Jedes Velo zählt

Vor der Basler Wettsteinbrücke steht ein Velozähler, der das «Gruppengefühl der Velofahrer» stärken soll.

«Jedes Velo zählt.» Die digitale Zählstation am Kopf der Wettsteinbrücke auf der Grossbasler Seite soll ein Einzelstück bleiben.

«Jedes Velo zählt.» Die digitale Zählstation am Kopf der Wettsteinbrücke auf der Grossbasler Seite soll ein Einzelstück bleiben. Bild: Florian Bärtschiger

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Velostädte mit einem Veloring wie das westfälische Münster haben sie schon lange: Stelen, die aufzeigen, welche Anzahl Velofahrer an viel befahrenen Punkten auf dem Veloroutennetz täglich so vorbeiradeln. Da Basel gemäss dem regierungsrätlichen Masterplan Velo zur Schweizer Velostadt Nummer eins aufsteigen soll, darf so eine Velozählstation natürlich auch hier nicht fehlen. Vor Kurzem ist das Amt für Mobilität des Bau- und Verkehrsdepartements (BVD) deshalb einem Anzug des Grünen Grossrats Thomas Grossenbacher gefolgt und hat auf der Grossbasler Seite der Wettsteinbrücke eine solche Zähleinrichtung für 16'000 Franken hingestellt. Den Betrag zahlt das Bau- und Verkehrsdepartement.

Wie Versuche vor Ort allerdings aufzeigen, zählt die Station nicht jedes Velo, das durchfährt. Gezählt werden nur jene Velos, die direkt über die Rauten aus Draht fahren, die dem Zähler vorgelagert sind. Fährt man mit dem Velo genau mittig über den Draht, der zwischen den Rauten liegt, spricht der Zähler nicht an. Nicole Stocker, Sprecherin des BVD, sagt aber, dass interne Erhebungen eine sehr hohe Genauigkeit ergeben hätten.

Auf der Zählstation, die pro Jahr maximal 1,8 Millionen Velos zählen kann, steht «Jedes Velo zählt» geschrieben. Weiter ist das Datum aufgeführt, das sich mit der Uhrzeit abwechselt, und die Anzahl durchgefahrener Velos pro Tag und Jahr. Laut Stocker soll damit aufgezeigt werden, dass jede Velofahrt zur Entlastung der städtischen Strassen beitrage. Stocker: «So bleibt mehr Platz auf der Strasse für diejenigen Autofahrenden, die aufs Auto angewiesen sind.»

Nutzen unbekannt

David Wüest-Rudin, Präsident von Pro Velo beider Basel, begrüsst die Zählstelle grundsätzlich, auch wenn dies keine prioritäre Velofördermassnahme sei. Die Stele zeige auf, wie intensiv die Strasseninfrastruktur auch von Velofahrern genutzt werde. Wüest-Rudin: «Man sieht im Vorbeifahren, dass man Teil der Velo-Community ist. Zudem werden die Zahlen so oder so vom BVD erhoben.» Velofahren sei etwas Gutes, und bei der Zählstelle handle es sich auch um eine Art Werbemassnahme. Ob die Zählstation dazu tauge, Leute vom Auto aufs Velo zu bringen, glaubt Wüest-Rudin eher nicht. «Die Stele motiviert aber die Leute, Velo zu fahren, wenn man die grosse Zahl Velofahrer sieht.» Es stütze die Leute in der Haltung, wie wichtig es sei, Velo zu fahren.

Gar nichts von der Veröffentlichung der Anzahl passierender Velofahrer hält Urs Gerhard. Der Verkehrspsychologe von der Universität Basel hat vor Ort einen Augenschein genommen. Er habe die Stele fast suchen müssen, sagt Gerhard. Sie sei klein und liege hinter einer Telefonkabine. «Kaum ein Velofahrer der da vorbeifährt, schaut darauf.» In der Nacht, wenn die Stele leuchte, werde sie wohl besser wahrgenommen. Der Informationsgehalt sei gemäss Gerhard «gleich null». «Zahlen von Durchfahrten sind für Verkehrsplaner wichtig, damit sie wissen, ob sie Änderungen an einer Strasse anbringen müssen. Aber für das vorbeifahrende Individuum sind diese Zahlen sinnlos.»

Obschon Velostädte an mehreren Orten solche Zählstellen haben, soll in Basel laut Stocker keine weitere folgen. Ebenfalls keine digitale Zählstation gibt es für Autos, Fussgänger oder Trams.

Umfrage

Am Kopf der Wettsteinbrücke zählt ein elektronisches Gerät, wie viele Velos diese Stelle passieren. Brauchen die Basler Velofahrer Verkehrszähler?

Ja

 
17.3%

Nein

 
82.7%

1211 Stimmen


(Basler Zeitung)

Erstellt: 13.09.2017, 07:15 Uhr

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