Ein Alleingang als möglicher Ausweg

Braucht die Universität das Baselbiet? Muss die Stadt solidarisch sein?

Zwei Bildungsdirektoren, zwei Richtungen: Monica Gschwind (FDP, BL) und Conradin Cramer (LDP, BS).

Zwei Bildungsdirektoren, zwei Richtungen: Monica Gschwind (FDP, BL) und Conradin Cramer (LDP, BS). Bild: Nicole Pont

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Irgendwie ging der Aufruf der Sozialdemokratin Sibylle Benz in der grossrätlichen Debatte um die Universität unter. Benz, sichtlich verärgert über die Baselbieter Sparwut, sprach aus, was viele Basler Politiker wohl seit geraumer Zeit denken: «Wir müssen uns überlegen, ob wir mit dem Baselbiet noch eine gemeinsame Uni-Trägerschaft wollen.» Auch der LDP-Mann Michael Koechlin fragte an diesem Tag: «Ist der neue Uni-Deal überhaupt noch ein partnerschaftliches Geschäft?»

Vor zwei Jahren kündigte die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind (FDP) an, dass man für die kommende Legislatur bei der Uni einmalig Einsparungen vornehmen möchte. Seither sehen sich die Baselbieter Bürgerlichen dazu berufen, das akademische Hoheits-Zepter selber in die Hand nehmen zu wollen. An ihren «digitalen Stammtischen» (NZZ) forderten Politiker der FDP und der SVP, dass man die Uni als Unternehmen behandeln solle. Selbsttragend solle sie sein, die Alma Mater. Wenn nötig solle man diese «unnützen» Geisteswissenschaften, die der liberalen Wirtschaft nichts bringen würden, abschaffen. Seit Gschwind ankündigte, bei der ältesten Hochschule nördlich der Alpen sparen zu wollen, entflammte im Baselbiet eine Debatte, aus der sich letztlich ein erschreckendes Resultat herauskristallisiert hat: Die Wertschätzung der Baselbieter Bürgerlichen für die Uni ist rapide gesunken. Das zeigt sich in ihrer Haltung, weniger Geld für eine Volluniversität ausgeben zu wollen. Neu wird das Baselbiet 54,1 Millionen Franken bei der Uni einsparen.

Der Mythos der Zahlen

Nachdem der Landkanton notorisch rote Zahlen geschrieben hat, mögen diese Sparmassnahmen endlich ein Hoffnungsschimmer für das Baselbiet sein, ohne Steuererhöhungen doch endlich schwarze Zahlen zu sehen. Umso empörter reagierten die Protagonisten aus den Fraktionen SVP und FDP, als sich in der Stadt ein verbissener Widerstand gegen die geplanten Sparmassnahmen bei der Uni formierte. Die Baselbieter Bürgerlichen reklamierten, dass man 2007 nur Ja zur gemeinsamen Trägerschaft gesagt habe, weil die Stadt eine «marode Staatskasse» vorweise.

Das wohlhabende Land half der Stadt in der Not, so die Argumente von Baselbieter Bürgerlichen. Nun solle die Stadt dasselbe für ihren Nachbarn tun, so der Tenor. Doch müssen die Stadt-Basler das? Werfen wir einen Blick zurück. Ins Jahr 2005. Eva Herzog (SP) ist frisch im Amt. Die Neo-Finanzdirektorin steht vor einer heruntergewirtschafteten Staatskasse. Doch Herzog schafft es ein Jahr später, das Basler Budget aus dem Defizit zu hieven, während im Nachbarkanton weiterhin Verluste geschrieben werden. Auch im Jahr 2007, als das Baselbiet mit Ach und Krach eine rote Null budgetieren kann und Herzog weiter schwarze Zahlen schreibt, stimmt der Landrat mit 61 zu 23 Stimmen einer gemeinsamen Trägerschaft zu. Einzige Gegner: Die SVP und die Schweizer Demokraten. Die FDP steht geschlossen hinter der Uni. FDP-Landrätin Eva Gutzwiller damals: «Die Uni braucht uns!» Der Landkanton – notabene immer noch Defizite schreibend – wird zum Uni-Kanton. Unter dem ehemaligen Bildungsdirektor Urs Wüthrich (SP) entsteht die gemeinsame Trägerschaft der beiden Basel. Das Baselbiet erhöht damit seinen Uni-Beitrag von 105 auf 127 Millionen Franken.

