Linksextreme begrüssen Angriff in der Wasserstrasse

Weil ihn das Facebook-Profil als Neonazi entlarve, sei die Gewalt an dem 24-Jährigen Opfer gerechtfertigt, heisst es in einer Stellungnahme des linken Kollektivs.

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«Kein Respekt für Cops», steht in grossen Buchstaben an einer Hauswand in der Wasserstrasse geschrieben. Das ist der Ort, wo am 18. August ein 24-Jähriger Basler brutal verprügelt wurde. Gemäss dem Opfer getraute sich die Polizei nicht in die Strasse, um sich den Täter zeigen zu lassen, «weil auch immer wieder Polizisten von den Linksextremen angegangen würden», wie M.F.* gegenüber der BaZ sagte. Die Polizei wies hingegen zurück, dass die Wasserstrasse eine rechtsfreie Zone sei.

Weil der mutmassliche Täter sich jedoch unter mehreren Dutzend Personen befunden habe, die gerade eine Party feierten, hätte es nur zu einer weiteren Eskalation der Gewalt geführt, wenn die Polizisten mit M.F. in die Wasserstrasse gegangen wären, um sich den Angreifer zeigen zu lassen, sagte Polizeisprecher Toprak Yerguz gegenüber 20 Minuten. Deshalb habe sich die Polizei auf die Aufnahme der Aussagen des Opfers sowie einer Begleitperson konzentriert.

Am Tag nach der Tat hiess es in einer Medienmitteilung zum Vorfall: «Eine sofortige Fahndung blieb erfolglos.» Zu einer Verhaftungen kam es bislang nicht. «Die Ermittlungen laufen noch immer», sagte gestern Staatsanwaltssprecher René Gsell auf Nachfrage der BaZ.

Selbstjustiz wird begrüsst

In der Zwischenzeit hat sich hingegen das in der Wasserstrasse heimische linke Kollektiv zu Wort gemeldet. In der Stellungnahme wird der Angriff damit gerechtfertigt, dass das Opfer ein Neonazi sei. Die Linksextremen lassen keinen Zweifel offen, dass sie die Gewalt an M.F. gut finden: «Falls sich der Angriff ereignet hat, begrüssen wir es, dass Festbesucher*innen den Neonazi als solchen erkannt und in Eigenverantwortung konsequent aus der Strasse vertrieben haben. Es darf nicht sein, dass Neonazis und andere Menschenfeind*innen ihre lebensverachtende Ideologie öffentlich zur Schau stellen können, ohne dadurch Probleme zu bekommen.»

Dass M.F. ein Neonazi sei, beweise dessen «Liber-Helvetia»-Tattoo, der Schmuck mit dem Rockerkreuz, das ähnlich aussieht wie das von Rechtsextremen getragene eiserne Kreuz, und dessen Facebook-Seite, auf der er unteranderem der PNOS und Pegida folgt. Ob die Linksextremen M.F.s Facebook-Profil geprüft haben, bevor sie ihm das Gesicht eingetreten haben, darf zumindest bezweifelt werden. In der Zwischenzeit wurden sämtliche Inhalte des Profils gelöscht. M.F. beteuerte am Donnerstag gegenüber der BaZ erneut, dass sämtliche Nazi-Verdächtigungen falsch seien.

Kritisiert werden in der Stellungnahme zudem die Berichte der Basler Zeitung und anderer Medien über den Angriff in der Wasserstrasse: «Ziel der Publikation ist es offenbar, die Gefährlichkeit von ‹Linken› aufzubauschen.»

*Name der Redaktion bekannt (Basler Zeitung)

Erstellt: 13.09.2018, 14:11 Uhr

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