Dozent statt Entwickler

Stadtentwickler Lukas Ott hat in seinem ersten Halbjahr wenig bewirkt – eine erste Bilanz.

Die Schnittstelle. Lukas Ott sieht sich selber als Koordinator zwischen den diversen Fachstellen der jeweiligen Departemente.

Die Schnittstelle. Lukas Ott sieht sich selber als Koordinator zwischen den diversen Fachstellen der jeweiligen Departemente. Bild: Nicole Pont

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Mittwochabend, 30. Mai. Lukas Ott, seit einem halben Jahr Basler Stadtentwickler, betritt die Bühne des Unionsaals im Volkshaus. Vor Grossräten, Journalisten und Beamten stellt sich der ehemalige Stadtpräsident von Liestal vor. Sich und seine Ideen. Ein entscheidender Moment in seiner Karriere als Stadtentwickler. Lukas Ott redet lange, wendet sich dabei aber kaum an Personen, sondern referiert – wie ein Professor. Der 51-jährige Soziologe erzählt von seinen Schwerpunkten als Entwickler der Stadt: «Koordination und Kooperation.»

Doch über seine konkreten Pläne erzählt er wenig: Er berichtet 45 Minuten lang hauptsächlich über die Kaufleute und Diplomaten des alten Basels und seine Aufgabe als Koordinator zwischen den Verwaltungen. Das graue Haar mittig gescheitelt; Hemd und Sakko faltenlos. Seine Auftritte sind fast immer gleich: grosse Referate, wenig Information – alles angereichert mit den eigenen Interpretationen.

Die BaZ hat ihn an mehrere Medienkonferenzen begleitet und sich dann persönlich mit ihm getroffen. Stets mit der Frage im Hinterkopf: Was wird er anders machen als sein Vorgänger Thomas Kessler? Wo setzt er Akzente?

Einiges machte Lukas Ott schon vor seinem Antritt als Basler Chefbeamter klar. Er ist nicht ein Mann der lauten Voten, der kreativen Ideen und bahnbrechenden Innovationen. Zwar ist sein offizieller Amtstitel «Stadtentwickler», mit der Entwicklung dieser Stadt hat seine Stelle aber wenig zu tun. Lukas Ott sieht sich selber als Koordinator zwischen den diversen Fachstellen der jeweiligen Departemente. Er wurde vom gestalterischen Stadtpräsidenten zum Verwaltungskoordinator.

Er selbst beschreibt seine Aufgabe so: «Es geht darum, immer wieder aktiv die Trennung oder Abhängigkeit, die durch die Departementalisierung entsteht, zu überwinden, um eine integrale Entwicklung der Stadt und des Kantons aus der Gesamtsicht zu ermöglichen und mehr Stosskraft zu entwickeln. Am ausgeprägtesten kommt dies bei der Legislaturplanung zum Ausdruck.»

Lukas Otts Sphären

Es ist heiss, als die Basler Zeitung ihn besucht. Der Stadtentwickler hat gleich vier Flaschen Mineralwasser auf seinem Sitzungstisch bereitgestellt. Von seinem kleinen Büro an der Sattelgasse hat Lukas Ott einen wunderbaren Blick auf den Marktplatz und das Rathaus, wo seine Chefin und Parteikollegin Elisabeth Ackermann (Grüne) residiert. Er mag diese Aussicht. Das betont er oft und gerne. Als es aber darum geht, ihn zu fotografieren, bevorzugt er dann aber doch lieber eine andere Kulisse. «Ich will auf dem Marktplatz fotografiert werden», sagt er selbstbestimmt zur Fotografin. Er kämmt seinen Mittelscheitel zurecht und knöpft sein Sakko abwechselnd auf und zu – nicht ganz sicher, wie er besser aussieht.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Thomas Kessler, der auf jede Frage eine knackige Antwort bereit hatte, ist Ott bei seinen Aussagen vorsichtiger, denkt länger nach. Fragt man ihn beispielsweise, wie er seinen Job als Stadtentwickler beschreiben würde, lehnt er sich weit in seinen Stuhl zurück, legt die Hände zu einem Dreieck zusammen, so wie es Bundeskanzlerin Angela Merkel zu ihrem Markenzeichen gemacht hat, blickt in die Ferne und sagt Dinge wie: «Ich habe einen spannenden und herausfordernden Job antreten können, bei dem ich mich in dieser dynamischen und wunderschönen Stadt einbringen kann. Ich habe meine Stelle von Beginn weg an der klassischen Definition von Stadtentwicklung orientiert. Es ist ein ganzheitlicher Ansatz von Stadtentwicklung.»

Schwer greifbar

Das bedeute, dass er die «ökonomischen, gesellschaftlichen, ökologischen und kulturellen Aspekte» zueinander in Bezug stellt. «Dies ist ein interdisziplinärer Ansatz, damit diverse Partner inner- und ausserhalb der kantonalen Verwaltung miteinander erfolgreich kooperieren können.» Lukas Ott ist als Person schwer greifbar. Oft driftet er in seinen Antworten in philosophische Sphären ab.

