Die Sozialhilfe als Endstation

Aktuelle Zahlen zeigen: Sozialhilfebezüger bleiben immer länger vom Staat abhängig.

Immer mehr Menschen verbleiben länger als anderthalb Jahre in der Sozialhilfe.

Immer mehr Menschen verbleiben länger als anderthalb Jahre in der Sozialhilfe. Bild: Dirk Wetzel

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Der Kanton Basel-Stadt hat im vergangenen Jahr 11'617 Personen durch die Sozialhilfe unterstützt. Damit blieb die Sozialhilfequote bei 7,1 Prozent und damit im Vergleich mit den beiden Vorjahren konstant. Dies zeigt die gestern veröffentlichte Sozialberichterstattung des Regierungsrats für das Jahr 2014. Am stärksten vertreten sind unter den erwachsenen Sozialhilfebezügern Ausländer mit einer Sozialhilfequote von 10,6 Prozent sowie Ausländerinnen mit einer Quote von 10,2 Prozent. Am häufigsten von Bedürftigkeit betroffen sind in Basel aber Minderjährige: 13,6 Prozent von ihnen bekommen Unterstützung von der Sozialhilfe.

Bei den jungen Erwachsenen ist diese Quote zwar leicht zurückgegangen. Im Jahr 2014 war jedoch noch immer jeder Zehnte in dieser Gruppe auf den Staat angewiesen. Der leichte Rückgang sei hier vor allem auf zahlreiche Massnahmen zurückzuführen, die verhindern sollen, dass die Jungen zu lange in der Sozialhilfe blieben und so den Anschluss verlören, sagt Jacqueline Lätsch, stellvertretende Leiterin der Sozialhilfe Basel-Stadt.

Mit 5,7 Prozent deutlich tiefer liegt die Sozialhilfequote bei den 51- bis 65-Jährigen. Doch ein Grund zur Erleichterung ist das offenbar nicht. Seit 2005 wird die Zahl der Bezüger in dieser Altersgruppe kontinuierlich grösser. «Wenn die Quote bei einer Bevölkerungsgruppe ansteigt, stimmt das natürlich bedenklich», sagt Lätsch. Die Möglichkeiten der Sozialhilfe, hier etwas zu verändern, seien aber begrenzt. Natürlich versuche man, wo sinnvoll, allenfalls mit einer Umschulung oder Weiterbildung die Chancen zu verbessern. «Wenn sich der Arbeitsmarkt aber dahingehend verändert, dass es für diese Menschen praktisch keine Jobs mehr gibt, dann können wir da leider wenig dagegen tun.»

Ebenfalls alarmierend ist eine weitere Zahl aus dem Bericht. Immer mehr Menschen verbleiben länger als anderthalb Jahre in der Sozialhilfe. «Seit dem Jahr 2011 hat der Anteil an Fällen mit einer Bezugsdauer von über 36 Monaten stetig zugenommen», heisst es im Bericht. Vergangenes Jahr waren es schliesslich mit 46,8 Prozent fast die Hälfte aller Bezüger, die innert dieser Frist nicht wieder auf eigenen Beinen stehen konnten. Auch dies führt Lätsch auf Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt zurück. «Besonders Arbeiten mit niedriger Qualifikation wurden vielerorts durch IT-Leistungen ersetzt oder ins Ausland verlegt», sagt sie. Das hat Konsequenzen: «Hier wird die Sozialhilfe von einer Übergangs- zunehmend zu einer längerfristigen Lösung.»

Viel Geld für die Krankenkassen

Bei anderen Gruppen konnte die Unterstützung früher wieder beendet werden: 28 Prozent blieben zwischen 13 und 36 Monaten abhängig, rund 20 Prozent bezogen während vier bis zwölf Monaten Sozialhilfe und in etwa sechs Prozent der Fälle endete der Bezug bereits nach weniger als vier Monaten.

Rund 130 Millionen Franken musste der Kanton letztes Jahr für die Sozialhilfebeiträge bezahlen. Bevor jemand zum Sozialhilfebezüger wird, gibt es aber zahlreiche andere Zuwendungen. Mit fast 142 Millionen Franken ging der höchste Teil der bedarfsabhängigen Sozialleistungen an die Krankenkassen. Ende 2014 bezogen rund 50?300 Personen in Basel-Stadt Prämienverbilligungen. 27'000 Personen erhielten aus­schliesslich Prämienverbilligungen, rund 15'000 bekamen die Verbilligung im Rahmen von Ergänzungsleistungen und etwa 8500 im Rahmen ihres Sozialhilfebezugs. Weitere bedarfsabhängige Leistungen wurden beispielsweise über Mietzinsbeiträge, Stipendien oder die ausserfamiliäre Betreuung Minderjähriger ausbezahlt. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.05.2015, 14:32 Uhr

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