Mehr als nur Wirtschaftsmotor

Der Basler Bildungsdirektor Christoph Eymann zur Bedeutung der Universität Basel. Ein Gastkommentar.

Wir dürfen unserer Jugend keine zweitklassige Universität zumuten, findet Christoph Eymann.

Wir dürfen unserer Jugend keine zweitklassige Universität zumuten, findet Christoph Eymann. Bild: Pierre Stoffel

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Am 4. April wurde die Universität Basel 555 Jahre alt. Sie ist die älteste Universität der Schweiz und eine der ältesten Europas. Sie ist jetzt bedroht. Die Universität Basel gehört weltweit zu den circa 90 besten. Das ist nicht einfach eine Tatsache, die das Selbstbewusstsein besonders Interessierter stärkt, das ist einer von vielen Grundpfeilern zum Beispiel für die Verlässlichkeit unseres Rechtssystems, die wohl weltbeste Gesundheitsversorgung der gesamten Bevölkerung, die Freiheit in der eigenen Lebensgestaltung, ein sehr hohes Kulturbewusstsein in der Region, die Weiterentwicklung der Industrie hin zu zwei Weltklasse-Pharmaunternehmen, die hohe Dichte an Stiftungen als Ausdruck der Menschenfreundlichkeit.

Diese Aufzählung ist nicht ab­schlies­send. In beiden Basel und darüber hinaus ist unser Wohlstand wesentlich durch diese bedeutende Universität Basel begründet. Diesen Status haben Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen im Laufe der Zeit erarbeitet. Diese Exzellenz der Hochschule einer mittelgrossen Stadt konnte nur erreicht werden, weil sowohl Regierungen als auch Parlamente seit Jahrhunderten die Bedeutung der Universität Basel für die Region erkannt haben und sie mit genügend finanziellen Mitteln ausgestattet haben.

Baselland profitiert enorm

So auch in jüngerer Vergangenheit. Besonders seit der Volksabstimmung von 2007 über die Mitträgerschaft durch Basel-Landschaft konnte sich unsere gemeinsame Hochschule stark entwickeln. Wenn jetzt der Miteigen­tümer Basel-Landschaft seinen Jahresbeitrag um 25 Millionen Franken kürzen würde, hätte das verheerende Folgen für die Universität und die Region. Basel-Stadt müsste nämlich um dieselbe Summe kürzen. Auch weitere finanzielle Mittel von Bund, Stiftungen und Dritten würden reduziert. Ohne drastische Einschnitte wäre eine solche Budgetkürzung nicht verkraftbar.

Es gibt verschiedenste Gründe, weshalb die Universität nicht kaputtgespart werden darf. Allein die Lohnsumme der Mitarbeitenden der Universität aus Basel-Landschaft dürfte sich zwischen 60 und 70 Millionen Franken jährlich bewegen. Nicht eingerechnet die Löhne der Leute, die auf der Grundlage ihres Studiums an dieser Hochschule ein gutes Einkommen und damit Steuer­ertrag für das Baselbiet generieren. Unsere Wirtschaft braucht gut ausgebildete Fachkräfte und ist auch auf eine international konkurrenzfähige Universität angewiesen. Der humanistische Geist der Region hat seinen Ursprung in den Geisteswissenschaften der Universität Basel. Und diese Offenheit war und ist wiederum ursächlich für Investitionsbereitschaft – nach wie vor. Es ist allerdings falsch, die Existenz einzelner Fakultäten oder Departemente aus­schliesslich mit wirtschaftlichem Nutzen zu begründen.

Konkurrenz ist hellwach

Wer sich seriös mit der Zukunft der Region Basel auseinandersetzt, kann nicht der Meinung sein, die Universität könne ihre Funktion in der Region und für das Land auch mit deutlich weniger Geld wahrnehmen. Ein Blick nach Zürich, nach Bern, nach Lausanne und auch nach Freiburg zeigt, dass dort massiv in die Hochschulen investiert wird, auch von Dritten. Die Konkurrenz ist hellwach. Wir dürfen unserer Jugend nicht zumuten, in absehbarer Zukunft nur noch an einer zweitklassigen Universität ausgebildet zu werden. Die beiden Basel brauchen eine starke und bedeutende Universität.

Theologische Fakultät, Juristische Fakultät, Medizinische Fakultät, Philosophisch-­Historische Fakultät, Philosophisch-­Naturwissenschaftliche Fakultät, Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät und Fakultät für Psychologie müssen erhalten bleiben und sich weiterentwickeln können. Beide Basel dürfen jetzt nicht kurzfristig denken und längerfristigen Schaden verursachen. Die Universität Basel gehört beiden Kantonen und ist auch von beiden mit grosser Sorgfalt weiterzuentwickeln.

Es darf nicht sein, dass diese wertvolle und traditionsreiche Institution beschädigt wird.

Regierungsrat Christoph Eymann (64) ist Vorsteher des Basler Erziehungsdepartements und Präsident der Schweizerischen Konferenz der kantonalen Erziehungsdirektoren. (Basler Zeitung)

Erstellt: 19.07.2015, 08:11 Uhr

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