochen wird kaum, Bier getrunken noch weniger. Mit ernster Miene drapieren sie ihre Hemdchen, streichen den Stoff glatt und runzeln verärgert die Stirn, wenn sie versehentlich einen Falt hineinbügeln.

Gander spielt mit dem Eisen

Spass hingegen hat Thomas Gander. Der SP-Grossrat ist sichtlich begeistert von den lauten Zischgeräuschen seines Bügeleisens. Andauernd sprüht er ziellos im Raum umher, was dazu führt, dass man ihm lieber nicht zu nahe kommt. Thomas Gander gehört zu wenigen, die ihre Hemden selbst glätten. Von einem Sozialdemokraten darf man das ja nun auch erwarten – «wobei ich mir nicht sicher bin, wie viele SP-Politiker wirklich selbst bügeln», sagt er mit seinem typischen verschmitztem Lächeln. Selbst Modeschöpfer Raphael Blechschmidt, der mit Abstand die beste Figur hinter dem Bügelbrett macht, gibt seine Hemden mittlerweile in die Reinigung.

So auch Lukas Engelberger, der gleich hinter Gander stationiert ist. Nach der verlorenen Spitalfusion macht der CVP-Politiker einen leicht zerknitterten Eindruck, der sich aber legt, je länger er bügelt. «Der Abstimmungskampf, den die SP geführt hat, war schon ziemlich bissig», sagt er, während er versucht, zwischen zwei Hemdknöpfen hindurchzuglätten. Letzen Endes jedoch sei dieser Entscheid so zu akzeptieren. Auf die Frage, ob es nicht schön ist, einfach mal zu bügeln und sich nicht mit Politik herumzuschlagen, entfährt ihm ein spontanes «Ja, schon!», bevor er relativiert: «Wobei ich mit meinen Gedanken jetzt ja trotzdem beim Beruf bin – zum Beispiel dabei, was Sie morgen in der BaZ schreiben.»

Elend der jungen Mütter

Grossrat Luca Urgese hingegen scheint sich nicht darum zu scheren, was irgendjemand über ihn schreibt. Der Präsident der Basler FDP ist mit solchem Ernst bei der Sache, dass man es kaum wagt, ihn anzusprechen. «Naja, normalerweise erledigt das meine Putzfrau», gibt er zu, ohne das Bügeleisen aus den Augen zu lassen. Nicht, dass das Hemd noch Feuer fängt.

Es mutet schon etwas merkwürdig an, wie diese erfolgreichen Männer in der Brauerei von Unser Bier stehen und andächtig vor sich hin bügeln. Eine heile Welt, die nicht zum Elend der jungen Mütter passt, für welche diese Aktion durchgeführt wird: Nina zum Beispiel, die Drogen konsumierte, bevor sie plötzlich schwanger wurde. Oder Maya, die in die Prostitution abrutschte.

Dies sind die Geschichten der Frauen, für welche sich der Verein Amie Basel einsetzt. Dorthin fliesst auch der Erlös der gesponserten Bügelmänner, der sich (Stand Freitagmittag) auf rund 25 500 Franken beläuft. Geschäftsführerin Franziska Reinhard ist zufrieden: «Ich finde es rührend, wie viele Männer gekommen sind.»

Surbeck braucht eine Anleitung

Die Zusammenarbeit von Amie Basel mit Unser Bier kam durch Zufall zustande. «Ich unterhielt mich mit Andreas Windel darüber, wer bei uns zu Hause die Hemden bügelt», erzählt Istvan Akos, Mitbegründer von Unser Bier. So entstand die Idee, für einen guten Zweck zu bügeln. Akos sei schlau und bediene sich des Gruppendrucks, um hochkarätige Gäste anzulocken, sagt Willy Surbeck dazu. Der langjährige «Mr. Telebasel» ist noch relativ unerfahren, was das Bügeln betrifft, und hat seine eigene Anleitung mitgebracht – verfasst von seiner Frau. Ein Blick auf den äusserst detaillierten Plan, den er in den Händen hält, lässt darauf schliessen, dass sie ihm nicht allzu viel zutraut.

Um 19.00 Uhr bricht Akos den Anlass ab, weil die Hemdchen ausgegangen sind. Während sich alle schnell dem Bier widmen, bekommt FDP-Präsident Luca Urgese nichts mit und plättet gedankenverloren das Hemd vor sich. Er scheint in eine Art Bügeltrance gefallen zu sein – kein in Ungnade gefallener FDP-Regierungsrat, kein GPK-Bericht, keine Teslas. Nur er und das Dampfeisen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 16.02.2019, 10:26 Uhr

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