«Ich bin extrem stolz»

Regierungspräsident Guy Morin blickt auf seine Zeit als Aussenminister zurück: Er habe rund einen Drittel bis die Hälfte seiner Amtszeit ausserhalb des Büros verbracht und viel davon im Dreiland.

Im Dreiländereck. Regierungspräsident Guy Morin hat gehandelt, wenn seine Kollegen in den Nachbarländern ein Problem hatten.

Im Dreiländereck. Regierungspräsident Guy Morin hat gehandelt, wenn seine Kollegen in den Nachbarländern ein Problem hatten. Bild: Matthias Wäckerlin

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Nein, gross verändert hat er sich nicht: Hochgewachsen, schlaksig, in abgetragenem Anzug und Karo-Krawatte steht er da und referiert mit erhobenem Zeigefinger. Vielleicht sind die Haare etwas heller und lichter geworden, die Finger etwas knochiger und die Stimme dezidierter als zu Beginn der zwölfjährigen Amtszeit des auf den 7. Februar abtretenden Regierungspräsidenten Guy Morin. Gestern hielt er im Grand Hotel Les Trois Rois, Saal Endeavour, Rückblick auf seine Zeit als Aussenminister des Kantons und er sagte in Bezug aufs Dreiland: «Wir sind aufeinander angewiesen. Wir müssen zusammenarbeiten.» Schliesslich gebe es tagtäglich einen Zustrom von rund 100'000 Pendlern in den Raum Basel. Daher habe er rund einen Drittel bis die Hälfte seiner Amtszeit ausserhalb des Büros verbracht und viel davon im Dreiland.

«Die administrativen Grenzen dürfen kein Hindernis sein.» Er spricht die Worte im Stakkato, jede Silbe betont, laut und abgehackt. So habe man im Laufe seiner Amtsjahre viel erreicht: Unter anderem die Realisierung von grenzüberschreitenden Bus- und Tramverbindungen. Der Trinationale Eurodistrict (TEB) habe zwar keine Kompetenzen zu entscheiden: «Doch dort wird über alle Projekte abgestimmt – etwa die Tramlinienverlängerung oder die Brücke in Weil.» Und wenn Oberbürgermeister Wolfgang Dietz von Weil am Rhein ein Problem habe mit dem Stau auf der Autobahn, so habe er, Morin, sich darum gekümmert, den Zoll angerufen und geschaut, dass die Abwicklung schneller gehe.

Finanzielle Mittel aus Brüssel

Als Zeichen der guten Zusammenarbeit wertet er auch die Zahlen von Infobest, der Beratungsstelle für grenzüberschreitende Fragen. Diese seien in den vergangenen Jahren kontinuierlich nach oben gestiegen. «Wenn die Beratung nicht dort stattfänden, würden sie alle beim Arbeitsamt landen.» Glücklicherweise sei der Kredit kürzlich im Grossen Rat diskussionslos durchgewunken worden: «Basel ist in dieser glücklichen Lage. Im Baselland ist das nicht so.»

Diese gute Koordination habe den Effekt, dass in Basel Pendlerströme nicht als Last wahrgenommen würden wie beispielsweise in Genf. «Ich bin stolz, ich bin extrem stolz», sagt Morin und seine Gestalt wächst noch etwas in die Länge und seine Hand wippt eifrig. Durch die Kooperation am Oberrhein habe man mehr finanzielle Mittel aus Europa holen können. 110 Millionen Euro würden für die Periode 2014 bis 2020 von Brüssel in den trinationalen Raum fliessen. Ausserdem seien rund 30 bi- und trinationale Studiengänge geschaffen worden. «Es ist eine Erfolgsgeschichte.»

Und nun gelte es, die Umsetzung der Zuwanderungs-Initiative light zu unterstützen. «Es ist wichtig, dass diese nicht verschärft wird.» Denn dann gehe es Basel-Stadt garantiert schlechter. «Basel ist der Kanton, der in der Schweiz von den bilaterialen Verträgen am meisten profitiert.» Wenn die Umsetzung light nicht klappe, würden die Forschungen zwar nicht sofort abwandern, doch nach und nach würde wohl genau dies geschehen, orakelt Morin düster.

Der Nachbarkanton als Baustelle

Die grösste Baustelle jedoch ortet Morin bei seinem nächsten Nachbarn, dem Kanton Baselland. Wenn der Univertrag neu ausgehandelt werden müsse, sei das die grösste Baustelle. «Bei der Uni geht es um die Wurst.»

Auf Nachfrage ging Morin auch kurz auf seine Reisen ins fernere Ausland ein. Je zwei Mal sei er im Laufe seiner Amtszeit in Shanghai, Honkong, Miami und Moskau gewesen. Ob er als grüner Politiker ein schlechtes Gewissen bei diesen Fernflügen gehabt habe? Nein, da er sich zur Kooperation entschlossen habe, sei ihm nichts anderes übrig geblieben.

Und Guy Morin hat auch schon Pläne für die Zeit danach. Bekannt gibt er jedoch vorderhand lediglich eines: Nach seiner Amtszeit werde er sich nicht mehr politisch betätigen und in den kommenden 15 bis 20 Jahren auch keinen Kommentar abgeben.

Umfrage

Guy Morin hat Bilanz gezogen aus seiner Regierungstätigkeit. War er ein guter «Aussenminister»?

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(Basler Zeitung)

Erstellt: 28.10.2016, 07:32 Uhr

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