Eldorado für Schwarzfahrer

Im 3er-Tram sind in Saint-Louis doppelt so viele Passagiere ohne Billett unterwegs wie auf dem Abschnitt in der Schweiz. So wollen BVB und Distribus reagieren.

Schwarzfahrer haben auf der Tramlinie 3 in Saint-Louis bislang wenig zu befürchten.

Schwarzfahrer haben auf der Tramlinie 3 in Saint-Louis bislang wenig zu befürchten. Bild: Nicole Pont

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Die Schienenverlängerung nach Frrankreich will das Vorzeigestück von regionaler Autoverkehrsentlastung für die Basler sein – doch die ersehnten Erfolge lassen bislang auf sich warten. Nachdem die Basler Verkehrsbetriebe (BVB) im ersten Jahr nach Inbetriebnahme der Strecke weniger grenzüberschreitende Fahrten verzeichnen als erwartet und zudem aufgrund von Drohungen gegen Chauffeure und Vandalismus beim Gare Saint-Louis während den Abendstunden Sicherheitspersonal einsetzen, zeigt sich nun ein weiterer Negativ-Effekt, mit dem niemand gerechnet hat: In Frankreich fahren doppelt so viele Passagiere schwarz wie auf dem Schweizer Streckenabschnitt. «Es ist korrekt, dass die Zahl der Fahrgäste ohne gültiges Ticket auf den französischen und deutschen Streckenabschnitten des BVB-Netzes höher ist», sagt BVB-Sprecher Benjamin Schmid. «Vier Prozent aller kontrollierter Fahrgäste sind ohne gültiges Ticket unterwegs.» Das mag nach wenig klingen, doch bei rund 131 Millionen Fahrgästen jährlich, ist bereits ein Prozent immer noch eine beachtliche Zahl.

Auf den Abschnitten in der Schweiz liegt die sogenannte Schwarzfahrerquote bei rund zwei Prozent, auf dem Streckenteil im Baselbiet, das vom Verkehrsunternehmen Baselland Transport (BLT) unterhalten wird, liegt die Quote bei knapp 1,8 Prozent, wie BLT-Direktor Andreas Büttiker auf Anfrage sagt.

Bussen schwieriger einzutreiben

Die Dunkelziffer der Gratisfahrer zwischen Burgfelden und Saint-Louis dürfte um einiges höher liegen, denn die BVB schicken trotz der vielen Schwarzfahrten nicht mehr Kontrolleure nach Frankreich. «Die Zahl der kontrollierten Fahrgäste im Verhältnis zur Zahl aller transportierten Fahrgäste beträgt auf dem französischen Abschnitt des BVB-Netzes rund 0,6 Prozent», sagt Schmid. Konkret heisst das: Nicht einmal ein Prozent aller Fahrgäste auf dem französischen Abschnitt werden kontrolliert.

Auf dem deutschen Abschnitt beträgt diese Quote aktuell 1,3 Prozent. Grund dafür, dass die BVB nicht einfach so mehr kontrollieren können, ist bedingt durch die Verträge der BVB mit Frankreich. «Auf dem französischen Streckenabschnitt sind wir auf die personelle Unterstützung der ausländischen Transportunternehmen angewiesen», sagt Schmid. Die BVB müssen jedes Mal mit Distribus gemeinsam allfällige Kontrollen durchführen und deshalb jede Kontrolle, die sie planen, mit Distribus abstimmen.

Frankreich hat Schwarzfahrer-Problem

Auch in Sachen Zahlungsmoral bei den Bussen, die wegen Schwarzfahrens ausgestellt werden, gäbe es deutliche Unterschiede, sagt ein Branchenkenner. Während die Erwischten in der Schweiz mehrheitlich bezahlen, harze das Geldeintreiben in Frankreich deutlich. Grund: In Saint-Louis habe es viele Jugendliche aus anderen Kulturen, die gegenüber Staat und Eigentum nicht den zu erwarteten Respekt zeigten, so der Insider. Zudem leben viele von ihnen unter wirtschaftlich sehr engen Verhältnissen, oft an der Grenze zur Armut. In diesem Umfeld ist es unbedeutend, ob eine Mahnung ins Haus flattert, die Busse wegen Schwarzfahren zu bezahlen. Frankreich kämpft mehr als andere europäische Länder mit Schwarzfahrern und den Einnahmeeinbussen, die dadurch entstehen. In Toulouse beispielsweise gibt es eine Schwarzfahrquote von fast sieben Prozent.

Claude Misslin, stellvertretender Direktor von Distribus in Saint-Louis, beurteilt die Zahlungsmoral der Schwarzfahrer in Saint-Louis anders. Er sagt, sie sei nicht unbedingt schlechter als in der Schweiz. «Es gibt wie überall zwei unterschiedliche Typen, wenn es ums Zahlen geht: Solche, welche die Busse gleich begleichen, wenn sie erwischt werden. Und solche, die sich um nichts kümmern und denen alles egal zu sein scheint», sagt Misslin.

Die BVB können ohnehin nicht viel machen, wenn in Frankreich jemand nicht bezahlt. «Die Deliktverfolgung auf ausländischen Streckenabschnitten der BVB erfolgt durch die jeweiligen Transportunternehmen Distribus oder RVL in Deutschland und nicht durch die BVB», sagt BVB-Sprecher Schmid.

Mehr Kontrollen geplant

Misslin sieht in den Problemen, die es mit dem 3er-Tram in Frankreich gibt, lediglich «ein paar Anfangsschwierigkeiten». Die Frage sei auch, inwiefern für die Steinwürfe und den Vandalismus Leute verantwortlich sind, welche die Unruhe im Land verursacht durch die Protestbewegung «Gilets jaunes» nutzten, um ihrer diffusen Wut Luft zu machen. «Ich würde jedenfalls nicht von einer Verschlechterung der Situation auf der 3er-Strecke in Frankreich reden», sagt Misslin. Zudem hätte die Gemeinde Saint-Louis sowie die Polizei ihre Präsenz erhöht, um die Sicherheit zu erhöhen.

Bei der Distribus in Saint-Louis kennen die Verantwortlichen das Problem mit den Schwarfahrern. «Bislang wude zwei Mal im Monat kontrolliert, in einer simplen Kontrolle, wie wir sagen», erklärt Misslin. «Das bedeutet, zwei Mitarbeiter von uns und zwei von der BVB steigen bei einer Haltestelle ein und kontrollieren.»

Nun soll es mehr Kontrollen geben. «Es sind sogenannte Schwerkontrollen geplant, bei denen das ganze Tram gestoppt und dann von vorn bis hinten durchkontrolliert wird», sagt Misslin. Mehr Details will er dazu nicht verraten, um den Überraschungseffekt für die Trampassagiere nicht zu gefährden. (Basler Zeitung)

Erstellt: 10.01.2019, 14:04 Uhr

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