Neues aus der Kleinbasler «Schweinebucht»

Anwohner filmen weitere Missstände um die Döner-Bude StarGrill – Behörden wollen über illegales Abfallsystem nicht informiert sein.

Eine Anwohnerin beklagt sich über den Stargrill. Illegale Abfallentsorgung ab Min. 2:10.

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Die Anwohnerin im Appartement Gubser in der Unteren Rebgasse wird wegen des Lärms aus der Take-Away-Bude StarGrill in der Nacht auf Sonntag immer wieder aus dem Schlaf gerissen. Um 05:51 Uhr greift sie zum Handy und beginnt zu filmen.

Eine halbe Stunde lang. Im Fokus steht die gegenüberliegende «Schweinebucht» – die Unordnung vor dem StarGrill und die laute Kundschaft aus dem Milieu: Freier, Prostituierte, Dealer, Passanten. Gemäss Gastgewerbe-Bewilligung hätte der Wirt schon seit einer knappen Stunde sein Lokal schliessen müssen. «Jede Nacht geht das so. Uns schlägt das auf die Gesundheit», kommentiert die Anwohnerin mit verschlafener Stimme. Sie sieht sich von den Behörden im Stich gelassen.

Offenbar geniessen die türkischen Betreiber Schutz – vor allem von der Chefin der Gastgewerbe-Bewilligungsbehörde, Miranda Bettler. Es bestehe «kein Handlungsbedarf», sie lege die Petition «zu den Akten», beschied sie jenen Anwohnern lapidar, die wegen des Dauerlärms um eine Reduktion der langen Öffnungszeiten gebeten hatten. Dass die Situation vor Ort überprüft wurde, ist nicht ersichtlich. Die Döner-Bude darf täglich mindestens 21 Stunden offen halten. «De facto handelt es sich um einen 24-Stunden-Betrieb», sagen die Bewohner.

Illegale Abfall-Entsorgung

Der dokumentierte Verstoss gegen die Öffnungszeiten und der von den Behörden geduldete Lärm vor der Wohnsiedlung sind nicht die einzigen Missstände, die aufgezeichnet wurden. Kurz nach sechs Uhr filmt die Anwohnerin, wie ein StarGrill-Mitarbeiter mehrfach den Abfall im Eimer zum Kasernenplatz trägt, unter den Bäumen verschwindet und dort irgendwo, mutmasslich in den blauen, städtischen Containern entsorgt. Damit kann sich das Geschäft die Abfallgebühren ersparen.

Mathias Nabholz, Amtsleiter vom Amt für Energie und Umwelt, bezeichnet das Verhalten als illegal: «Take-Away-Betriebe müssen während ihren Betriebszeiten einen Abfalleimer aufstellen und diese Abfälle auf eigene Kosten entsorgen. Eine Entsorgung in die öffentlichen Abfallcontainer an der Kaserne ist nicht zulässig.» Würde man den Mitarbeiter auf frischer Tat ertappen, würde er mit 100 Franken gebüsst.

Bestritten wird vom Baudepartement hingegen, dass Anwohner Beobachtungen gemeldet hätten, wonach aus Eritrea angestellte Kehrrichtmänner den Abfall gebührenfrei aus syrischen und türkischen Geschäften abführten und illegal entsorgen würden. Mit den Worten, «die Darstellung ist reisserisch und weckt negative Ressentiments», ist Marc Keller, PR-Sprecher des Baudepartements, gleich in den Gegenangriff übergegangen. Der Stadtreinigung seien keine solchen Fälle bekannt.

Inzwischen hat aber auch Marc Keller einen Brief von Anwohner Peter Wirz erhalten, der genau diese Beobachtungen im vergangenen Herbst der Stadtreinigung gemeldet hatte. Wirz stellt in seinem gestrigen zweiseitigen Schreiben ausführlich dar, wie und unter welchen Umständen er die Behörden über das «Parallel-Abfallsystem» orientiert hat: «Daraufhin bekam ich eine direkte Nummer vom zuständigen Leiter der Reinigung im Kleinbasel, den ich auch sofort kontaktiert habe. Diese Person war sehr offen, aber auch erschrocken. Er hat mir sofort mitgeteilt, dass er diese Angelegenheit überprüfen werde.» Dann kritisiert Wirz die Abwehrpropaganda des Baudepartements frontal: «Sie stellen mich dar, als ob ich ein Lügner wäre.»

Doch ein mafiöses System?

Indessen krebst die Stadtreinigung von ihrer ursprünglichen Darstellung, «keine Vorkommnisse zu kennen», etwas zurück. Man mag sich jetzt an ein Telefon mit Wirz erinnern. Der Anwohner habe sich aber wegen des besagten Take-Away-Geschäfts und der einhergehenden Immissionen beschwert. «An von Herrn Wirz telefonisch eingebrachte Vorwürfe, Mitarbeiter der Stadtreinigung hätten illegal Abfälle entsorgt, kann sich mein Mitarbeiter nicht erinnern», schreibt Leiter Dominik Egli. Angesichts der Schwere hätte man Massnahmen angeordnet.

Unterdessen haben weitere Kleinbasler Kontakt mit der BaZ aufgenommen. Auch sie wollen ein illegales Abfall-Parallel-System gesehen haben. Unter anderem Peter Sigrist. Er schreibt: «Kürzlich beobachtete ich, wie ein Mann einen nicht offiziellen Abfallsack in den Mistkübelwagen warf. Er hatte südländisches, türkisches Aussehen und sprach zwei, drei Worte mit dem Lader der Stadtreinigung. Er kam aus dem Eingang Klingentalgraben 37.»

Die BaZ hätte gerne mit dem Verantwortlichen des «StarGrill» vor Ort gesprochen und ihn mit den neusten Videos konfrontiert. Doch die Mitarbeiter wimmeln ab, nachdem sie erfahren, dass die BaZ vor Ort recherchiert. «Der Chef ist nicht da», heisst es, nachdem eben eine Person noch als Chef bezeichnet wurde. Ob man eine Telefonnummer des Verantwortlichen habe? «Wir haben alle keine Telefonnummer des Chefs», sagen die Türken. (Basler Zeitung)

Erstellt: 24.08.2018, 09:32 Uhr

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