Ein neuer Palast für Königspinguine

Der Zoo Basel plant ein Pionierprojekt in artgerechter Haltung. Während der Bauzeit müssen die Pinguine für ein Jahr ausziehen.

Die neue Anlage bietet viel Platz für die wachsende Kolonie.

Die neue Anlage bietet viel Platz für die wachsende Kolonie. Bild: Zoo Basel

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Vor dem Gehege der Königs- und Eselspinguine herrscht Gedränge. Während die Erwachsenen die Hälse recken, um einen Blick auf das Treiben der Tiere zu erhaschen, schlängeln sich die Kinder flink zwischen den Beinen der Grösseren nach vorne. Schafft man es nach einer Weile in die Front-Row zur Scheibe, sieht es im Inneren des Geheges ähnlich aus wie davor.

Dicht an dicht kuscheln sich dort die Königspinguine aneinander und strecken ab und zu ruckartig ihre Hälse in die Höhe. Im dunkelgrünen Wasserbassin springen Eselspinguine munter umher und bedienen sich von Zeit zu Zeit an den, träge auf den Wellen schaukelnden, toten Fischen. Dass sich die Pinguine in ihrem Gehege wohl fühlen, sieht man nicht zuletzt an den zahlreichen Jungtieren. Der Zoo Basel ist einer der erfolgreichsten Züchter von Königspinguinen.

In Zukunft soll die Nahrungsbeschaffung für die Pinguine jedoch um einiges schwieriger werden. Eine grössere, neue Anlage soll den natürlichen Lebensraum der Vögel besser simulieren und zudem auf ihre mit den Jahreszeiten wechselnden Bedürfnisse eingehen.

Saisonale Bedürfnisse

In der Natur verbringen Königspinguine sehr viel mehr Zeit im Wasser auf Nahrungssuche als im Zolli. Die Zeit, die sie im Wasser verbringen richtet sich dabei nach einem saisonalen Rhythmus von verschiedenen Lebensabschnitten mit jeweiligen Bedürfnissen. In der Brutzeit sind beide Pinguineltern am Land. Bei der anschliessenden Aufzucht ist einer der Partner im Wasser und sammelt Nahrung. Erst wenn das Jungtier gross genug ist, gehen beide Elternteile wieder ins Wasser.

Die geplante neue Anlage versucht den Pinguinen das Ausleben dieser unterschiedlichen Phasen besser zu ermöglichen. Denn die Pause der Eltern von ihren Jungtieren ist für sie äusserst wichtig, um sich selbst zu ernähren. Momentan beobachten die Tierpfleger, dass die jungen Pinguine ziemlich fett und die Elternteile immer dünner werden. Zukünftig soll es die Möglichkeit geben die Jungtiere, wie in der Natur, von ihren Eltern temporär zu trennen. Dieses Projekt wäre in Europa einzigartig.

Zwei Millionen für neue Anlage

Um dieses Pionierprojekt zu ermöglichen soll der bestehende Lebensraum saniert und vergrössert werden. Ein ungenutzter Gang für Tierpfleger, hinter dem Gehege, soll eröffnet und die etwa anderthalb Meter der Anlage hinzugefügt werden. Ausserdem soll neben dem heutigen Raum ein zweiter, neuer Teil entstehen, der über einen schliessbaren Schieber mit dem alten Bau verbunden ist.

So sollen die momentanen 60 Quadratmeter auf 150 Quadratmeter ausgeweitet werden und genug Platz für die stetig wachsende Königspinguin Kolonie bieten. Heute tummeln sich 16 Königspinguine auf den Steinen. Nach Bau der Anlage wäre Platz für ganze 30 grosse Exemplare.

Damit die neue Anlage gebaut werden kann, müssen die Pinguine jedoch für ein Jahr ausziehen. Im Moment sucht man noch einen Zoo, in dem die Gruppe zusammen bleiben könnte. Ist der gefunden, wären ab Herbst dann nur noch die Brillenpinguine im Aussenbereich zu beobachten. Mitte 2018 sei das zwei Millionen Projekt voraussichtlich fertig und die Pinguine könnten zurück kehren.

Insgesamt scheint den Pinguinen des Basler Zollis eine sehr bewegte Zeit bevor zu stehen. Schliesslich sollen die Eselspinguine nach diesem ersten Umzug, nur ein paar Jahre später in das geplante Ozeanium ziehen. Dort soll man sie in einem sechs Meter hohem Aquarium unter der Wasseroberfläche beobachten können. Und weil das Schwimmen der Tier unter Wasser so spannend ist, soll auch das Unterwasserleben der Königspinguine kein Geheimnis bleiben. Mit dem neuen Teil der Anlage wäre es möglich, auch sie durch eine grössere Scheibe zu sehen.

Die geplanten grösseren Flächen zum Beobachten der Pinguine lassen hoffen, dass mit dem Ausbau auch das Platzproblem vor den Scheiben gelöst wird. Denn auch wenn die Pinguine in der Natur und im Zolli gerne dicht beieinander stehen, freuen die Besucher sich bestimmt über mehr Platz. (Basler Zeitung)

Erstellt: 12.07.2017, 16:01 Uhr

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