Debatte muss lanciert werden

Wenn nicht die gleiche, haben wir heute, elf Jahre später, doch eine ähnliche Situation: Die Stadt scheibt schwarz, das Land – wieder mit Ach und Krach – schreibt im Budget 2017 eine Null. Doch anders als vor einem Jahrzehnt hat die Universität nicht mehr den gleichen Rückhalt im Baselbiet und haben dessen Bürgerliche das Interesse an einer gemeinsamen Trägerschaft verloren, so scheint es. Die ganze Spar-Debatte hat die Fronten an der Kantonsgrenze dermassen verhärtet, dass in der politischen Auseinandersetzung der beiden Basel die Universität unausweichlich die grösste Leidtragende der Debatte sein wird. Auch nach dem Auslaufen des Leistungsauftrags 2018–2021. Auch wenn sich die beiden Kantonsregierungen fadenscheinig zu einer «Volluniversität» bekennen. Ganz ernst nimmt das in der Stadt niemand. Ganz ernst meint es das Land nicht.

Zehn Jahre lang ist es nun gut gegangen: das eidgenössische Phänomen einer Universität, die von zwei Kantonen getragen wird. Das Projekt droht zu scheitern. Mit ihm auch die Konsenspolitik, die die beiden Basel vor einem Jahrzehnt mit der gemeinsamen Trägerschaft angestrebt hatten.

Denn: Politisches Einvernehmen kann nur stattfinden, wenn beide Parteien dasselbe Ziel vor Augen haben. Dies ist bei den beiden Basel nicht der Fall. Obwohl die Städter zuerst noch Goodwill zeigten und dem Nachbarkanton für den vergangenen Leistungsauftrag 80 Millionen Franken schenkten. Es brachte nichts. Deshalb sollten sich die beiden Kantone in der nächsten Leistungsperiode den Vorschlag von Sozialdemokratin Sybille Benz noch einmal durch den Kopf gehen lassen: Braucht es eine gemeinsame Trägerschaft? Braucht die Uni das Baselbiet neben der Stadt als gleichberechtigten Träger? Es bedarf einer seriösen Abklärung. Zum Wohle der Universität. (Basler Zeitung)

Erstellt: 21.12.2017, 12:17 Uhr

Artikel zum Thema

Parlament segnet Uni-Budget ab

Das baselstädtische Parlament ist einverstanden mit dem Leistungsauftrag und dem Globalbudget der Universität Basel für die Jahre 2018-2021. Mehr...

Landrat sagt Ja zur Uni-Finanzierung

Der Leistungsauftrag und Globalbeitrag für die Universität Basel wurde vom Baselbieter Landrat verabschiedet. In der Debatte gab es Kritik von rechts und links. Mehr...

Etwas gesehen, etwas geschehen?

Leser-Reporter

Haben Sie etwas Aussergewöhnliches gesehen, fotografiert oder gefilmt? Ist Ihnen etwas bekannt, das die Leserinnen und Leser von baz.ch/Newsnet wissen sollten? Senden Sie uns Ihr Bild, Ihr Video, Ihre Information per MMS an 4488 (CHF 0.70 pro MMS).

Wettbewerb

Gratis nach Singapur fliegen

Seit Anfang August fliegt Singapore Airlines auch ab Zürich mit einem neu ausgestatteten Airbus A380. Gewinnen Sie zwei Flugtickets.

Kommentare

Blogs

Sweet Home Unter Dach und Fach
Michèle & Friends Fremd in der eigenen Stadt

Das Immobilien-Portal für Basel und die Region

Die Welt in Bildern

Reich beschmückt: Eine Tänzerin in Mumbai wartet hinter den Kulissen auf ihren Auftritt. Zusammen mit anderen Transfrauen sammelt sie Geld für ihre Gemeinschaft. (20. September 2018)
(Bild: Francis Mascarenhas) Mehr...