Auf die Frage, wo er in seinem Amt auf Grenzen stösst und mit welchen Regierungsräten er sich streitet, sagt er: «Rein methodisch habe ich mir in Liestal ein Rüstzeug aneignen können, das ich hier in Basel erfolgreich anwenden kann. Es ist selbstverständlich, dass es stets verschiedene Meinungen und Einschätzungen gibt. Das Ganze ist ein politisch determiniertes System und da muss man auch akzeptieren können, dass die politsche Ebene etwas anders sieht als man selbst. Ich stelle jedoch mit Befriedigung fest, dass die Erfolgsquote der Arbeit meiner Abteilung hoch ist.» Konkreter wird er nicht.

Fest steht: Mit Lukas Ott ist Ruhe ins Präsidialdepartement eingekehrt. Sorgte Thomas Kessler noch für Furore und brachte einzelne Regierungsräte auf die Palme, weil er mit unkonventionellen Ideen ohne Absprache an die Öffentlichkeit trat, will Ott lieber nicht anecken. Er interpretiert sein Amt vollkommen anders als sein Vorgänger. Er sieht seine Kantons- und Stadtentwicklung als eine Art Schnittstelle zwischen den Departementen, welche die Effizienz in der Verwaltung zu steigern vermag.

Einfluss verloren

Wie kann er als Stadtentwickler aber überhaupt Einfluss auf die Entwicklung der Stadt nehmen? Fehlen ihm dazu nicht die nötigen Weisungsbefugnisse gegenüber den Fachstellen im Kanton, die massgeblich für die Entwicklung der Stadt verantwortlich sind? Lukas Ott meint dazu: «Als Abteilungsleiter habe ich selbstverständlich Weisungsbefugnisse in meinem Zuständigkeitsbereich. Und es stört mich in meiner neuen Rolle auch nicht, dass ich nicht mehr als Politiker Entscheide treffen kann. Heute habe ich eine aktive Rolle als Koordinator sowie Impuls- und Ideengeber. Gute Koordination und die Erarbeitung von Übersicht, um strategische Ideen einbringen zu können, ist in Liestal ebenso wie in Basel harte Knochenarbeit.»

Und Knochenarbeit sei in Basel auch gefordert. So viel Entwicklungspotenzial, wie diese Stadt habe. Dazu komme die Umsetzung Verfassungsinitiativen im Wohnbereich, die an der Urne gutgeheissen wurden. «Es gibt in Basel derzeit sehr viele Areale zu entwickeln, damit man dort künftig wohnen und arbeiten kann. Mit all den ehemaligen Industriearealen, die nun neu positioniert und gestaltet werden, kommen spannende Herausforderungen auf mich zu.» Doch wie viel Einfluss Lukas Ott tatsächlich bei der Entwicklung der Areale hat, bleibt offen.

Das Amt des Stadtentwicklers habe stark an Einfluss eingebüsst, seit Lukas Ott den Posten übernommen habe, sagen Personen aus der Verwaltung. De facto würde beispielsweise die Areal-Transformation Klybeck Plus vom Bau- und vom Finanzdepartement sowie der Novartis und der BASF geführt. Lukas Ott dürfe lediglich – unter Aufsicht von Kantonsbaumeister Beat Aeberhard – Podien zum Thema Klybeck moderieren. Zudem hat die Kantons- und Stadtentwicklung auch im Management des Kasernenareals Kompetenzen eingebüsst (die BaZ berichtete). Der Beitrag von Lukas Otts Abteilung reduziert sich dort künftig noch auf die Sitzungsleitung in einem Gremium.

Für den Neubau des Naturhistorischen Museums und des Staatsarchivs hat das Präsidialdepartement mittlerweile eine Stelle für einen Koordinator zur Projektunterstützung ausgeschrieben. Bevor das Bauprojekt überhaupt vom Parlament bewilligt wurde, scheint das PD bereits einen weiteren Koordinator zu benötigen.

Ein Koordinationsbüro

Unklar ist auch, was Lukas Otts Abteilung überhaupt konkret tut. Sein Stellvertreter Roland Frank stellte vor wenigen Wochen die «Bemalung der Münchensteinerbrücke» als Prestigeprojekt der Stadtentwicklung vor. Da stellt sich der Sinn nach den Tätigkeiten der Abteilung, die immerhin über ein Budget von zehn Millionen Franken verfügt. Lukas Ott sagt dazu: «Man wird der Kantons- und Stadtentwicklung nicht gerecht, wenn man sie anekdotisch auf das Beispiel der Münchensteinerbrücke reduzieren will. Die Stadtentwicklung funktioniert als Klammer in der Verwaltung, was für mehr Effektivität und inhaltliche Synergien in der Projektarbeit führt. Sie versucht gerade dadurch einen Mehrwert zu schaffen, dass sie substanzielle methodische und inhaltliche Beiträge zu verschiedenen Kooperationen in konkreten Prozessen und Projekten leistet.»

Hat es die Kantons- und Stadtentwicklung bereits unter Kessler nicht geschafft, sich ein klares Profil zu geben, verkommt sie nun – so scheint es – zu einem Koordinationsbüro.

Erstellt: 09.07.2018, 07:35 Uhr

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