Gute Sache, schlechter Name

Universitätsspital Nordwest? Die Namensgebung ist total missglückt. Es gibt schliesslich auch keine «Universität Nordwest».

Christoph Eymann: Weshalb soll der Begriff «Basel», den beide Kantone in ihrem Namen führen, nicht mehr erscheinen?

Christoph Eymann: Weshalb soll der Begriff «Basel», den beide Kantone in ihrem Namen führen, nicht mehr erscheinen? Bild: Google Street View

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Die Regierungen der Kantone Basel-Stadt und Basel-Landschaft haben einen Staats­vertrag abgeschlossen. Die Gesundheitsplanung soll künftig gemeinsam erfolgen, die Spitäler sollen fusioniert werden. Der Grosse Rat und der Landrat werden die ­Vorlage prüfen und dann wird das Volk in beiden Basel entscheiden.

Es ist richtig, dass im Gesundheitsbereich gemeinsam vorgegangen wird. Würde man die Gesundheitsversorgung für die beiden Basel neu konzipieren, käme niemand auf die Idee, den heutigen Zustand vorzuschlagen. Diese Spitallandschaft ist historisch gewachsen – möglicherweise nicht immer und überall frei von Prestigedenken. Es braucht die Neuorientierung. So gesehen ist die Zusammenarbeit im Gesundheitsbereich eine gute Sache. Auf die wichtigen Fragen, ob das «give and take» zwischen beiden Basel stimmt, ob sich die Politik gegenüber privaten Anbietern korrekt verhält und ob die unterschiedlich hohen Krankenkassenprämien gerechtfertigt sind, möchte ich hier nicht eingehen. Die politisch Verantwortlichen müssen entscheiden, ob das Entgegenkommen gegenüber dem Baselbiet richtig oder zu grosszügig ist. Auch das Verhältnis zu Privatspitälern und Arztpraxen muss fair und sorgfältig definiert werden.

Universität Basel ist ein Label

Ausgesprochen schlecht ist der Name für die neue Spitalgruppe «Universitätsspital Nordwest». Diese Namensgebung ist nicht zu Ende gedacht. Es fehlt – im Gegensatz zu allen anderen Universitätsspitälern der Schweiz – die Ortsbezeichnung, hier der Begriff «Basel» oder «beider Basel». Das ist nicht einfach ein kosmetischer Mangel oder lokalpatriotisches Denken. Es gibt die Universität Basel, das ist ein Begriff, ein Label. Die neue Spitalgruppe basiert ihre Qualität auf der Medizinischen Fakultät dieser Universität Basel. So gesehen erfahren die bisher Nicht-Universitätsspitäler in Baselland eine Aufwertung (interessant, dass man sich hier mit der Universität brüstet, die man unlängst massiv geschwächt hat). Es gibt keine «Universität Nordwest». Es gibt auch kein Bewusstsein der Bewohnerinnen und Bewohner dieser beiden Kantone, sich als «Nordwestschweizer» zu bezeichnen oder zu fühlen. Man ist Stadtbasler oder Landschäftler. Wie wird dieser Name in andere Sprachen übersetzt? Welche Aussagekraft hat der Name in anderen Kantonen oder im Ausland? Weshalb soll der Begriff «Basel», den beide Kantone in ihrem Namen führen, nicht erscheinen? Wer hat ein Interesse an diesem unklaren und unzutreffenden Namen? Die Erklärungsversuche der Spitaldirektoren per Videobotschaft liefern keine Antworten.

«Nordwestschweiz» besteht nicht nur aus Basel-Stadt und Basel-Landschaft, Teile von Aargau und Solothurn gehören auch dazu. Aus keinem dieser Kantone sind Beitrittsabsichten geäussert worden. Unklar auch, ob der mögliche Beitritt von Privatkliniken für diese automatisch zum Label «Universitätsspital» führen würde.

Die Parlamente müssen offene Fragen und Unzulänglichkeiten behandeln. Die Korrektur dieser missglückten Namensgebung gehört dazu. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.02.2018, 09:29 Uhr

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