Köppel soll nicht sprechen dürfen

Heute gastiert SVP-Nationalrat Roger Köppel offiziell an der Universität Basel – gleichzeitig regt sich Widerstand.

Konservative Reizfigur. Roger Köppel, SVP-Nationalrat und Weltwoche-Chefredaktor.

Konservative Reizfigur. Roger Köppel, SVP-Nationalrat und Weltwoche-Chefredaktor. Bild: Keystone

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Eigentlich sollte der grosse Medien-Streit an der Universität beendet sein. Der Studierendenrat hat seine einstige Forderung an die Universität Basel, die Gratisexemplare des Wochenmagazins Weltwoche nicht mehr aufzulegen, rückgängig gemacht. Der mediale Druck wurde letztlich zu stark. Heute Abend findet eine Podiumsdiskussion im Kollegienhaus mit Chefredaktor, Verleger und SVP-Nationalrat Roger Köppel zum Thema Medienfreiheit statt. Weitere Teilnehmer sind Düzgün Dilsiz, Initiant des faktischen Weltwoche-Verbots, und Markus Wild, Professor für theoretische Philosophie.

Die Initianten sind mit ihrem Anliegen letztlich an der liberalen Meinungsfreiheit gescheitert – doch gegen das Zulassen von unliebsamen Meinungen regt sich weiter Widerstand. Zeitgleich zum Podium mit Roger Köppel findet gleich vis-à-vis vom Veranstaltungsort eine Gegenaktion statt. «Dem Köppel kein Podium! Gegen rechte Normalisierung!», schreiben die Organisatoren auf der Facebook-Veranstaltungsseite.

So sollen sich heute Abend im Seminar der Soziologie «linke und antirassistische» Aktivisten darüber austauschen, wie man weitere Auftritte von Menschen wie Roger Köppel verhindern könne und «wie rechte Normalisierung funktioniert und wie Gegenstrategien aussehen könnten».

Sie kritisieren zudem den Studierendenrat für seinen Rückzug vom Weltwoche-Verbot. Von einer «Schmierenkomödie» ist die Rede.

Dass Köppel eingeladen wird, finden die Studenten problematisch. Denn: «Die Weltwoche ist nicht einfach irgendeine kontrovers diskutierte Zeitung. Sie ist ein wichtiges Medium der schweizerischen Rechten und trägt dazu bei, dass der politische Diskurs nach rechts verschoben wird.»

Unbekannte Veranstalter

Dass ein Chefredaktor und Politiker an ein Podium eingeladen wird, der notabene Mitglied der Partei mit den meisten Sitzen in Bundesbern ist, scheint für die Veranstalter kein triftiger Grund zu sein, um ihn sprechen zu lassen. Sogar im Gegenteil: Roger Köppel komme gemäss den Studenten sogar zu oft zu Wort. Deshalb hätte man ihn nicht einladen dürfen.

Wer hinter dem Event steckt, wird nicht bekannt gemacht. Auch die Teilnehmerzahl ist offen. Jedoch hat im Internet sogar ein Mitglied des von den Veranstaltern kritisierten Studierendenrats den Event beworben. Die Uni selbst weiss nichts von der Veranstaltung und kann auch nicht sagen, wer diese organisiert hat. «Sie ist nicht im Veranstaltungskalender eingetragen», sagt Mediensprecher Matthias Geering.

Die Räumlichkeiten der Universität würden den Studenten grundsätzlich offenstehen. Wer die Organisatoren der Veranstaltung sind, will Geering nicht herausfinden: «Sie sind ja der Journalist», antwortet er auf Anfrage. Die BaZ bat ausserdem um ein Interview mit Unirektorin Andrea Schenker-Wicki zum Thema Meinungsfreiheit an der Universität. «Dafür hat die Rektorin keine Zeit», sagt Geering. Nur so viel: «Die Universität ist ein Ort der Forschung und Lehre – und ist Ort einer offenen Debatte.»

Nazi-Methoden und Drohung

Mittlerweile hat sich der Zorn der Initianten des ursprünglichen Weltwoche-Verbots auch auf die Presse entladen. Wirtschaftsstudent Düzgün Dilsiz moniert auf dem Kurznachrichtenportal Twitter, dass er aufgrund der Berichterstattungen von verschiedenen Personen massiv beleidigt worden sei. In der Basellandschaftlichen Zeitung sagt Dilsiz, dass man dem Studierendenrat und ihm wegen des Weltwoche-Antrags «Nazi-Methoden» unterstellt habe.

Einer Redaktorin der BaZ droht er öffentlich mit Presseratsbeschwerden, weil er in Wirklichkeit das missliebige Wochenmagazin nämlich gar nicht habe verbieten wollen. Die Gratisausgaben der Weltwoche sollen lediglich nicht mehr in den Räumlichkeiten der Uni ausgelegt werden. Ein Journalist, der Mitglied einer Studierendenfachgruppe ist, berichtet der BaZ von Pöbeleien und Anfeindungen gegen seine Person an einer Sitzung von Ratsmitgliedern. Seine Berichterstattungen zum Thema habe ihnen scheinbar missfallen. (Basler Zeitung)

Erstellt: 14.11.2018, 09:18 Uhr

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