Gnadenlos realitätsfremd

Wenn die SP mit patriarchalen, rückständigen muslimischen Verbänden zusammenarbeitet, verschärft sie die Nöte der muslimischen Frauen.

Der grosse Teil der Menschen in der Schweiz ist besorgt über die fehlende Integration von aktiv praktizierenden Muslimen.

Der grosse Teil der Menschen in der Schweiz ist besorgt über die fehlende Integration von aktiv praktizierenden Muslimen. Bild: Keystone

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Einmal mehr denken die Sozialdemokraten völlig an der Realität vorbei, wenn sie die Idee einer Anerkennung des Islams als Landeskirche portieren. Stephanie Siegrist nimmt denn in ihrem Grundlagenpapier auch fein säuberlich auseinander, wie die SP Schweiz verkennt, dass sich ein Grossteil der 400'000 Menschen mit islamischen Wurzeln in der Schweiz nicht primär als Muslime versteht und die SP Schweiz daher rund drei Viertel diskriminiert, wenn sie alle in einen Topf wirft. Sie zeigt auf, wie die Reduzierung auf die Religion, wie dies die SP tut, dieselben rassistischen Denkmuster wie die der SVP zeitigt und wie absurd das Ansinnen einer muslimischen Landeskirche ist, solange sich die islamischen Organisationen nicht an elementare Verfassungsrechte wie die der Gleichstellung von Mann und Frau halten.

Der grosse Teil der Menschen in der Schweiz würde einem solchen Ansinnen auch nie und nimmer zustimmen. Vielmehr sind viele von ihnen besorgt über die fehlende Integration von aktiv praktizierenden Muslimen. Besorgt über den Fanatismus, über die Vermischung von Religion und Politik, wegen der Mütter, die unsichtbar hinter ihren vier Wänden verschwinden und auch nach vielen Jahren Aufenthalt in der Schweiz noch keine Landessprache sprechen, und wegen der jungen Mädchen, die in eine Ehe mit einem von ihnen ungeliebten Landsmann gezwungen werden.

Hier gilt es anzusetzen! Diese Frauen müssen bedingungslos unterstützt werden. Denn haben Musliminnen einmal unsere Werte der Gleichstellung und Liberalität erkannt, so werden sie zu Kämpferinnen gegen Rückwärtsgewandtheit und Diskriminierung. Doch es ist noch ein einsamer und gefährlicher Kampf. Dies zeigt sich am Beispiel der Islamexpertin Saïda Keller-Messahli, die täglich Beschimpfungen erhält, weil sie den männerdominierten, politischen Islam kritisiert. Oder an jenem der Gründerin der liberalen Moschee in Berlin, Seyran Ates, die so viele Todesdrohungen erhalten hat, dass sie unter Polizeischutz leben muss.

Wenn die SP Schweiz nun noch eng mit patriarchalen, rückständigen muslimischen Verbänden zusammenarbeitet, verschärft sie die Nöte dieser Frauen. Denn um die jetzige Situation aufzubrechen, brauchen diese mutigen Kämpferinnen gegen Unrecht und Diskriminierung und für Offenheit und Reformen Rückendeckung und Unterstützung. Verweigert ihnen die SP dies, wie es den Anschein macht, verrät sie die Errungenschaften der Frauenemanzipation. (Basler Zeitung)

Erstellt: 25.06.2018, 16:08 Uhr

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